Spannung bis zum Schluss

Das Saisonfinale der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring hatte es in sich und bot am Ende der 39. Saison einen eng gestrickten Terminkalender. Die abschließenden drei Läufe des Jahres wurden alle im Oktober ausgetragen. Größere Ausrutscher mit längeren Reparaturpausen durfte sich daher niemand erlauben, insbesondere aus dem Kreis der Titelanwärter nicht. Und davon gab es in den verschiedenen Klassen und Wertungen viele. In der Gesamtwertung waren die heißesten Anwärter Tim und Dirk Groneck im Renault Clio Cup, Stefan van Campenhoudt im BMW 325i sowie Arne Hoffmeister und Fabian Wrabetz im Toyota TMG GT86 Cup.

Während Hoffmeister und Wrabetz nach dem neunten Lauf die Meisterschaft nicht mehr aus eigener Kraft gewinnen konnten, trennten die anderen Aspiranten nur magere 0,07 Punkte voneinander. Obwohl Stefan van Campenhoudt mit diesem minimalen Vorsprung in den 40. DMV Münsterlandpokal startete, hatten die Gronecks die besseren Karten. Aufgrund der Punkteregelung, nach der in teilnehmerstärkeren Klassen mehr Punkte vergeben werden, profitierten die Gronecks von der hohen Starterzahl in ihrer Klasse SP3. Insgesamt 18 Fahrzeuge waren hier am Start. Darunter alleine vier Clios aus dem Team Bravenol, für das auch die Gronecks starten. Während zwei der Clios des Teams nach der ersten Runde abgestellt wurden, fuhren Tim und Dirk Groneck zu einem weiteren Klassensieg und sicherten sich damit, nach 2013, den zweiten Titel in der Langstreckenmeisterschaft. Stefan van Campenhoudt und das Team Schirmer mussten sich nach Rang zwei in der Klasse mit eben diesem auch in der Meisterschaft zufrieden geben. Nach Abzug der zwei Streichresultate beträgt der Rückstand 0,8 Punkte auf die Titelträger. Für den Belgier blieb nach einer erfolgreichen Saison immerhin noch die VLN Produktionswagentrophäe, die er überlegen vor Rolf Derscheid und Michael Flehmer einfuhr.Auch die Dritten im Bunde, Hoffmeister und Wrabetz, gingen nicht leer aus. Mit acht Siegen im Toyota GT86 Cup dominierte das Duo diese Wertung und gewann den Pokal überlegen für das Team Dörr Motorsport.

Neben dem Toyota GT86 Cup wurden im Rahmen der VLN noch zwei weitere Markenpokale auf dem Nürburgring ausgetragen. Zum einen der Opel Astra OPC Cup und zum anderen der BMW M235i Racing Cup. In beiden Klassen war auch Hauptfeldwebel Mario Merten für das Team Bonk Motorsport am Start. Den frontgetriebenen Opel teilte sich der gebürtige Nürburger mit Marc Legel und Jürgen Nett. Doch die Saison verlief für das Trio alles andere als gut. Nur dreimal konnte der erfolgsverwöhnte Westfalen-Astra in die Punkteränge fahren. Ein zweiter Platz in der Klasse und magere 55 Punkte waren in dieser Saison das Optimum für Merten im Astra OPC Cup, den er 2013, damals noch zusammen mit Wolf Silvester, gewinnen konnte.

Besser lief es dafür im BMW M235i Racing Cup, in dem er zusammen mit Ralf Schall ebenfalls für Bonk Motorsport am Start war und zwischenzeitlich sogar die Tabelle anführte. Mit konstant guten Leistungen und einem Klassensieg beim vierten Lauf des Jahres lagen Merten und Schall vor dem letzten Rennen gleichauf mit Michele Di Martino und Moritz Oberheim aus der Mannschaft von TKS-Motorsport. Das Finale sollte hier also die Entscheidung bringen.

Und das hatte es in sich,da der morgendliche Nebel am letzten Oktoberwochenende den Zeitplan ordentlich durcheinander brachte. Erst gegen 11:10 Uhr konnte mit dem Qualifikationstraining begonnen werden. Trotz der widrigen Bedingungen sicherten Jesse Krohn und Victor Bouveng im BMW Z4 GT3 mit einer Zeit von 8:01.303 Minuten die Pole Position für das Team Walkenhorst Motorsport vor dem schnellsten Boliden der Scuderia Cameron Glickenhaus. Thomas Mutsch, Jeff Westphal und Christian Menzel stellten den SCG003c mit einem Rückstand von 1.799 Sekunden in die erste Startreihe.

In der zweiten Reihe der dritten Startgruppe starteten die Titelanwärter von Bonk Motorsport und TKS Motorsport Seite an Seite, als der Start um 13:50 zu einer verkürzten Renndauer von drei Stunden freigegeben wurde. Doch so spannend wie die Startpositionen vermuten lies, sollte das Rennen für Merten und Schall nicht werden. In der Kurzanbindung wurde der Bonk-BMW von einem anderen Cup-Fahrzeug getroffen und in einen Dreher gezwungen. Vom letzten Platz aus begann das Duo seine Aufholjagd. „Wir hatten nichts mehr zu verlieren, also haben wir richtig Gas gegeben.“, gab Merten hinterher zu Protokoll. Trotz der 20 Teilnehmer in der Klasse waren Merten/Schall nach 2,5 Stunden bereits wieder auf Rang sechs nach vorne gefahren, lagen aber noch hinter ihren Titelkonkurrenten von TKS-Motorsport. Als dann auch noch Moritz Oberheim mit seinem BMW in der Leitplanke landete und das Rennen nicht fortsetzen konnte, sah die Mannschaft von Bonk Motorsport schon wie die Sieger aus, doch aufgrund des immer dichter werdenden Nebels brach die Rennleitung das Saisonfinale vorzeitig ab. Somit ging der Titel im BMW M235i Racing Cup an Michele Di Martino und Moritz Oberheim. Für Mario Merten und Ralf Schall blieb nur die Vize-Meisterschaft sowie der Gewinn der Teamwertung mit Bonk Motorsport.

Der vorzeitige, sicherheitsbedingte Abbruch des Rennes machte dabei nicht nur Merten und Schall einen Strich durch die Rechnung. Auch Marc und Dennis Busch sowie Marc Basseng im Audi R8 LMS ultra zählten zu den Verlierern des Abbruchs, da sie kurz zuvor ihren planmäßigen Boxenstopp absolviert hatten und dabei ihre Führungsposition verloren. Am Ende wurde das Trio auf dem undankbaren vierten Platz gewertet. Dennoch dürfte man im Hause Busch mit dem Ende der Saison 2015 zufrieden sein. Immerhin reichte es beim achten Lauf zum zweiten Gesamtsieg und beim neunten Lauf wurde die Truppe Zweiter.

Der letzte Sieg des Jahres ging etwas überraschend an Gerwin, Manuel Metzger und Philipp Eng im Porsche 911 GT3 Cup, der von Black Falcon eingesetzt wurde. Manuel Lauck, Franck Mailleux und Jeroen Bleekemolen im SCG003c sicherten sich den zweiten Rang vor Frank Krähling und Christopher Brück im Porsche 911 GT Cup America.

Während die Teams und Fahrer jetzt in die verdiente Winterpause verabschieden, beginnen am Nürburgring bereits die Vorbereitungen für das nächste Jahr. Für die Verlängerung der Strecken-Lizenz durch die FIA werden insgesamt sieben Maßnahmen umgesetzt, die die Sicherheit der Zuschauer und Teilnehmer gleichermaßen verbessern sollen. Neben der Errichtung von zusätzlichen Sicherheitszäunen an verschiedenen Streckenabschnitten wird auch die Fahrbahn im Bereich des Flugplatzes erneuert, um dann im März 2016 wieder ein einmaliges Erlebnis zu bieten, wenn die Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring in ihre 40. Saison geht.

Text und Fotos: Matthias Behrndt

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