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Gleichmäßigkeitsprüfung auf der Nürburgring-Nordschleife – Die Eintrittskarte in den Tourenwagenmotorsport

Filed in Allgemein, Motorsport by on 13. Mai 2014 0 Comments • views: 25
Motorsport ist nicht nur Männersache.

Motorsport ist nicht nur Männersache.

Welcher Junge träumt nicht davon, Astronaut zu werden oder Rennfahrer? Ich war immer begeistert von diesen verwegenen Typen, die damals diese unglaublichen flügelbewehrten Monster auf obszön breiten Reifen um die Rennstrecken dieser Erde trieben. Ja, damals waren 185er auf Straßenautos das Nonplusultra…. Ich wurde erwachsen, machte Abitur und begann meine Karriere als Offizier bei der Bundeswehr. Ich studierte BWL in Hamburg, als Michael Schumacher bei Benetton unterschrieb und ich war dabei (vor dem Fernseher), als er zum ersten Mal Weltmeister wurde. Ich genoss jeden Sieg mit ihm. Selbst Motorsport zu betreiben, das war aber jenseits meiner Vorstellungen. Ja – der eigene Wagen war tiefergelegt, ein dicker Auspuff sorgte für raschen Gasaustausch des getunten Motors in der unscheinbaren Familienkiste, aber echten Motorsport selber erleben, dazu fehlte mir neben dem Geld auch der Mut. Nach meiner Familiengründung trat Schumi dann auch zurück. Ok, war ne tolle Zeit, jetzt werden wir halt erwachsen…

Auf dem Weg in den Vorstart: Stau bei der Zufahrt "Hohenrain-Schikane"

Auf dem Weg in den Vorstart: Stau bei der Zufahrt „Hohenrain-Schikane“

2007 wurde ich dann ernsthaft krank, ich hatte wochenlange stationäre Behandlungen im BwZK in Koblenz. Mir wurde klar, dass – wenn nicht jetzt, wann dann? – ich nicht nur mein Leben träumen sollte. Manchmal muss man einen Traum auch leben! Mein Nach einem missglückten Aufbauversuch legte ich mir 2010 einen fertig aufgebauten BMW 325i, Bj. 1988 zu. Ich lebte mittlerweile in Bad Neuenahr-Ahrweiler und hatte samstags morgens immer mal wieder „Verrückte“ am Ring gesehen, die sich mit ihren zugelassenen Fahrzeugen mit provisorisch aufgeklebten Startnummern jagten. Fahrertraining – dieser erste Gedanke war jedoch falsch: hier kam ich in Kontakt zur Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP). Nachdem ich mich mit dem Regelwerk auseinandergesetzt hatte, war mir klar, dass ich da mitmachen wollte: es geht nicht darum, möglichst schnell um die Nordschleife zu fahren. Vielmehr setzt man sich selbst eine Zeit (zwischen 11:15 Min und 16:00 Min), die man dann mehrfach so genau wie möglich wiederholen muss. Es geht um Präzision. Und das Beste ist: außer einem Helm ist keine umfassende Sicherheitsausstattung erforderlich.

Im Januar 2013 wagte die Einschreibung in die GLP! Ich bekam die Startnummer 92 und vom DMSB eine Rennlizenz. Jetzt war ich (auf dem Papier) ein Rennfahrer. Im April nahm ich mein erstes Rennen in Angriff. Mit einigen Sponsoren im Rücken (bzw. auf dem Auto) gab es nun kein Zurück mehr. Mit Herzklopfen befuhr ich die berühmte Nordschleife an der Touristenzufahrt, reihte mich in den Vorstart ein und wurde angewunken. Niemals vergesse ich diese erste Runde: vor mir die erste Linkskurve, der Beginn des „Hatzenbach-Geschlängels“, der Motor dröhnt, im Rückspiegel blitzen die Scheinwerfer des nachfolgenden Wagens, der bereits nach wenigen hundert Metern an mir vorbei will, sich rechts an mir vorbei in die Lücke vor der nächsten Kurve schiebt, keine 30cm trennen unsere Aussenspiegel, ich bremse, lasse ihn passieren, dabei komme ich etwas weit nach aussen, was die nachfolgenden Fahrzeuge als Einladung verstehen, sofort „reinzustechen“ … Noch vor dem Streckenabschnitt „Flugplatz“ wird mir klar, dass das hier echter Motorsport ist, auch wenn wir keine Gegner auf der Piste sind. In dieser Runde war an Ideallinie, Bremspunkte, Streckenverlauf nicht zu denken – ich versuchte einfach, am Leben zu bleiben. Später wurde mir erzählt, dass das immer so ist, am Anfang der Saison sind alle hungrig auf das Rennen und wollen sehen, ob sich das Schrauben über die Wintermonate gelohnt hat. Aha, also nix da mit Otto-normal-Autos hier…

Bei der Arbeit ...

Bei der Arbeit …

Bereits nach sechs Runden war das erste Rennen für meine damalige Beifahrerin und mich gelaufen. In Runde vier hatte ein Radlager durch ein vibrierendes Lenkrad auf sich aufmerksam gemacht, sodass ein Weiterfahren unmöglich wurde. Aber ich hatte es getan – ich war angetreten zu einem Rennen auf der Nordschleife. Der Ausfall war nicht so schlimm, ich schwebte auf Wolke sieben. Meine ganze Familie war mitgekommen und ich hatte den wohl größten Fanblock am Brünnchen stehen, den man sich so vorstellen kann (bei der GLP). Es folgten noch sechs weitere Rennen in dieser ersten Saison, davon wurde jedoch eines wegen starken Nebels abgesagt, so dass ich insgesamt auf 66 Runden Nordschleife in 2013 kam. Zunächst war das Klassement für mich gar nicht wichtig gewesen, aber bereits im zweiten Rennen waren wir in der Einsteigerklasse auf Platz drei gefahren. Platz 7 im vierten Rennen folgte. Mittlerweile hatte ich einen neuen Beifahrer gewinnen können, mit dem ich an den Abläufen rund um die Start-Ziellinie feilte. Lohn der Arbeit war ein Sieg in der Rookie-Wertung und ein 14. Platz im Gesamtklassement. Es folgten noch ein dritter und dann ein zweiter Platz im letzten Rennen. Und was ich niemals zu träumen gewagt hätte: ich gewann mit dieser Leistung die Rookiewertung und fuhr in einem mit über 165 eingeschriebenen Teilnehmern besetzten Feld auf Gesamtrang 47.
Viel mehr als in Zahlen nachzuvollziehen ist, hinterließ diese Saison in mir ein großes Glücksgefühl – ich lebe tatsächlich meinen Traum! Und dieser Traum geht 2014 weiter. Auch ich habe nach der Saison Ersatzteile zusammengesucht (nicht immer leicht, bei einem 26 Jahre alten Auto), eine kleine Inspektion durchgeführt, dabei ein besseres Fahrwerk eingebaut, nachdem ich mich intensiv mit Fahrdynamik beschäftigt hatte und dann standen noch Karosseriearbeiten an – die 26 Jahre haben an den Kotflügeln genagt.

"Brünnchen" aus der Fahrerperspektive

„Brünnchen“ aus der Fahrerperspektive

Nachdem mir kurzfristig die Umschulung auf das neue Schießkonzept in die Quere gekommen ist, hatte ich noch weniger Zeit, die Vorbereitungen für das erste Rennen abzuschließen. Aber am 05. April war es wieder soweit: auf in eine neue Saison. Die technische Abnahme hatten wir glücklich gemeistert, auch wenn ein Kabelbruch in letzter Minute durch Raeder-Motorsport zu flicken war! Vielen Dank nach Meuspath für den schnellen Service!
Pünktlich zum ersten Rennen war es dann vorbei mit dem schönen Wetter. Nebelbänke und Regenwolken zogen über die Eifel. In der Fahrerbesprechung wurde auf teilweise neuen Asphalt hingewiesen – die besten Voraussetzungen für eingerostete Popometer! Die Einführungsrunde wurde dann auch spannend! Wie in der letzten Saison suchten wir das hintere Drittel des Feldes auf, um nicht von zu vielen Fahrzeugen überholt zu werden und in Ruhe in das Rennen zu kommen. Aber auf einmal schlichen alle um uns herum über die rutschige Nordschleife. Bereits in der Einführungsrunde drehte sich im langen Bergaufstück zum Karussell ein Ford Puma von der Strecke. Doppel-Gelb geschwenkte Flaggen bedeuteten weiteren Zeitverlust für uns. Ich MUSSTE nun überholen, um wenigstens halbwegs in meinem Zeitlimit zu bleiben! Ich vermisste aber das vertraute Fahrgefühl. Ich wusste nicht so recht, was die Reifen machten, wie der BMW mit dem neuen Fahrwerk auf die Strecke reagieren würde und was die Nässe auf dem neuen Asphalt bedeutete. Nach einer kleinen Ewigkeit tauchte endlich die Döttinger Höhe auf. In der Haltezone konnte ich wenigstens unseren gewohnten Halteplatz ansteuern. Bereits nach wenigen Sekunden schickte mich mein Beifahrer Markus (der Herr über die Stoppuhr) los. Wir setzten unsere persönlichen Zeiten, die wir in der nachfolgenden Runde dann wiederholen wollten, um zu unserer gewünschten Zeit über die Ziellinie zu huschen. In Runde zwei errechnete Markus die einzelnen Zeiten für unsere Kontrollpunkte und ich versuchte, endlich meinen Wagen und die Strecke zu verstehen. So langsam freundeten wir uns an: das Fahrwerk gab mir gute Rückmeldungen, die Reifen wurden langsam warm und die Strecke wurde zumindest nicht noch rutschiger. Die Ankunftszeit an unserem Haltepunkt war schon deutlich besser, wir wurden schneller! Dann der Schock: irgendwie stimmten die aufgeschriebenen Zeiten nicht. Markus hatte irgendeinen Zahlendreher hineinbekommen, den wir jetzt nicht korrigieren konnten. Ich war ihm nicht böse – versuchen Sie einmal Kopfrechnen mit Zeiten, während sie in einer Achterbahn sitzen und schreiben Sie ihr Ergebnis sauber auf… Wir mussten also erneut Zeiten nehmen. Und dann patzte ich noch, da ich im Bereich Tiergarten zu spät vom Gas ging zu schnell aus dem Bereich Tiergarten herausfuhr. Halbwegs passte es dann dennoch. Nun galt es, in Runde drei bis fünf diese Zeit so präzise wie möglich zu wiederholen (und damit auch meinen Fahrfehler).

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.

Fast das gesamte Rennen über nervte ein VW Golf mit blitzenden Bremslichtern aus dem Zubehörhandel. Das erste Mal, als ich hinter ihm auftauchte und wir auf Aremberg zufuhren, dachte ich an eine Vollbremsung und stieg in die Eisen, dass mich Markus verblüfft anblickte. In Runde 5 dann der besondere Moment, als ich auf diesen Wagen im Bereich Wehrseifen auffuhr und außen überholte. Leider musste ich dazu von der abtrocknenden Ideallinie herunter und das Bremsmanöver noch auf dem Feuchten einleiten. Prompt brach mir das Heck vehement nach links aus und entwickelte einen spektakulären Drift, den ich aber dank des neuen Fahrwerks gerade noch abfangen konnte. Breidscheid und Ex-Mühle lag der Wagen dann wieder wie ein Brett. Es muss also an einem (in späteren Runden deutlich wahrgenommenen) Absatz in der Fahrbahn gelegen haben, der mir das Heck im Bremsvorgang leicht gemacht hatte.
Die abtrocknende Strecke sollte eigentlich nun immer mehr Grip bieten, aber ein unbelehrbarer Kollege hatte mit seinem Mini eine kilometerlange Ölspur gelegt, die vom Bergwerk bis zum Brünnchen reichte. Also nichts mit Fabelzeiten heute. Immer wieder kreuzte die abgestreute Ölspur die Ideallinie und zwang zu vorsichtiger Fahrweise. Meine Frau, die am Brünnchen stand, erzählte später, dass der Mini durch Streckenposten gestoppt und von der Strecke genommen wurde. Danke, an diese Männer! Unbeeindruckt von all diesen Dingen zog mein Held dieses Rennens seine Bahnen: ein mint-grüner Opel Astra in absolutem Originalzustand. Munter untersteuernd und in jeder Kurve über die Längsachse rollend zog er stoisch sein Ding durch. Am Ende wurde „Oma Inge“, wie das Wagen von seiner Besatzung genannt wird, so um Platz 30 gewertet. Respekt! Oma Inge hat sogar eine eigene Facebook-Seite! Liken!!!

Nach dem Boxenstop wollten wir am bisherigen Prozedere nichts ändern, da wir das Gefühl hatten, dass es ganz gut lief. Zu unserem Erstaunen wiederholten wir die Setzzeit auf das Hundertstel genau! Aber leider gibt es dafür keinen Bonus! Als es darauf ankam, waren wir wieder zu schnell oder zu langsam. Unbarmherzig brummte man uns die Strafpunkte auf, so dass am Ende Platz 43 herauskam.

Aber es ist geschafft: das Erste Rennen haben wir ohne Belessuren gemeistert und nun feilen wir weiter an unseren Verfahren und machen den Wagen wieder fit für den 10. Mai. Dann heißt es wieder: start your engines! Eines wird jetzt bereits klar, durch die vorgezogenen Startzeiten (die GLP startet 2014 bereits um 08:30 Uhr) wird das härteste an den Renntagen wohl das frühe Aufstehen

Termine 2014:

  • GLP 1: 05. April 2014
  • GLP 2: 10. Mai 2014
  • GLP 3: 24. Mai 2014
  • GLP 4: 12. Juli 2014
  • GLP 5: 26. Juli 2014
  • GLP 6: 30. August 2014
  • GLP 7: 20. September 2014

Text und Fotos: Florian Schüle

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