Wanderreise durch Bayerns Pfaffenwinkel – Mit EUROHIKE auf dem König-Ludwig-Weg

Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Dichte an Kirchen und Klöstern im südlichen Bayern zwischen Starnberger- und Ammersee und den Alpen ist legendär. Und legendär ist auch die Gestalt jenes Mannes, der im allgemeinen Sprachgebrauch Märchenkönig genannt wird, den die Bayern aber in liebevoller Verklärung und bis heute anhaltender Verehrung „Ihren Kini“ nennen. Sein Leben und seine Vorliebe für Wagners Musik und die Errichtung verspielter Schlösser ist hinreichend bekannt, um seinen tragischen Tod hingegen vermischen sich Gerüchte mit Tatsachen. Verschwörungstheoretiker wollen wissen, dass die Familie erhellende Dokumente in ihren Archiven zurückhält.
Von Köln aus sind wir über

Frankfurt, Würzburg und München angereist und stehen nun am Ufer des Starnberger Sees in Bernried, wo wir im Hotel Seeblick am Nachmittag unser Zimmer bezogen hatten. Auf der gegenüber liegenden Seeseite liegt das Örtchen Berg, wo der abgesetzte und für geisteskrank erklärte König am 13. Juni 1886 unter eben jenen mysteriösen Umständen den Tod fand. Ob bei einem Fluchtversuch erschossen, ob bei einem Gerangel mit seinem Leibarzt Dr. Gudden oder in suizidaler Absicht, liegt, wie gesagt, im Dunkeln. In diesem Landstrich (und darüber hinaus) ist der König jedoch allgegenwärtig und passender Weise auch der Namensgeber für unsere anstehende Wanderreise.
An der Rezeption des Hotels liegt eine grüne Mappe mit Informationsmaterial bereit. Prinzip der Reise ist, mit leichtem Gepäck zu wandern, während die Koffer durch die Firma EUROHIKE von Hotel zu Hotel transportiert werden. Die Organisation ist perfekt eingespielt, alle Gepäckstücke standen bei unserer Ankunft am jeweiligen Zielort unversehrt bereit. Mit uns auf dem Weg waren zu dieser Zeit zwei weitere Paare. Da jeder nach eigener Einteilung und Kräften läuft, begegnet man sich meist nur zu den Frühstückszeiten.
Der König-Ludwig-Weg führt von Bernried am Starnberger See nach Füssen. Die Etappenlängen sind gut zu schaffen, man sollte jedoch genügend zusätzliche Zeit für Besichtigungen einplanen. Ein echtes Highlight gleich zu Beginn ist das Buchheim-Museum in Bernried (evtl. für den Anreisetag vormerken). Der Autor des Romans „Das Boot“ hat hier eine Sammlung moderner Kunst zusammengetragen, die sowohl im weitläufigen Außenbereich wie auch im Gebäude selbst namhafte Exponate vereint.
Durch den Museumspark wandern wir über den Ort Unterzeismering zunächst zur Ilkahöhe. Den Namen erhielt die Anhöhe zu Ehren der Fürstin Ilka von Wrede, die sich durch ihre Hilfe für Verwundete im Kriege 1870/71 zahlreiche bayerische und preußische Auszeichnungen verdiente. Nach letzten traumhaften Ausblicken auf den Starnberger See, geht es weiter zum Deixlfurter See, und von dort mitten durch einen Golfplatz über Traubing zum Kloster Andechs, auch der „heilige Berg“ der Bayern genannt. Nach einem letzten knackigen Anstieg ist die Klosterkirche erreicht. Die anschließende „Moaß“ des berühmten Bieres ist nach dieser ersten Etappe wohlverdient. Mit dem Schiff überqueren wir den Ammersee nach Dießen, wo wir unsere Koffer im Hotel Seefelder Hof in Empfang nehmen.

Am nächsten Morgen, brechen wir am Untermüllerplatz in Dießen zur zweiten Etappe auf. Den Platz schmückt eine Säule mit der Skulptur „Diez“ des Künstlers Matthias Rodach, und zeigt einen Fischer mit einem riesigen goldenen Fisch in den Armen. Der Name Diez wurde abgeleitet von Diezen, dem mittelalterlichen Namen von Dießen. Das Sonntagsläuten des Münsters begleitet uns hinaus auf die Felder und dann hinauf in den Wald zur Burgkapelle. Kurz vor dem Gipfel sprudelt eine Quelle mit herrlich frischem Wasser, die der heiligen Mechtildis, ehem. Äbtissin von Dießen, geweiht ist. Sie soll zudem bei Augenleiden helfen. Ein Selbstversuch schlug leider fehl.
Oben, kurz hinter der Kapelle, öffnet sich das Gelände und in der Ferne zeigt sich zum ersten mal das grandiose Alpenpanorama. Bald darauf wandern wir durch einen stillen, einsamen Wald, wo lediglich ein Pferdegespann auf Ausflugsfahrt unseren Weg kreuzt. Nach dem wohltuenden Schatten des Waldes geht es nun bergauf und bergab über mehrere freie Kuppen. Vor uns liegt wieder diese wunderbare Bergwelt der Alpen, und mit Hilfe einheimischer Radfahrer, die am Wegesrand rasten, können wir einige markante Gipfel ausmachen („Die Zugspitze genau über dem Sendemast auf dem Hügel dazwischen“). Wir erreichen die Klostermauer von Wessobrunn. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt das Hotel Post mit großer Außenterrasse, wo die sehnlichst erwartete Erfrischung winkt.
Über Nacht hören wir das Rauschen des Dauerregens, der sich glücklicher Weise zum Morgen hin beruhigt. Das ist auch nötig, denn heute steht eine längere, und mit dem Anstieg zum Hohenpeißenberg auch fordernde Etappe an. Gleich nach einem Kilometer geht es steil bergauf und dann in Wellenbewegungen durch Felder, Wälder, kleinere Ortschaften und ein Moorgebiet zum Fuße des Hohenpeißenberges. Der Gasthof „Zum Bayerischen Hiasl“ im St. Leonharder Ortsteil Forst erinnert an Matthias Klostermayr, der im 18. Jahrhundert als „Robin Hood“ vom Lech sein Unwesen getrieben hatte, und später auf grausame Weise hingerichtet wurde. Die Figur soll auch Friedrich Schiller zur Vorlage für sein Drama „Die Räuber“ gedient haben.
Es ist ratsam, nach dem Aufstieg zum Hohenpeißenberg an Verpflegung und Getränke gedacht zu haben, denn der Gasthof oben ist montags geschlossen. Die überwältigende Aussicht genießen wir trotzdem, da nach anfänglichem Nieselregen die Wolken aufreißen und den Blick auf die Berge freigeben. Vorbei an der großen Station des Deutschen Wetterdienstes laufen wir einen steilen Wurzelweg hinunter ins Tal. Das behagliche Hotel Pfaffenwinkel in Peiting ist leicht zu finden, das gastronomische Angebot im Ort bietet Auswahl für jeden Geschmack. Den Ort Peiting wussten schon die Römer zu schätzen. Nach geruhsamem Schlaf, und wie in allen Hotels reichlichem Frühstück, nehmen wir die abenteuerlichste Etappe der Tour in Angriff. Leider bei ganztägigem Dauerregen. Das Ziel heißt Wildsteig. Dazwischen liegen die Ammerschlucht und das Chorherrenstift mit Klosterkirche in Rottenbuch.

Zunächst geht es aus Peiting hinaus, völlig eben über die Felder, bis man nach etwa einer Stunde den Parkplatz vor dem Einstieg in die Ammerschlucht erreicht. Der Hinweis, äußerst umsichtig und trittsicher zu sein, ist auch bei trockenem Wetter unbedingt ernst zu nehmen. Zahlreiche Holz-, Erd- und Steintreppen sowie ansteigende und abfallende Holzstege machen die Tour besonders bei Regenwetter zur Herausforderung. Mitten in der Schlucht müssen wir umkehren. Durch die Stürme der vorangegangenen Nacht sind mehrere, auch große Bäume entwurzelt oder abgeknickt und versperren den Weg. Wir gehen also zurück nach Peiting und nehmen ein Taxi nach Rottenbuch, da der Bus nur selten fährt.
Der Landgasthof Rottenbucher Stuben hat zur Mittagszeit geöffnet und bietet typisch bayerische Brotzeiten. Die Klosterkirche gleich nebenan übertrifft die berühmte Wieskirche (von der noch zu berichten sein wird) deutlich an Ausmaßen und Pracht in ihrer fast schon überladenen Ausschmückung. Besonders die zahlreichen großen Bildhauerarbeiten und die eindrucksvolle Orgel sind hervorzuheben. Bei immer noch anhaltendem Regen machen wir uns auf den Weg nach Wildsteig und sind bei der Ankunft völlig durchgeweicht und daher froh, endlich im Ort anzulangen. Für uns ist ein Zimmer im Hotel Zur Post (Kirchberger) reserviert, zu dem ein wirklich sehr steiler Weg hinaufführt.
Die heutige Etappe von Wildsteig nach Buching beinhaltet einige touristische Höhepunkte, aber keine besonderen wandertechnische Schwierigkeiten. Es gibt zwei Varianten, wobei der Weg bis zum UNESCO Weltkulturerbe „Kirche in der Wies“ gleich ist. Die prächtig ausgestattete Kirche wird von Besuchern aus aller Welt stark frequentiert. Sie gilt als eine der schönsten Rokokokirchen der Welt. Den weitläufigen Vorplatz beherrschen einige Gasthäuser und diverse Andenkenläden. Wir wählen ab hier die kürzere Variante auf dem Brettlesweg durch das Wiesfilz. Auf Holzbohlenwegen, die zuweilen einige Zentimeter unter Wasser stehen können, wandern wir durch ein wunderschönes Moorgebiet mit seltenen Pflanzen und Inseln aus blühender Heide. Die anschließenden Waldwege nach Steingaden werden durch Weiden und Pferdekoppeln unterbrochen. Besonders rührig sind am Wegesrand bereit gestellte, selbst geschnitzte Wanderstöcke und gefüllte Wasserflaschen, mit einem Kästlein und der Bitte um eine Spende. Am Ortseingang von Steingaden passiert man die „Käsealm“. Hier gibt es auch Forellen, Saiblinge und anderer Fische direkt aus dem Rauch. Am Feuerwehrhaus fährt der Bus nach Buching ab, das man in wenigen Minuten erreicht.

Heute geht es schon auf den letzten Teilabschnitt von Buching nach Füssen – leider! Wir wählen die Variante am Ufer des Forggensees entlang. Der Weg ist zwar nur unwesentlich kürzer, durch das flache Profil aber zügig zu gehen. Zudem bietet er den Vorteil, dass für die wirklich sehenswerte Füssener Altstadt genügend Zeit bleibt. Auch eine kleine Wanderung zum tosenden Lechfall am südlichen Stadtrand von Füssen könnte in Erwägung gezogen werden. Unser Tipp ist, einen Zusatztag zur Besichtigung der Schlösser einzulegen., mit einer kleinen Wanderung auf die Rückseite des Schlosses Neuschwanstein (Bester Blick auf das Schloss von der Marienbrücke aus) und durch die Pöllatschlucht zurück nach Hohenschwangau.
Zurück zum Beginn der Etappe: Zunächst wandern wir von Buching zum Hegratsrieder See. Nach etwa 5 Kilometern versperrt ein Weidegatter den Weg. Allerdings gibt es einen Durchlass für Wanderer. Auf der Wiese grasen ein paar Dutzend Kühe, von denen sich eine handvoll beim Auftauchen von Wanderern neugierig am Gatter versammelt. Zum ersten Mal treffen wir während einer Wanderetappe auf zwei weitere Paare, die auf dem gleichen Weg unterwegs sind. Gemeinsam passieren wir die Weide, da einigen die Situation nicht ganz geheuer ist. Die Tiere sind aber vollkommen friedlich. Ein kleiner Schubser genügt und sie geben den Weg frei. Am Forggensee umrunden wir die Halbinsel beim Campingplatz „Brunnen“ und gelangen zum Örtchen Waltenhofen. Von hier aus kann man auch das Ausflugsschiff nach Füssen nehmen, uns ist es vor der Nase weggefahren. Direkt am Seeufer liegt ein Hotel mit Restaurant und Biergarten, gerade recht für eine Rast zur Mittagszeit.
Schräg gegenüber liegt das König Ludwig Festspielhaus. Es stand von Beginn an unter keinem guten Stern und hat mit Defiziten zu kämpfen. Wenn der Blick ein wenig nach links schweift, trifft er auf die Silhouette der Stadt Füssen mit dem alles Überragenden „Hohen Schloss“. Nach der Überquerung des Lechs mit seinem weiß-grünen Wasser und ein Stück am Ufer des selben entlang, führt die Straße aufwärts in die Füssener Altstadt. Unser Hotel Hirsch liegt gleich am Ende der Fußgängerzone. Wir kehren nach einem Streifzug durch die Stadt im hoteleigenen Bierstüberl ein.
Zum gut einstündigen Rücktransport nach Bernried steht der freundliche Fahrer mit dem EUROHIKE (EUROBIKE) – Kleinbus pünktlich bereit.

Weitere Infos und Wanderreisen unter: www.eurohike.at/de

Auch Radreisen gibt es unter: www.eurobike.at/de 

Text: Detlev Neukirch

Fotos: Detlev Neukirch; Ella Fabek

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