67. Deutsche Hallen Meisterschaften 2020 – „Auf geht’s“: Vom Erwachen der Wettkämpferin

Im Blitzinterview mit Sportsoldatin Ricarda Lobe (MTG Mannheim), Bundeswehr-Sportfördergruppe Mainz,  2020 Deutsche Hallen-Vizemeisterin über 60 Meter Hürden

Für die deutschen Leistungsträgerinnen im 100 Meter Hürdensprint, Pamela Dutkiewicz und   Cindy Roleder, Ricarda Lobe sowie Franziska Hofmann, verlief das Weltmeisterschaftjahr 2019 mit durchwachsener Bilanz, wie der disziplinspezifische Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), Rüdiger Harksen, nüchtern feststellen musste. Verletzungsbedingte Ausfälle, aber auch Erkrankungen sorgten für eine nur sehr eingeschränkte Leistungsfähigkeit der deutschen Hürdenspezialistinnen. Auch entlang der diesjährigen Hallensaison drehte das Verletzungspech ungnädige Runden. So musste die Bundespolizistin Cindy Roleder (SV Halle), 2015 bravouröse Vizeweltmeisterin, wegen einer Muskelverletzung, die sie sich kurz zuvor beim Berliner Istaf-Indoor-Meeting zugezogen hatte, ihren Leipzig-Start canceln.

Pamela Dutkiewicz (TV Wattenscheid 01), 2017 ebenso glorreich mit Weltmeisterschaftsbronze, entschied sich wegen einer hartnäckigen Muskel-Verhärtung ebenfalls gegen die Leipziger Wettkämpfe zum deutschen Hallentitel, um letztlich verletzungsfrei in Richtung Tokioter Olympia-Sommer trainieren zu können. Mit dem Nichtantritt der beiden Titel-Dominatorinnen der letzten Jahre, schien für die Sportsoldatin Ricarda Lobe die Chance greifbar, in Leipzig erstmals zur nationalen Hallenmeisterin über die 60 Meter Hürden aufsteigen zu können. Allerdings nicht ohne beachtenswerte Konkurrentinnen, denn auch die beiden Leverkusener Siebenkämpferinnen Caroline Klein und Anna Maiwald schickten sich an, im Kampf um die vorderen Medaillenplätze eingreifen zu wollen. Für die Hürdenspezialistin vom MTV Mannheim, Ricarda Lobe, also eine ernstzunehmende Herausforderung, die die beiden Mehrkämpferinnen mit ihren Bestplatzierungsambitionen folglich darstellten.

Für den erhofften Paukenschlag konnte die favorisierte Ricarda Lobe dann doch nicht sorgen, denn mit Caroline Klein stürmte eine echte Überraschungssiegerin vor, die die 60 Meter Hürden mit persönlicher Bestleistung in 8,15 Sekunden überwand – vier Hundertstel vor der Mannheimer Sportsoldatin. Und so musste sich Ricarda Lobe in 8,19 Sekunden als Vizemeisterin begnügen. Nach dem überraschenden Titelgewinn, der für Caroline Klein regelrecht „surreal“ erschien, interviewte der Berliner Sportjournalist Volker Schubert die dennoch tapfer fightende Militärleichtathletin für das Bundeswehr Sport-Magazin.

Bundeswehr Sport-Magazin (BwSportMag): Ricarda, Du bist als Favoritin an den Start gegangen und jetzt deutsche Vizemeisterin. Ein Resultat mit lachendem und weinendem Auge gleichzeitig, wie kommentierst du Dein Rennen?

Ricarda Lobe (MTV Mannheim): Zum einen ist die Stimmung hier in Leipzig richtig geil. Man merkt schon, dass die ganze Halle total voll ist. Dass alle irgendwie mitfiebern, und dass das Publikum den Sportlern gegenüber auch sehr fair ist. Die Bahn ist gut! Es war schon ein bisschen schade, dass ich heute nicht das zeigen konnte, was ich eigentlich schon drauf habe. Es war zuvor schon eine schwierige Hallensaison, die ich hier eigentlich gut beenden wollte. Ja, es ist wirklich so ein bisschen ein lachendes und ein weinendes Auge dabei. Denn natürlich hätte ich heute sehr gerne gewonnen, nachdem die zwei Favoritinnen im Vorfeld ja abgesagt haben.

Andererseits wollte ich hier auch für mich einfach ein geiles Rennen hinlegen und eine geile Zeit an der Anzeige stehen sehen. Und das, sage ich mal, ist mir jetzt nicht ganz so gelungen. Das ist ja schon schade, weil sich das im Training alles schon besser angedeutet hatte. Aber an sich liegt der Fokus ja komplett auf dem Sommer, auf Olympia eben, und ja, dafür wird jetzt in den nächsten Wochen und Monaten hart gearbeitet. Da werden die Karten quasi wieder neu gemischt. Ich sage mal, die Halle in Leipzig war jetzt einfach mal eine Zwischenstation für den Sommer. Es war wichtig, wieder einmal Wettkampferfahrung zu sammeln, Routine zu bekommen, um das im Sommer dann auch abrufen zu können.

BwSportMag: Leipzig für dich also ein Transfer Richtung Jahreshöhepunkt. Welche Rolle spielt für Dich dann der nationale Event in Braunschweig; der letzte Schliff für Tokio, wie sieht Dein Olympia-Fahrplan aus?

Lobe: Ja, Braunschweig wird auf jeden Fall schon ein wichtiger Saisonhöhepunkt sein. Es ist zwar nicht der letzte Qualifikationszeitpunkt, ich kann mich danach noch auf Meetings qualifizieren, aber natürlich sind Deutsche Meisterschaften immer etwas Besonderes. So habe ich das heute in Leipzig auch erlebt. Es ist immer noch ein anderes Feeling, wenn man als Athlet bei Deutschen Meisterschaften antritt, weil du weißt, dass es hier so richtig kribbelt. Und natürlich wird das bei den Deutschen in Braunschweig genauso sein.

BwSportMag: Ricarda, was steht jetzt sportmethodisch und trainingsinhaltlich in den nächsten Vorbereitungswochen bei Dir schwerpunktmäßig auf der Agenda?  

Lobe: Also, mein Schwerpunkt wird auf jeden Fall sein, meine Sprintfähigkeit, die ich eigentlich schon sehr gut habe, auf die Hürden zu übertragen. Das klappt derzeit noch nicht ganz so optimal. Also, ich kann zwischen den Hürden noch nicht so schnell umsetzen, wie ich es von meiner reinen Tempoleistung her könnte. Da sind jetzt natürlich noch viele technische Sachen zu trainieren. Die werden wir dann in den nächsten Wochen einfach weiter fokussieren, und dann erwacht die Wettkämpferin in mir und auf geht’s.

BwSportMag: Du bist ja noch ein recht frisches DLV -Gesicht in der Sportförderung der Bundeswehr. Seit wie lange trägst Du das Eiserne Kreuz der Sportsoldaten am Trikot?  

Lobe: Seit 2018. Ich bin jetzt Obergefreiter.

BwSportMag: Wie geht es innerhalb der Bundeswehr für Dich nun perspektivisch weiter. Der DLV hat zwar zunächst die soziale Grundabsicherung im Fokus, kann sich für seine Athleten aber auch eine später Bindung ist Sportbereich vorstellen, was meinst Du?    

Lobe: Ja, auf jeden Fall! Seit ich bei der Bundeswehr bin, kann ich meine Trainingslager viel besser planen, weil ich auf diese zusätzliche Unterstützung bauen kann. Es ist für uns Leichtathleten unheimlich wichtig, diese Sponsoren und Förderer zu haben, die einen unterstützen, damit man, sage ich mal, sich um das sportliche Leben herum keine Sorgen machen muss.

BwSportMag: Dann wünsche ich Dir für die Zukunft eine weiterhin stabile Verbindung und schnelle Hürdenbeine in Richtung Tokio.

Lobe: Dankeschön!

Die Fragen stellte der Berliner Sportjournalist Volker Schubert für Bundeswehr Sport-Magazin. 

 Alle Fotos: Volker Schubert                           

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