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Wie schnell die Zeit vergeht. MTB-Kurs Teil 2

Filed in Allgemein, Mountainbike, Weiterbildung by on 19. Januar 2014 0 Comments • views: 33

100_2872_SnapseedWie schnell die Zeit vergeht merkt man meist erst dann, wenn ein bestimmter Termin unausweichlich immer näher rückt, auf den man sich eigentlich auch noch viel mehr vorbereiten wollte: Genau so erging es mir jetzt mit der Vorbereitung zur zweiten Woche des Lehrgangs MTB Tour Guide in Füssen.

Was hatte ich mir nicht alles vorgenommen: Material besorgen und in der Kaserne einen Parcours fürs Techniktraining aufbauen oder zwischendurch nach Füssen fahren und die Strecke für´s Bergzeitfahren noch mal testen. Und dann? Ja dann war es auch schon September und nichts ging mehr.

Zum 1. Teil MTB-Tour Guide vom 03.07.2013
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So machte ich mich am Mo. 23.09. mit 14 weiteren MTB Guide Anwärtern auf den Weg nach Füssen. Der Teilnehmerkreis hatte sich gegenüber dem ersten Teil aufgrund dienstlicher Belange zwar geändert, allerdings nur geringfügig. Was den Vorteil hatte, dass sich in der Gruppe sofort ein Teamgefühl einstellte. Der leitende Sportlehrer Truppe Andre Jansen gab uns einen kleinen organisatorischem Ausblick für die Woche und anschließend legte Florian Geyer (Dozent des WRSV) sofort mit dem theoretischen Unterricht los. Dass dann der Nachmittag zum lockerem Einfahren mit Geländeerkundung und anschließenden Wiederholungsübungen im Technikpark genutzt wurde, kam wohl allen Teilnehmern sehr entgegen. Zum einen herrschte ein tolles sonniges Herbstwetter und schließlich standen für den folgenden Tag schon die ersten Fahrprüfungen auf dem Dienstplan. Spätestens jetzt wurde jedem klar, dass in dieser Woche keine Zeit zum Trödeln blieb.

100_2868Den Auftakt zur Prüfung am Dienstag machten drei technische Geschicklichkeitsübungen.
Zunächst ein Slalom, bei dem man fünf aufgestellte Pylone überfahren musste und zwar dergestalt, dass der Pylon zwischen Vorderrad und Rahmen stehen blieb. Bei einer Berührung des Pylon gab es schon einen halben Punkt von insgesamt 5 Erreichbaren abgezogen. Dagegen kam einem das „Serpentinenfahren“ in immer enger werdenden Radien schon fast leicht vor.
Eine Herausforderung der besonderen Art war dann das „Stehen“, bei dem man mit dem Vorderrad in einen auf dem Boden abgelegten Fahrradmantel einfährt und dann innerhalb dieses Kreises stehen soll ohne auszuklicken oder umzufallen. 10 Sekunden Stillstand erbrachten die angestrebten 5 Punkte. Probieren Sie es aus, z.B. auf dem Gullideckel in Ihrer Straße. Es ist gar nicht so einfach!

Nachdem diese Aufgaben von allen erfolgreich bewältigt waren wich die erste Anspannung und auch die Prüfer waren zufrieden. Die Sonne schien prächtig und die herrliche Natur in Füssen am Obersee lud zu einer Mittagspause ein, bei der wir bestens mit kühlen Getränken und wohlschmeckenden Speisen vom ansässigen Strandkiosk versorgt wurden. Am Nachmittag wurde die Prüfung fortgesetzt. Im umliegenden Gelände wurden Up- und Downhill-Abschnitte ausgesucht, die ohne die Anwendung MTB spezifischer Fahrtechniken nicht zu schaffen gewesen wären.

100_2870Unter den kritischen Blicken der Prüfer stellten alle Ihr Können zufriedenstellend unter Beweis. Einmal durchgeatmet, der Höhepunkt des Tages: das Bergzeitfahren mit 510m Höhenunterschied sollte folgen.
Das hört sich nach nicht viel an, sorgt aber mit einer zeitlichen Maximalvorgabe von 50 Minuten bei eigentlich fast allen Leuten, die ich kenne, für ein deutliches Ansteigen der Pulswerte bei maximaler Öffnung der Schweißporen.
Der Startpunkt unterhalb des Tegelbergs lag einige Kilometer von uns entfernt, aber in Gedanken waren wir schon bei der Streckenführung zur Rohrkopfhütte. Selbst die Königsschlösser, die entlang unseres Weges lagen und der dort herrschende Touristentrubel vermochten es nicht mehr unsere Konzentration zu stören und so gelangten wir ausreichend aufgewärmt an die Startlinie.
Alle 30 Sekunden wurde einer von uns auf die Reise geschickt und oben wartete dann unser Ausbilder mit der Endzeitnahme.
Bis man dort ankam floss allerdings noch so mancher Tropfen Schweiß. Dadurch, dass die konditionell stärkeren Fahrer in der Startaufstellung nach hinten gesetzt worden waren entwickelten sich im Feld zumindest zeitweise kleine Gruppen. Aber dennoch kämpfte jeder sein eigenes Rennen gegen die Zeit. Und die konnte sich dann durchweg sehen lassen. Von schnellen knapp unter 28 Minuten bis zu sportlichen 49 Minuten war alles dabei. Insgesamt ein respektables Ergebnis.
So konnte man dann auch ganz zufrieden und mit gutem Gewissen die fantastische Aussicht auf Schloss Neuschwanstein genießen und nebenbei den Elektrolythaushalt durch Aufnahme flüssiger bayrischer Lebensmittel wieder in Ordnung bringen.

IMG-20130926-WA0001_SnapseedDer Mittwoch sollte wieder ein langer Tag werden. Jeder Lehrgangsteilnehmer hatte eine Lehrprobe vorbereitet. Themen wie Kurvenfahren, Downhill- und Uphill-echniken, Bremsen, Anfahren am Berg, Spitzkehrenfahren im Gelände oder ein intensives Intervalltraining zum schnellen Überwinden von kurzen und mittleren Anstiegen wurden ideenreich und sehr gut vorbereitet als einzelne Unterrichtseinheiten dargeboten. Und pünktlich nach der letzten Manöverkritik fing auch die Sonne an sich auf ihren Feierabend vorzubereiten. Für uns das eindeutige Schlusssignal und Zeit für die verdiente Abendverpflegung. Jetzt blieb nur noch, den „Alpin Lehrplan 7“ unter das Kopfkissen zu legen und zum Einschlafen Höhenmeter zu zählen. Am nächsten Morgen sollte die schriftliche Prüfung folgen und passend dazu hatte sich in der Nacht die Wetterlage gedreht und trübe Regenwolken über Füssen gelegt. Und wie es so oft bei Prüfungen zu erleben ist kehrte auch bei uns kurz vorher eine unheimliche Stille ein bei der man meint vor lauter Spannung die Luft knistern zu hören. Dann war aber doch alles nur halb so schlimm wie befürchtet und 11 Fragen konnten individuell im Freitext beantwortet werden, was unserem Lehrer im Anschluss noch viel Zeit zur Korrektur kosten sollte.
Unser erlerntes Fachwissen wollten wir nun noch einmal gemeinsam bei einer Tour anwenden. Der vermutete Freudenschrei erstummte allerdings sehr schnell und wich einem der nassen Witterung geschuldeten: „Mist, wo sind eigentlich meine Regensachen“-Grummeln. Nach 30 Minuten setzte sich der in bunte Gore-Membranen gehüllte Tross in Bewegung und unter erschwerten Bedingungen manövrierten wir uns durch das regnerische Füssen. Quietschende Bremsscheiben machten Klingeln überflüssig und rasch gelangten wir über kleine Nebenstraßen zum Halblech. Diesem folgten wir flussaufwärts und nach einer gefühlten Ewigkeit, die durch intensive Tragepassagen noch vergrößert wurde, erreichte unsere kleine Regenexpedition gerade noch rechtzeitig vor dem Hungerast eine Almhütte. Germknödel, Apfelstrudel, Nudelgerichte und Schokoriegel wurden als Sofortmaßnahme dem Körper zugeführt und nach dem Anlegen trockener Kleidung mit ausreichend Flüssigkeit vermengt.
Der Rückweg führte uns über gut zu fahrende Schotterwege zügig zurück in die Füssener Allgäu Kaserne in der zunächst Räder und Ausrüstung gereinigt wurden bevor man selbst nach einem langem Tag die ersehnte warme Dusche genoss.

100_2870Zur Abschlussbesprechung hatte der Prüfende des WRSV, Florian Geyer, die Ergebnisse unserer schriftlichen Arbeiten schon so weit ausgewertet, dass er ein vorzeitiges sehr positives Fazit über den Verlauf der gesamten Prüfungswoche ziehen konnte. Alle 15 Teilnehmer hatten die Prüfung bestanden und sind nun ausgebildete MTB Tour Guides.

Text und Fotos: Oliver Ringel

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