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Sebastian Bachmann: Erfolgreiche Olympia-Premiere

Filed in Allgemein, Sportfechten by on 27. November 2012 0 Comments • views: 71

Abgeschieden von allem Trubel genießt Sebastian Bachmann mit Lebensgefährtin Ann-Kathrin Honeck derzeitig seine erste olympische Medaille im heimischen Alfter nahe Bonn. Der 25-jährige Stabsunteroffizier aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr hat zwar vorerst das Florett aus der Hand gelegt, doch die Ereignisse des Mannschafts-Wettkampfes in London beschäftigen ihn noch immer. „Wir hatten die Chance, mit Gold oder Silber nach Hause zu fahren. Die wurde uns jedoch genommen“, blickt Sebastian nochmals zurück. Drei klare Treffer seines Team-Kollegen Peter Joppich wollten die Kampfrichter im Halbfinale gegen Japan einfach nicht geben. „Zwei davon waren Einzeltreffer von Peter, also eine Lampe. Deutlicher geht es nicht“, so der Bonner Bachmann weiter. Statt der Deutschen durfte am Ende Dank jener fraglichen Entscheidungen das japanische Team den Finaleinzug bejubeln. Sebastian selbst, der jenes denkwürdige Gefecht von Peter Joppich aus der Team-Box mitverfolgte, hatte gleich mehrfach zum Jubel-Sprung angesetzt, wurde, wie auch seine Mannschaftskameraden Benjamin Kleibrink und Andre Weßels, unsanft wegen jener Fehlentscheidungen aus allen Goldträumen gerissen. „Klar bist Du dann frustriert. Wir kamen uns ziemlich betrogen vor. Einmal kann es zu einer Fehlentscheidung kommen, aber nicht drei Mal in Folge. Ich war so sauer“, so Sebastian Bachmann weiter. Wortlos verließ das Florett-Team den Center-Court des olympischen Fecht-Wettbewerbs im Londoner ExCel, wollten vorerst nicht angesprochen werden.

Doch die deutschen Florett-Herren zeigten Moral. Bundestrainer Uli Schreck, der 20 Jahre zuvor in Seoul Edelmetall im Herrenflorett-Teamwettbewerb errang und vier Jahre später mit der Mannschaft Gold erkämpfte, gelang es, die Mannschaft nochmals aufzubauen, fand die richtigen Worte gegenüber seinem Team. „Kommt, konzentriert Euch noch mal, hat der Trainer zu uns gesagt. Klar war für uns: Wir wollten mit einer Medaille nach Hause fahren. Da ist es wenig förderlich, wenn Du einem verlorenem Gefecht hinterher trauerst“, umschreibt Sebastian die Zeit zwischen jenem Halbfinale und dem Gefecht um Rang drei. „Außerdem hatten wir relativ wenig Zeit, mussten uns auf den nächsten Kampf vorbereiten“.

Das machten die deutschen Florett-Herren, die sich bereits frühzeitig für die Olympischen Spiele qualifiziert hatten und zweifelsohne zu den Top-Favoriten zu zählen waren, gegen die USA zur klaren Angelegenheit. Von Beginn an dominierten sie die US-Boys nach Belieben, führten zur Mitte des Kampfes mit mehr als 10 Treffern Vorsprung. Eine Schrecksekunde musste Bundestrainer Uli Schreck dann doch noch überstehen, als sich Sebastian Bachmann bei einem Sturz das Knie verdrehte und beim Stand von 34:21 ausgewechselt werden musste. Andre Weßels, bis dato nur Ersatzmann, machte seinen Kurzauftritt zur schnellen Angelegenheit. In gut 10 Sekunden setzte er den erforderlichen Treffer zum 35:21, übergab dann an Benjamin Kleibrink. Der und Schlussfechter Peter Joppich sorgten am Ende für klare Verhältnisse. Joppich beendete den Kampf mit 45:27 und ließ zugleich die deutsche Equipe über Bronze jubeln.

Die Bronzemedaille nahm Sebastian Bachmann dann auf Krücken stehend, entgegen. Den Schmerz hatte er längst ausgeblendet. „Alles wieder in Ordnung, nichts kaputt“, konnte er einige Tage später Entwarnung geben. Da war dann auch der Ärger über die verpasste Gold-Chance verraucht.

Akribisch hatten er und seine Mannschaftskollegen sich auf Olympia vorbereitet. In der Sportschule Hennef wurden Athletik und Kondition trainiert, den fechterischen Feinschliff erhielt das Erfolgsquartett in Bonn. „Disziplin wird beim Trainer sehr groß geschrieben. Nur so kannst Du ganz oben mitfechten“, meint Sebastian Bachmann. Für den Olympia-Neuling aus Lauda, der vor vier Jahren von Tauberbischofsheim nach Bonn in die Trainingsgruppe von Bundestrainer Uli Schreck wechselte, war das olympische Feeling eine völlig neue Erfahrung. „Das ist schon was Besonderes. Du triffst viele Sportler aus allen Nationen. Natürlich wirst Du angespannter, je näher der Wettkampf rückt“, lässt er die Tage und Stunden vor seinem ersten Auftritt nochmals Revue passieren. „Der Coach hat mir gesagt: Nimm es wie einen normalen Wettkampf. Zudem hatte ich hatte ich mit Peter und Benni zwei erfahrene Olympioniken an meiner Seite“.

Seinen Einzelwettbewerb beendete Sebastian Bachmann nach einer 11:15-Niederlage im Achtelfinale gegen den Italiener Valerio Aspromonte auf Platz 15. „Das hieß für mich, abhaken und auf die Mannschaft konzentrieren, Daher haben wir nach dem Einzelwettbewerb nur einen Tag Pause gemacht, dann sofort wieder trainiert. Wie man sieht, hat das ja funktioniert“, fügt er lächelnd hinzu.

Noch vor der Abschlussfeier reiste Sebastian Bachmann aus London ab. „Ich wollte dem Trubel entweichen und gemeinsam mit meiner Freundin in aller Ruhe die Medaille genießen“.

 

Ob all jenes ohne die Bundeswehr möglich geworden wäre? „Ich weiß es nicht“, antwortet Sebastian. „Ohne die Sportfördergruppe der Bundeswehr wäre es auf jeden Fall deutlich schwieriger, in der Weltspitze mitzumischen, seinen Sport als Leistungssport auszuüben. Nicht nur, dass mir die Bundeswehr ermöglicht, mich auf den Sport zu konzentrieren, auch habe ich hier die Möglichkeit, zu studieren“, erklärt er. Seit mehr als einem Jahr studiert Sebastian Bachmann Wirtschaftsinformatik am Campus Gummersbach der FH Köln. Für die Olympia-Vorbereitung setzte er für zwei Semester aus, wird 2013 sein Studium wieder aufnehmen. „Im Oktober geht es erst Mal zum Bundeswehr-Lehrgang. Vorher können wir endlich gemeinsam Urlaub machen“. Auf Einladung der der Deutschen Sporthilfe geht es für eine Woche nach Kreta. Im Dezember werde er dann die „Keule“, wie er sein Florett liebevoll nennt, wieder in die Hand nehmen.

Sein langfristiges Ziel kennt Sebastian Bachmann bereits: „Auf Rio de Janeiro werde ich alles ausrichten, will dort an den Erfolg von London anknüpfen“. Bis dahin will er auch sein Studium an der FH Köln abgeschlossen haben. Jetzt aber will er einfach nur seine Medaille feiern.

Text und Foto: Olaf Wolf/W@COM

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