DSV-Skisoldatin Katharina Hennig im internationalen Loipen-Stresstest – Skiweltcup 2024: Mit Schelleis‘ virtuellem Eichenlaubkranz kampfstark durch die Zwischensaison

Von Volker Schubert, Korrespondent Olympischer Spitzensport

Seit Jahren gehört die erzgebirgische Skilangläuferin und Sportsoldatin Katharina Hennig zu den dominierenden Leistungsträgern und absoluten Aushängeschildern des Deutschen Skiverbands (DSV). Letztes Jahr durch den Inspekteur der Streitkräftebasis, Martin Schelleis, für ihre herausragende schneesportliche Medaillenbilanz während der vergangenen Winterolympiade zur „Sportsoldatin des Jahres 2022″ gekürt, bewegt sich die winterkampfstarke Oberwiesenthalerin in der begonnenen Skilanglaufsaison 2024 längst wieder auf der Erfolgsloipe. Schelleis‘ natürlich rein virtuell gestifteter „Eichenlaubkranz“, der das Athleten-Haupt der längst zur deutschen Skilanglaufikone arrivierten Bestzeitenjägerin seither mit sportsymbolischem Aufladungscharakter ziert, geht auf eine basisdemokratische Entscheidung zurück.

Denn, dass Schelleis die Ausnahmesportlerin von der sächsischen Sportfördergruppe Frankenberg auf den einmal jährlich zu vergebenden Militärathleten-Thron heben durfte, beruht letztlich auf dem Votum von rund 850 Bundeswehr-Sportsoldaten, die die gebürtige Oberwiesenthalerin einhellig für den Spitzenplatz nominierten. Exklusiv für Bundeswehr Sport-Magazin ließ der Berliner Sportjournalist und Korrespondent Olympischer Spitzensport, Volker Schubert, die Vorbereitungssaison der sächsischen Weltklasseathletin Revue passieren und begleitete „Katha“ Hennig stationsweise auf ihren Highlights durch den Skiweltcup 2024.

Dass Katharina Hennig in puncto Popularität und Strahlkraft sportart- wie disziplinspezifische Grenzen zu überwinden vermag, ist gewiss auch auf ihre außergewöhnliche Ausstrahlung zurückzuführen. Herausstechende Charaktereigenschaften, gepaart mit unbändiger Disziplin und ausgeprägten Geistes- und Willensqualitäten, sind dann wohl auch ihre markantesten Markenzeichen, die die Sportsoldatin „Katha“ Hennig immer wieder zu internationalen Höchstleistungen animieren. Neben ihrer beeindruckenden Spitzensport- und Medaillenbilanz glänze Katharina Hennig ebenso durch ihre zielstrebige, sympathische und großzügige Art, wie Martin Schelleis, Chef des Bundeswehr-Organisationsbereichs Streitkräftebasis (SKB), während seiner Laudatio bei der feierlichen Zeremonie zur Ehrung der Sportsoldatin des Jahres 2022 zu Herbstbeginn des Vorjahres hervorhob. So sei die herausragende Skilangläuferin nicht nur eine Vorzeige-Athletin, sondern auch ein Vorbild für den deutschen Sportlernachwuchs und das gesellschaftliche Engagement insgesamt. Die Bundeswehr sei stolz, Katharina Hennig in ihren Reihen zu wissen, so der Dreisterner.

Avantgarde deutscher Militärsportbotschafter

Dass die Olympiasiegerin von Peking verdientermaßen Sportsoldatin des Jahres `22 wurde, geht auch auf die Vorschlagsliste der Sportfördergruppenleiter und den Nominierungsvorgang innerhalb der 850 Sportsoldaten zurück. Sportartübergreifend und mit klarem Votum hätten die in der Sportförderung der Bundeswehr eingeplanten Athleten schließlich für das DSV-Ass votiert, wie die Streitkräftebasis die inspirierende Geschichte der DSV-Spitzensportlerin kommentierte.

Die offizielle Militärathleten-Würdigung, die erstmals 2018 stattfand, sei zudem ein historischer Moment, weil die Ehrung mehr als eine Medaille oder einen Ehrentitel repräsentiere. Vielmehr orientiere sich Katharina Hennig‘s Auszeichnung vor allem an ihren großen Verdiensten, die über das Spitzensportliche hinausreichten. Auf internationaler Bühne habe die außergewöhnliche Athletin Deutschland stets ganz hervorragend repräsentiert. Um jenen Sportbotschafterrolle gerecht zu werden, setze die Streitkräftebasis den parlamentarischen Auftrag zur Spitzensportförderung professionell um, schaffe leistungssportlich optimale Rahmenbedingungen, böte soziale Absicherung und medizinische Betreuung bei einem zeitlichen Höchstmaß für Training und Wettkampf und zeige zudem berufliche Laufbahnperspektiven in der Bundeswehr selbst auf, so der SKB-Chef.

Doch was sich für die Bundeswehr, deren Sportfördergruppen und Deutschlands Spitzensportorganisation schlechthin nach einem triumphalen Kampagnenverlauf außerhalb der SKB anhörte, stieß mit Blick auf die öffentlichen Leitmedien auf verschlossene Kanaldeckel. Auf der Suchplattform Google recherchiert, blieb das Medienecho zur Bundeswehr-Spitzensportler-Ehrung ganz offensichtlich im Sang- und Klanglosen stecken. Wer auf eine öffentlich angelegte Resonanz hoffte, blieb sportpressemedial im Dunklen stehen; insbesondere bei den Öffentlich-Rechtlichen. Der seinerzeit ausgebliebenen Sportberichterstattung zum Trotze, mit dem Start der Skiweltcupsaison 2023/2024 sollte die Oberwiesenthalerin dennoch für skialpines Wetterleuchten à la Erzgebirge sorgen.

Der 20 Kilometer Massenstart im Klassischen Stil: Bei ihrer Oberhofer Lieblingsetappe ging Katha von Beginn an auf Medaillenjagd.

Grandioser Val-di-Fiemme-Sieg: Emotionaler Booster fürs Sommertraining

Wenn die medialen Schlaglichter in der aktuellen Wintersportsaison auf den Namen Katharina Hennig einblenden, führt kein Weg an einer schillernden Retrospektive vorbei: Dann ist noch immer unweigerlich von den eiseskalten und Corona-isolierten Wettkampfbedingungen der Olympischen Winterspiele in Chinas kommunistischem Reich der Mitte die Rede, wo die sächsische Sportsoldatin 2022 gemeinsam mit ihren Mannschaftskameradinnen mit der Silbermedaille im Staffellauf brillierte. Dem ersten Medaillenstreich sollte dann rasch ein zweiter, ein noch gewaltigerer Sieg folgen: So bot die Krone des Pekinger Erfolgs schließlich das goldveredelte Finish beim Teamsprint – der sensationelle und letztlich unangefochtene Olympiasieg der Oberwiesenthalerin, mit dem Katharina Hennig mit ihren Skikämpferinnen die Weltklassekonkurrenz so einmalig zu dominieren verstand.

Der `22er Olympiasaga nicht genug, folgte bald ein weiteres Spitzenmärchen, als Katha bei der Tour de Ski im italienischen Val di Fiemme im Januar 2023 unangefochten zum ersten deutschen Weltcup-Sieg seit 14 Jahren sprintete. Ein solch grandioser DSV-Erfolg war zuletzt der Weltklasseskilangläuferin Claudia Nystad vergönnt, als sie im März 2009 die gleiche Siegesbilanz einfuhr. Und so stellte Katha‘s sporthistorisch legendärer Sieg inmitten des faszinierenden Dolomitenpanoramas nicht nur eine Fabelleistung, sondern auch ein erstklassiges Resultat für ihren triumphalen Einzug in die absolute Weltspitze dar.

Entlang ihrer herausragenden Siegesserie vollzog sich auch ihr emotional angereicherter Start in die Sommersaison 2023. Mit Stolz auf ihren ersten Weltcupsieg in Val di Fiemme rückblickend, verstehe sie ihr damals gezeigtes Leistungs- und Gesundheitsbild auch als einen Prozess des Zusammenschmiedens, der am Ende zu einen superguten Teambuilding für den Einstieg in die Vorbereitungsphase zur Wintersaison 2023/2024 geführt habe, wie Hennig gegenüber Bundeswehr Sport-Magazin kommentierte. Ein intensives Hochgefühl, das während der Tour de Ski auch auf den durchgängigen Rückhalt ihrer Familie zurückzuführen sei, was sie vor Ort mental sehr stark unterstützt habe, wie sie dazu ergänzend unterstrich.

Vorbereitungsphase 2023: Trainingsreize bis der Truppenarzt kommt

Den im November 2023 angelaufenen Skiweltcup-Winter vor Augen und auf ihre Vorbereitungszeit im letzten Sommer zurückblickend, wäre ihr damaliger Vorbereitungszyklus in den vergangenen Monaten vor allem von einer auf Langfristigkeit aufbauenden Trainingsplanung dominiert worden. Wochenlang stand hier die Erzielung hoher Leistungsstabilität durch intensive Ausdauerstärkung im Vordergrund. Das Langfristziel sei dabei durch Ihren Bundestrainer Peter Schlickenrieder klar und eindeutig formuliert worden: eine Einzelmedaille bei den kommenden Weltmeisterschaften 2025 im norwegischen Trondheim und eine Topplatzierung bei den Olympischen Winterspielen 2026 im italienischen Milano Cortina, so Schlickenrieders planerischer Zielkorridor.

So habe Sie zusammen mit Schlickenrieder die Sommersaison auch ausgiebig genutzt, um an vielen Stellschrauben zu drehen, denn die laufende Skisportsaison 2024 wäre durch kein großformatiges Weltsportereignis geprägt, so Katha, die sich deshalb auf die deutliche Steigerung ihrer Trainingsumfänge konzentrieren und damit die Grundlage für die durch den Bundestrainer anvisierten Weltsportereignissen der bedeutsamen Folgesaison 2025/2026 legen konnte. Außerdem bestand ihr spitzensportlicher Maßnahmenkatalog auch in bereichernden Teamtrainings und der Absolvierung von zielführenden Trainingslehrgängen, die sie insgesamt „sehr zuversichtlich“ stimmten, wie die Olympiasiegerin betonte.

Ein weiteres Modul des Stellschraubenpakets sei das Feilen an ihrer Skating-Technik gewesen, so die Sportsoldatin weiter. Hier verfolgten ihr Bundestrainer und sie das Ziel, die skitechnische Stabilität so zu erhöhen, dass im Ergebnis ein Plus an dynamischer Vorwärtsenergie entstehen sollte. Das könne sie jetzt auch auf die Piste bringen und die dabei gewonnene Kraftausdauer nun in höherer wie kontinuierlicher Tempoarbeit umzusetzen, was in der Summe zu besseren Wettkampfergebnissen führen dürfte, wie die 27-Jährige gegenüber Bundeswehr Sport-Magazin erklärte. Auch während der beständigen Technikverbesserungen habe ihr paralleler Schwerpunkt immer wieder auf der körperlichen Vorbereitung sowie der mentalen Fokussierung auf lange Distanzrennen gelegen, so die weiterhin treu für den Wintersportclub (WSC) Erzgebirge Oberwiesenthal startende Armeesportlerin.

Symbiotische Einheit von Körper, Geist, Natur und Sportgerät

In der Rückschau sei die Sommersaison `23 eine extrem harte Challenge gewesen, denn die auf die sonst üblicherweise zwischen Trainingsumfang wie Trainingsintensität bestehenden  Reduzierungen in den jeweiligen Trainingsphasen, die gab es während der überlangen Vorbereitungsphase nicht. Das komplette Wegfallen dieser Regenrationszyklen sei eine echte Umstellung gewesen, war aber vor dem Zielbild ihres Bundestrainers unverzichtbar, weil ein zeitliches Verschieben vor dem Hintergrund der Nordischen Ski-WM und der Olympia-Saison nicht möglich gewesen wäre.

So habe sie in den harten Trainingsvorbereitungen verstärkt lange Kanten durchgezogen; dabei komplette Zwanziger aber auch Fünfziger absolviert, um für später bestens performt zu sein. Angesichts der Härte des zu absolvierenden Sommertrainings sei ihrem Trainer dennoch ein adäquates Setting gelungen, mit dem sie auch sehr gut durch die körperlich fordernden Monate gekommen sei. Unter dem Aspekt ihrer hochrangigen WM- und Olympiaziele sei der durchzustehende Makrozyklus aber letztendlich unumgänglich gewesen.

Baustelle Freistil-Technik: Beim Memorieren Luft nach oben

So bilde das Zeitfenster von 2023 bis 2024 jetzt quasi ein Zwischenjahr, dass sie trainerisch voll ausschöpfen müsse, um die perfekten körperlichen Trainingsgrundlagen für die Spitzenwettkämpfe der Zukunft zu legen. Ohne sehr langfristig angelegte Planung wäre die nachhaltige Leistungsverbesserung einfach nicht möglich, denn alles das, was ab Ende 2024 an Trainingsreizen komme, sei so körperlich in eine deutlich bessere Ausdauerform verpackt. Im Klassischen Stil liefe jetzt alles ganz gut, was für sie als Skidistanzläuferin natürlich das Wichtigste sei. Trotz der erfolgreich verlaufenen Vorbereitungszeit erkenne sie noch Verbesserungspotenzial, so die Skisoldatin zu Bundeswehr Sport-Magazin.  Und das sei klar in der sportmotorischen Konstanz beim Wechsel zwischen Freistil- und Klassischem Stil angesiedelt.

Die Verbesserung ihrer Skating-Qualitäten stehe für sie deshalb immer wieder im Blickpunkt; zwar nicht explizit, mindestens aber tendenziell. So entspreche ihr latentes Bedürfnis nach Technikverbesserung auch der Analyse des Gesamtweltcups: Hier sei es extrem wichtig, dass man neben der Erzielung optimaler konditioneller Ausdauerfähigkeiten auch als Skilangstrecklerin im Sprint zumindest mithalten könne. Aus rein skitechnischer Betrachtung verfüge sie hier jedenfalls noch über Luft nach oben. Die verbesserte Skating-Performance diene am Ende aber auch der Schadensbegrenzung, um bei ihren regelmäßigen Starts in den Sprintkonkurrenzen möglichst wenige Punkte zu verlieren. Nichtsdestotrotz versuche sie deshalb die Baustellen in der Freistil-Technik immer wieder zu schließen, auch wenn sie als Skilangläuferin nicht schwerpunktmäßig an der Verbesserung ihrer Sprintergebnisse arbeite.

Nach gut 10 Kilometern startet die starke US-Amerikanerin Jessica Diggins einen Ausreisversuch, der durch Katha‘s knallhartes Tempodiktat letztlich vereitelt wurde.

Von Ruka bis Lathi: Skilanglaufweltcup `24 ist vorolympisches Intermezzo

Für Katharina Hennig dürfte sich in der laufenden Skisaison bereits vor dem internationalen Wettkampfende – dem Weltcupfinale am 23. März im finnischen Lahti – gezeigt haben, dass sich die harte Sommerarbeit vollends gelohnt haben dürfte. Und zwar eingedenk der Tatsache, dass die erzgebirgische Olympiasiegerin kurze Zeit nach dem internationalen Wettkampfstart am 24. November im finnischen Ruka im Dezember noch eine Corona-Infektion durchstehen musste. Zum Saisonauftakt des Skilanglaufweltcups in Ruka stellte sich Katharina Hennig sofort ihrer nordischen Spitzenkonkurrenz bei einem spannenden Sprint-Rennen, das die bärenstarken Schwedinnen mit einem Doppelerfolg durch Emma Ribom und Landsfrau Jonna Sundling gewannen. Mit Bronze komplettierte die Norwegerin Kristine Stavaas Skistad das Podium. Katha gelang trotz des extrem starken Sprintfeldes, das im klassischen Stil angetreten war, eine Platzierung unter den Top 10. Und dies, obwohl sie im Teamsprint als Fünfte ihres Halbfinales den Finallauf verpasste.

Für die Sportsoldatin dennoch ein überzeugender Auftaktsprint, der „viel besser als erwartet“ verlief, wie sie in Ruka resümierte. Schließlich musste die Oberwiesenthalerin gegenüber den Sprintspezialistinnen erst beim Übergang zur Zielgeraden abreißen lassen und landete in der Endabrechnung auf dem beachtlichen zehnten Rang. Dem positiven Saisonstartergebnis der Olympiasiegerin folgte dann eine gesundheitlich bittere Talfahrt: so wurde die herausragende DSV-Langlaufspezialistin im Dezember abrupt durch eine Corona-Infektion zurückgeworfen. Nach der Rekonvaleszenz mit eher geringen Erwartungen in den weiteren Verlauf der Tour de Ski gestartet, präsentierte sich die Sportsoldatin zur großen Überraschung der Skisportwelt bei der Tour de Ski im schweizerischen Davos dennoch in annähernder Bestform.

Beste Deutsche in Davos: Katha von Corona nicht zu bremsen

Anfang Januar, beim Start des hochkarätigen internationalen Davoser Wettkampfformats, das fest in den Skilanglaufweltcup integriert ist, lief es für das DSV-Team im Freistilsprint zunächst chancenlos. Beim Start in den Schweizer Bergen insgesamt zwar gut in der Tourwertung platziert, verpasste Hennig die für die Kurzstrecke erforderliche Qualifikationshürde. Den Sieg errang der schwedische Sprintstar Linn Svahn mit dem Kunststück, als erste Frau alle vier Tour-de-Ski-Sprintsiege auf sich zu vereinen. Die Norwegerin Kristine Stavaas Skistad folgte als Zweite vor der Tour-Führenden Jessie Diggings (USA). Für Hennig letztlich ein Fauxpas, der zu einem Kräftesparen für die 20 Kilometer Verfolgung geführt haben dürfte. Denn hier sollte es der Erzgebirgerin am Folgetag gelingen, ihr Potential kämpferisch auszuschöpfen.

Für die Sächsin ein langer Kanten unter schwierigen Bedingungen, denn für die 27-Jährige hieß es in Davos bei starkem Schneefall reichlich Rückstand aufholen zu müssen. Am Ende sollte ihr die Aufholjagd gelingen. So schaffte es Katha in ihrer Lieblingsdisziplin schließlich, sich während des gesamten Rennens in der Spitzengruppe festzubeißen. Im Ziel zwar nicht auf dem Podest, die hervorragende Finnin Kerttu Niskanen hatte nach 1:12:00.70 Stunden die Nase vorn, lief die Erzgebirgerin mit lediglich 15,2 Sekunden Rückstand als Neunte über die Ziellinie und wurde damit beste Deutsche.

Durchbruch-Rennen in Val di Fiemme

Nach dem Davoser Härterennen in die Weltklassekonkurrenz zurückgemeldet, sollte das Punktesammeln des internationalen Weltcupskizirkus´ beim Saisonhighlight im italienischen Val die Fiemme in die letzten Langlaufetappen münden. Bei der finalen Station des Tour-de-Ski-Formats innerhalb der Langlaufweltcupserie nutzte die Olympiasiegerin erneut ihre Chance, um die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Hier ging Katha bei der vorletzten Etappe im Klassik-Massenstart über 15 Kilometer an die Ablauflinie und zeigte dabei ein bravouröses Leistungsbild. Nach einem hart fordernden Rennen musste sich die Oberwiesenthalerin am Ende nur von den beiden Weltklasse-Schwedinnen Linn Svahn und Frida Karlsson geschlagen geben, finishte schließlich als Dritte im Ziel.

Wie hart Katha um einen der drei Podestplätze kämpfte, ließen die Endzeiten nur erahnen: Svahn siegte nach exzellenten 53:49,7 Minuten knapp vor der früheren Staffel-Weltmeister Karlsson mit 0,4 Sekunden Rückstand; nur zwei Wimpernschläge gefolgt von Katharina Hennig, die mit 1,4 Sekunden hinter Svahn zu Buche schlug. Auf der überaus langen Zielgeraden sei das eine extrem große Energieleistung in einem sehr schweren 15er gewesen, wie die Bronzemedaillistin betonte. Ihr erster Podestplatz der Saison sei ihr innerhalb eines extrem harten Rennverlaufs gelungen, wie die Sächsin „superglücklich“ konstatierte. Es habe „seine Zeit gedauert, bis ich mich nach Corona wieder gut gefühlt habe“, so die DSV-Athletin nach dem erfolgreichen Langstreckenplatz mit dem sie ihre diesjährige Tour de Ski mit 2:27 Minuten Differenz zur Siegerin als Elfte beendete.

Oberhofer Glanzauftritt versilbert

Nur rund 14 Tage später sollte dem Spitzenresultat von Val di Fiemme ein weiterer Paukenschlag folgen. Diesmal auf nationalem Terrain im heimischen Oberhof, einer Langlaufweltcup-Station, bei der Hennig im Massenstart über die 20 Kilometer im klassischen Stil abheben sollte. Für die Sächsin eine Bravourstrecke, bei der sich das DSV-Ass sehr große Chancen auf den Sieg oder einen Spitzenplatz ausrechnen durfte. Natürlich auch, weil Oberhof den ersten saisonalen Massenstart in der klassischen Technik über 20 Kilometer bot. Entsprechend hochmotiviert präsentierte sich die Sportsoldatin in der Loipe, führte die Konkurrenz dabei oftmals an. Rund zwei Kilometer vor der 10 Kilometer Marke gelang einer Gruppe von 15 Skiathletinnen eine vorentscheidende Absetzbewegung. Die erste Rennhälfte passiert, kam es erneut zu heftigen Tempoverschärfungen, um die favorisierten Schwedinnen wegen ihrer berüchtigtem Endspurtqualitäten vorzeitig abzufangen.

Doch die Tempoarbeit der US-Amerikanerinnen Jessica Diggins und Rosie Brennan, die zum Zerreißen des vorderen Konkurrenzfeldes führen sollte, zahlte sich auch eingangs der letzten Runde nicht aus. Wie „unkaputtbar“ glitten die 15 Spitzen-Athletinnen eng geschlossen  voran, was unweigerlich daraufhin deutete, dass die Podestentscheidungen beim letzten Anstieg oder im Zielkorridor fallen würden. Hier wuchs Katharina Hennig förmlich über sich hinaus und zog das Tempo merklich an. Den hervorragenden Eindruck weiter im Tempo forcierend, setzte sich die Oberwiesenthalerin beim finalen Anstieg so weit ab, dass ihr Sieg erreichbar schien. Gegen die fulminante Sprintstärke der Schwedin Frida Karlsson konnte die sächsische Skisoldatin letztlich nichts entgegensetzen, erzielte mit Silber trotzdem ein hervorragendes Ergebnis. Absolute Weltklasse sei ihr Resultat, so Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der sich mit einem überschwänglichen „Chapeau“ verneigte.

Katha mit Weltklasseformat im Glück: So schön kann Silberlächeln bei ansteigender Formkurve sein!

Erzgebirge verbindet: „immer ein Herz für Katha“

Auch Jan Fiedler, der Chef der sächsischen Bundeswehr-Sportfördergruppe, zeigte sich vom Resultat seiner erzgebirgischen Landsmännin, die jetzt im Allgäu lebt und trainiert, begeistert. Hautnah habe er den 20 Kilometer Massenstart während der Weltcup-Station in Oberhof verfolgt und mitgefiebert, so der ehemalige DDR- und Deutsche Skilanglaufmeister, der bis in die 1990er Jahre für Deutschland international erfolgreich an den Start ging. Auf dem sechs Mal 3,3 Kilometer Rundkurs habe sich Katha ausgezeichnet geschlagen, immer wieder Führungsarbeit geleistet und bis zuletzt taktisch versiert und verbissen um den Sieg gekämpft, so der 55-jährige Skilanglaufexperte zu Bundeswehr Sport-Magazin, der die erstklassigen Oberhofer Skilanglauf-Bedingungen bei minus sechs Grad, eitel Sonnenschein und das klasse Fachpublikum lobte. Auch wenn seine Sportsoldatin im Herbst letzten Jahres die Frankenberger Sportfördergruppe aus persönlichen Gründen verlassen habe und nun von der Militärsport-Dependenz Sonthofen administrativ betreut werde, sei er ihr landsmannschaftlich und emotional eng verbunden, so der Erzgebirger Jan Fiedler, der auch in Zukunft „immer ein Herz für Katha“ hegen werde.

Zwei heimattreue Erzgebirger: Auch wenn Katha jetzt am OSP Sonthofen trainiert, hegte Sachsens Sportfördergruppenchef Jan Fiedler weiterhin ein Herz für das Oberwiesenthaler DSV-Ass.

Fernziel Mailänder Winterolympiade im Makrozyklus

Die Halbzeitbilanz der laufenden Zwischensaison im Visier, dürfte die Analyse ihres spitzensportlichen Gesundheitsbildes zum derzeitigen Zeitpunkt jedenfalls durchweg positiv ausfallen: so würden sich die im Sommer 2023 knallhart gesetzten Trainingsreize zur Trondheim-WM wie zu den Mailänder Winterspielen für Katha schon jetzt ausgezahlt haben, wie DSV-Experten prognostizieren. Folglich laufe alles ganz nach Schlickenrieder-Fahrplan, der sich mit seinen deutschen Toplangläuferinnen während der Weltcupsaison vorerst im Basislager zum späteren Aufstieg auf dem Mount Everest befinde, wie der DSV-Cheftrainer kolportierte. Ein Positionsbild, dass Jan Fiedler unumwunden teilt, denn Katha lässt innerhalb der immer härter umkämpften Weltspitze seit Jahren durch Kontinuität und sehr gute Wettkampfergebnisse aufhorchen.

Über den Autor

Der Sportjournalist und Korrespondent Olympischer Spitzensport Volker Schubert ist ehemaliger, langjähriger Leistungssportamateur und bis in die 1990er Jahre erfolgreicher Berliner Langstreckenläufer, mehrfacher Berliner Meister, Deutscher Mannschaftmeister, Deutscher Mannschaftvizemeister, Deutscher Hallenbronze-Meister, Berliner Polizeimeister im Crosslauf und Berliner Polizeimeister im Polizei-Dreikampf (3.000 m Geländelauf, 300 Meter Schwimmen, Schießen Olympische Ringscheibe) und DLV-Lizenztrainer. In den Wintermonaten hält sich unser Autor neben seinem Lauf- und Fitnesstraining auch mit Alpinski und Skilanglauf fit.

Text und Fotos: Volker Schubert

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