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Gewichtheber-Europameisterschaften in Tel Aviv

Filed in Allgemein by on 10. September 2014 0 Comments • views: 231

Unverhofftes Prunkstück für deutsches Team durch Almir VelagicDSC_6627_SnapseedWie sagte es noch Bundestrainer Oliver Caruso im Vorfeld der Europameisterschaften. Eine Medaille, meinte er sinngemäß, stehe bei diesen Europameisterschaften im israelischen Tel Aviv nicht im Vordergrund. Doch der in diesem Amt noch junge Caruso, der seine erste EM live neben der Bühne und in der Verantwortung erlebte, klang danach so ganz anders. „Die Medaille hat mit unheimlich gefreut. Die ganzen Titelkämpfe liefen erfreulicher als erwartet. Und mit Almirs Zweikampfergebnis von 423 kg habe ich selbst nicht gerechnet.“

Caruso hat halt die starken deutschen Männer noch nie erlebt, wenn es um etwas geht. Doch dann entwickeln sie seit Generationen Eigenschaften, die für ihre Einstellung, für ihren Willen stehen. Caruso selbst war dafür, als er etwa 1996 in Atlanta Bronze gewann, als er Weltmeister wurde, ein gutes Beispiel. Oder Marc Huster, der in Sydney auf Olympischer Bühne den „Hubschraubertanz“ mit der gestoßenen Last vollführte, um sicher zu stehen, um den Versuch gültig zu haben, um Gold möglicherweise zu gewinnen und letztlich Silber zu sichern, der die Last schließlich mit dem Rücken zum Auditorium fallen ließ. Oder Ronny Weller, der mit totalem Einsatz in Barcelona Olympiasieger wurde und es in Atlanta wieder geschafft zu haben glaubte. Oder Matthias Steiner, dem es in Peking schwarz vor Augen wurde, der aber trotzdem ausstieß und Gold holte. Sie alle hatten sich gesteigert, wenn es etwas zu gewinnen gab. Almir Velagic, der schon 2009 EM-Silber gewann, hat sich jetzt in diesen Kreis eingereiht.

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Beflügelt von der Geburt seiner Zwillingen und dem großen Spaß, den der stärkste Mann Deutschlands im kindlichen Spiel mit den Beiden jetzt hat, gewann der mittlerweile 32-Jährige die Bronzemedaille in der Königsklasse über 105 kg. In seinem ersten internationalen Wettkampf seit den Olympischen Spielen 2012 musste sich der Oberfeldwebel in der Sportfördergruppe Bruchsal mit einer Zweikampfleistung von 423 kg nur dem Russen Alexej Lowtschew (457 kg) und den Armenier Ruben Alexanjan (436) geschlagen geben. Im Reißen (191) und Stoßen (232) wurde Velagic jeweils Vierter. Es war ein ganz besonderer Triumph, ein Sieg nach seiner langen Verletzungspause auch über den eigenen Körper. Nach seinem Olympiaauftritt von London 2012 musste er am Meniskus operiert werden, für einen Gewichtheber die Achillesferse. Doch wenige Wochen vor der EM meinte der 32-Jährige aus Speyer mit seinem verschmitzten Lächeln schon. „Ich habe keine Schmerzen mehr.“ Wer ihn kennt seit vielen Jahren, wusste schon da: Der Mann hat noch was vor, der geht in Tel Aviv aus sich heraus. Und er explodierte geradezu.

DSC_2559„Ich freue mich riesig, Almir hat einen fantastischen Wettkampf gezeigt“, sagte Bundestrainer Oliver Caruso. „Das ist ein toller Erfolg, gerade nach seiner Verletzung. Heute Abend werden wir feiern.“ Was ihn besonders freute, waren die sechs gültigen Versuche von Velagic. Und auch Alexej Prochorow hatte für ihn sechs Gültige gehabt, doch der zweite Stoßversuch von 216 kg wurde ihm wegen Zeitüberschreitung aberkannt. „Doch wir haben einfach weiter gesteigert, und die 218 hat Alexej ja auch geschafft“, meinte Caruso nahezu trotzig. Der Lohn: Vor Velagic hatte dessen Speyerer Vereinskollege Alexej Prochorow in der B-Gruppe der schwächer eingestuften Athleten überzeugt. Der 23-jährige Stabsunteroffizier aus Bruchsal kam auf einen persönlichen Bestwert von 405 kg und zeigte damit die beste Leistung in der B-Gruppe, in der Gesamtwertung wurde er Achter. Prochorow hatte damit in der Königsklasse überzeugt, auch er nach vielen Rückschlägen, auch er nach einer Verletzung. Der aus Baunatal stammende Sohn des ehemaligen Nationalhebers Dimitri hatte wie Velagic eine Operation über sich ergehen lassen müssen, ihn hatte es im Rücken gezwickt.

Hauptfeldwebel Jürgen Spieß hinterließ bei seiner Rückkehr auf die internationale Bühne ebenfalls einen starken Eindruck. Der Titelträger von 2009 landete in der Klasse bis 105 kg mit einer Zweikampfleistung von 381 kg (170 kg + 211 kg) auf dem siebten Platz. Der 30-Jährige hatte nach den Olympischen Spielen 2012 in London aufgrund von Hüftbeschwerden mit Operation eine lange Pause einlegen müssen. „Das war ein super Wettkampf, Jürgen Spieß ist zurück. Ich bin unheimlich glücklich“, sagte Bundestrainer Oliver Caruso. Spieß habe Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur gehabt, die angepeilten 375 kg aber dennoch übertroffen. „Das war nicht zu erwarten, er hat toll gekämpft“, sagte Caruso. Der Titel ging an Andrej Demanow aus Russland (405 kg).

DSC_1726Bereits am Freitag war Unteroffizier Robby Behm, wie Spieß in Bruchsal stationiert, in der B-Gruppe der schwächer eingestuften Athleten mit persönlichem Rekord auf einen Zweikampfwert von 374 kg gekommen. Der Chemnitzer landete am Ende auf dem zehnten Platz. Robby Behm erzielte damit einen persönlichen Rekord. Der 28-Jährige überbot seine persönlichen Bestleistungen im Reißen und Stoßen.

Den Titel der Klasse bis 94 kg sicherte sich Olympiasieger Adrian Zielinski aus Polen mit einer Leistung von 380 kg knapp vor dem Bulgaren Wasil Gospodinow (379). Tom Schwarzbach (Chemnitz) trat wegen Knieproblemen kurzfristig nicht an. „Ich habe mit ihm gesprochen, er muss härter werden“, forderte der Bundestrainer von einem seiner hoffnungsvollsten Athleten Richtung Rio 2016. Noch immer warten Caruso und der Stabsunteroffizier Schwarzbach in der höheren Kategorie, in die der 27-Jährige, immerhin Europameister im Stoßen von 2012 der Klasse bis 85 kg, nach Olympia 2012 vorgestoßen war, auf ein internationales Resultat und damit auf einen Bewährungstest auf hohem Niveau.

Insgesamt äußerte sich Caruso sehr lobend über sein Team. „Es hat sich bewährt, auf eine Qualifikation im Vorfeld der EM verzichtet zu haben, so dass alle auf den wirklichen Höhepunkt zielgerichtet hin trainieren konnten. Wichtig für mich ist, dass ich allen vertrauen konnte, das kam gut an. Die Ergebnisse, die daraus erwachsen sind, haben mich unheimlich gefreut.“ Caruso hat jetzt seine Sportler alle einmal live im Härtetest gesehen, die eher Jüngeren im letzten Jahr bei der WM, die älteren jetzt in Tel Aviv. Das Ziel bleiben natürlich die Weltmeisterschaften im November in Almaty in Kasachstan. Nach den Erfahrungen von Tel Aviv ist sich Caruso noch nicht sicher, wie sich seine Sportler dafür qualifizieren können. Klar ist, dass der BVDG mit einer vollen Mannschaft von acht Sportlern fahren wird, die besten sechs Resultate im Punktesystem werden in die Nationenwertung eingehen. Klar ist auch, dass der Kader nach den Eindrücken der Deutschen Meisterschaften am 24. und 25. Oktober in Carusos Heimatstadt Obrigheim zusammengestellt wird, ob mit oder ohne direkte Qualifikation. Der Grundsatz der Nominierung wird von dem Wunsch bestimmt, möglichst viele Qualifikationspunkte für Rio 2016 zu gewinnen. „Es fahren die Sportler, die in ihren Gewichtsklassen in der Platzierung am besten abschneiden können“, so Caruso.

Text und Fotos: Harald Strier

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