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Strümpfe mit Pumpe und andere nützliche Fußkleider

Filed in Allgemein by on 10. September 2014 0 Comments • views: 199

Kompression06-2014 (27)_SnapseedLauf‘ ich nun besser mit oder ohne, dass hier die Frage. Auf dem teils unüberschaubar erscheinenden Sportmarkt, der immer wieder innovative Topangebote offeriert, die versprechen noch erfolgreicher und noch optimaler Trainieren zu können, sind hochmoderne Laufsocken und innovativ gewebte Kompressionstrümpfe unangefochten im Vormarsch.

Doch was ist dran, an der Superlaufsocke und dem wadenhohen Spezialstrumpf mit venösem Pumpeffekt. Sportjournalist und DLV-Leichtathletik-Trainer Volker Schubert hat sich dem Thema Fußkleider für Langstreckenläufer gewidmet und gibt einen Überblick.

Was dem Boxer die Fäuste, sind dem Läufer die Füße. Das sportartspezifische Tafelsilber gewissermaßen – Prädikat wertvoll also! Und das will gehegt und gepflegt sein, um bis ins hohe Alter mit dynamischem Kniehub beim anzustrebenden Mittelfußlauf unserer archaischen Vorfahren nun in die unendlichen Weiten urbaner Parkanlagen und Häuserschluchten ziehen zu können. Für den ambitionierten Läufer gilt es also sein dual gestricktes Geläuf mit den zwei evolutionsbiologisch einzigartigen Gelenks-, Muskel- und Sehnenkonstruktionen stets in topfitten Zustand zu halten. Verschleiß- und Verletzungsprophylaxe sind beim Modell des lebenslangen Sporttreibens wichtiger denn je. So wird unter den zahlreichen Experten intensiv darüber philosophiert, welche Hilfsmittel wirklich schützen oder besser noch zugleich auch leistungssteigernd wirken können. Galt es bei früheren Laufschuh-Serien schier Doppelwhopper-dicke Dämpfungspolster zwischen Sohle und Fuß zu monierten, geht der Trend seit drei Jahren unumkehrbar zu den flachsohlig-leichtgewichten, fassentenreich gestalteten Natural-Running-Kollektionen, die je nach läuferischer Ambition hochbequeme und nahezu individuell gestaltete Passformen bieten.

Laufsocken erhöhen den Wohlfühlfaktor und sind wichtige Feuchtigkeitsregulatoren

Seit geraumer Zeit drängen neben hochmodernen Laufschuhen immer wieder neue Varianten von Strümpfen und Laufsocken auf den Markt, die zusätzliche Trainingseffekte oder Laufschuh-kombinierten Nutzen verheißen. In der aktuellen Fachdebatte wir deshalb immer wieder heiß diskutiert, ob der Läufer von den neuen Beinkleidern wirklich profitieren und worin die eigentliche sportbiologische Nutzenstiftung wirklich liegt – so, wie es werbewirksam von führenden Markenartikelproduzenten aber auch von Supermarktketten, die wesentlich preisgünstigere, sportaffine Noname-Produkte vertreiben, stets und beständig offeriert wird. Um es gleich voran zu stellen, Laufsocken erzeugen in erster Linie den Effekt, dass der Fuß im Laufschuh der Wahl perfekt sitzt und vor einseitigem Druck und Reibung geschützt wird. Zudem dient die optimale Laufsocke einer guten Feuchtigkeitsregulierung, soll den Fuß in der Aktivphase möglichst trocken halten und damit die Entstehung später oft schmerzhaft ausufernder Blasen verhindern. Signifikant messbare, möglicherwiese nur geringfügig feststellbare Leistungssteigerungseffekte sind bei der Nutzung von Laufsocken allerding ausgeschlossen. Nützliche Laufbekleidung, die auch beim Freizeitjogger im Kleiderschrank nicht fehlen sollte, sind atmungsaktive Laufsocken aber allemal.

Kompressionstubes: Unterschiedliche Konzeptansätze

Anders sieht es hingegen bei den kniehohen Kompressionstubes aus. Hinter dem Oberbegriff Kompressionstrümpfe verstecken sich allerdings mehrere differenziert gestaltete Konzeptansätze, die vom Wirkmechanismus her höchst unterschiedlich sind. Auch hier hilft ein Vergleich mit den derzeit angebotenen Laufschuhkollektionen, die sich stark in Dämpfungseigenschaften, Stützkonzept, Gesamtgewicht, fußgerechter Passform, Schnürvarianten, Sohlenprofil und Abrolleigenschaften sowie hinsichtlich der Kombination dieser komplexen Eigenschaften im angebotenen Endprodukt von Laufschuh zu Laufschuh teils fundamental unterscheiden. Mittlerweile bietet der Sportmarkt Strumpfkollektionen an, die einerseits schon während der Trainingslaufbelastung stützen sollen, andererseits sind auch solche Tubes verfügbar, die ausschließlich in der Regenerationsphase angewendet werden. Und dann gibt es eben auch jene engstrickten Röhren, die bei Verletzungen zur Beschleunigung der Rekonvaleszenz zum Einsatz kommen sollen – die neuste Produktentwicklung auf im derzeit verfügbaren Kompressionsstrumpf-Segment.

Schneller gesunden, Muskelverhärtungen in der Wadenmuskulatur, Knochenhaut- und Plantarsehnen-Entzündungen und den hartnäckigen Fersensporn verhindern helfen – also die typischen Leichtathletik-Verletzungen in den Laufdisziplinen –, das ist das große Einsatzfeld, in dem Kompressionstubs Prophylaxe wie Heilung versprechen. So sind die helfenden Webstoffröhren mittlerweile immer ausgefeilter wie individuell höchst passgenau konzipiert. Da werden aktuell Strumpfvarianten angeboten, die über fünf exakte Messpunkte verfügen, um die zweite Haut Unterschenkel-proportionsgerecht ausformen zu können. Zudem können die personal optimierten Spezialstrümpfe sowohl während einer Verletzungsphase, als auch in den nicht immer ganz beschwerdefreien Hochbelastungsphasen getragen werden, um die Auswirkungen des harten Lauftraining sportmedizinisch beherrschen zu können.

Die subjektiv wohltuende, aber objektiv Trainingseffekt unterstützende Wirkung dieser individuell nahezu perfekt sitzenden Strumpfmodelle basiert auf dem Prinzip, das die deutliche höhere Kompression dafür Sorge trägt, dass die Dauerbelastung der Wade beim unzähligen Fußlandeaufprall spürbar und biomechanisch objektiv messbar gemindert wird. Gleichwohl wirkt sich die starke Kompression auch überaus positiv auf die anschließende Regenerationsphase aus. So sind hochkompressionsleistende Spezialstrümpfe besonders für ambitionierte Läufer zu empfehlen, die regelmäßig hohe Geschwindigkeiten und enorme Kilometerumfänge absolvieren müssen. Ihre Langzeitwirkung als Präventivmaßnahme ist daher ebenso bedeutsam, weil Unterbrechungsphasen wegen Laufverletzungen nun deutlich reduziert werden können. Bei der Wirkungsbeurteilung von Kommpressionstubes helfen vor allem aktuell gewonnene Anwendungserfahrungen. Da die meisten im Handel angebotenen Sportprodukte der sogenannten medizinischen „Kompressionsklasse 1“ zuzurechnen sind – also nur mäßigen Kompressionswerten entsprechen – ist hier ein sportmedizinisch relevanter Wirkungsgrad nahezu ausgeschlossen.

Unter „Kompressionsstufe 2“ läuft nichts

Wirkung erzielt allerdings die nächste Stufe, die in der Unterschenkelregion mindestens eine mittelgradige Verdichtung unter dem von feinsten Venen und Arterien verästelten Wadenmuskeln erzeugt und die der „Kompressionsklasse 2“ entspricht. Durch das Tragen hochwertiger Klasse 2 Kompressionstubes wird nämlich auf das venöse System ein gleichmäßiger, kontinuierlicher Druck ausgeübt, der den Blutrückfluss zum Herzen unterstützt und so das Entstehen möglicher Beinschwellungen, Krampfadern, Ödeme und Thrombosen (Blutgerinnsel) verhindert, die bei trainierten Ausdauerathleten aber nicht das eigentliche Problem darstellen. Der aufgebaute Kompressionsdruck wird in der gleichen Maßeinheit gemessen wie der Blutdruck oder der Augeninnendruck: nämlich in „mmHg“. Die Maßeinheit mmHg entstammt der Medizinhistorie und ergibt sich durch die Messung des Druckes unter Zuhilfenahme der sogenannten Quecksilbersäule, für die Hg die Abkürzung ist – lateinisch: Hydrargyru. Der Messwert 1 mmHg entspricht also dem Druck, den ein Millimeter einer Quecksilbersäule ausübt. Je also höher der angegebene mmHg-Wert ist, desto höher ist also auch der ausgeübte Druck. Eine mittelgradige Kompression der Klasse 2 entspricht folglich einen Druck von ungefähr 30 mmHg.

Um den Druckaufbau sportlerindividuell angepasst und somit so gezielt wie möglich auszuüben, ist die maßgeschneiderte Sitzform unabdingbar, um einen gleichmäßigen, flächig gut verteilten Druck auf das Venensystem des Unterschenkels auszuüben. Denn nur so unterstützt der Kompressionstrumpf jene Beinvenentätigkeit, mit der das Gefäß quasi gegen die Schwerkraft ankämpfen muss. Dabei sorgt die Fuß- und Beinmuskulatur für den notwendigen Pumpeffekt. Werden die Muskeln folglich angespannt, wird das Blut nach oben zum Herzen gepresst; folgt danach die kurze die Muskelentspannung, verhindern die Venenklappen dabei den Rückfluss. Genau hier setzen neuere, aus der Gefäßmedizin stammende Sportkompressionstrumpf-Konzepte an. Zwar gibt es derzeit keine exakte sportwissenschaftliche Verifikation für die aus trainerischer Sicht favorisierte Leistungssteigerung, viele Athleten-Interviews belegen aber, dass die Sportler rundweg über positive Erfahrungen berichten.

Kompression06-2014 (44)Regenerative Effekte, Verletzungsprophylaxe und medizinische Indikation

So steht bei der Anwendung von Kompressionstubs vordergründig nicht die Leistungssteigerung im Vordergrund, sondern der Präventionseffekt. Objektiv lässt sich hier nämlich feststellen, dass die Vermeidung von Verletzungen sowie Fehl- und Überlastungsbeschwerden durch die Verwendung von Spezialstrümpfen positiv beeinflusst werden können. Längere sportmedizinische Beobachtungen und Trainingsstudien lassen deshalb den Schluss zu, dass die erwünschten Kompressionseffekte mit ihrer aktiven wie passiven Stabilisationswirkung die Sprunggelenke mit ihren Bandstrukturen und die Achillessehne schützen und damit schmerzhaften Mikrotraumen im Bänder- und Muskelapparat vorbeugen können. Der von Kompressionstrümpfen neben dem venenunterstützenden Druck verursachte Wärmzufluss, der Stabilitätszuwachs und die Erschütterungsreduktion wirken sich insgesamt günstig auf den gesamten Unterschenkel-Fuß-Komplex aus.

Aber auch bei medizinischen Akutmaßnahmen wegen diagnostizierter Zerrung, Tibia-Kanten-Syndrom, Muskelverspannung oder Irritation an der Plantarfascie des Fußes, ist die flankierende Verwendung von Kompressionstubes – möglichst immer in Absprache mit einem laufaffinen Orthopäden oder Sportmediziner des Vertrauens – nutzstiftend wie sinnvoll, um bei Verletzungs- oder Fehlbelastungsfolgen zum beschleunigten Heilungsprozess beizusteuern. Bei Sportlern mit genetisch bedingt schwachem Bindegewebe oder bei vorliegenden Venenbeschwerden gehören medizinisch induzierte Kompressionstrümpfe ohnehin zur Pflichtausrüstung, um die Forcierung der Beschwerdebilder einzudämmen beziehungsweise gänzlich zu vermeiden.

Kompression06-2014 (32)Sportmedizinischer Rat wünschenswert

Verletzungs- und Beschwerdeprophylaxe und die deutliche Verkürzung von Regenerationszeiten sind derzeit die Hauptargumente, die für die Anwendung von Kompressionsstrümpfen sprechen. Schon aus diesem Grund sind die Zielgruppen für die innovativen Fußkleider hinsichtlich ihrer angebotenen Produktpalette sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Beschwerdefreie und sportgesunde Freizeitläufer, die bis zu drei Mal in der Woche mit mäßigem Tempo und geringen Kilometerpensum trainieren, sollten sich von den altbackenen Tennissocken verabschieden und zur atmungsaktiv-fußklimagünstigen wie angenehm polsternden Laufsocken greifen. Ambitionierte Langstreckenläufer und Sportler mit eindeutig diagnostizierten Beschwerdebildern, sollten sich hingegen intensiv mit dem Thema Kompressionstubes beschäftigen und dabei die Ratschläge von Sportärzten und Laufspezialisten nutzen, um später auch wirklich mit dem richtigen Fuß- und Wadenequipment trainieren zu können. Denn ein gut funktionierender Kompressionsstrumpf muss individuell angepasst werden, um im gewünschten Maße wirken zu können.

Text und Foto: Volker Schubert

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