7er-Rugbynationalspieler machen sich langsam auf in Richtung „Normalität“ / Echte Wettkampfperspektive fehlt aber noch

In diesen für nahezu alle Sportarten schwierigen Zeiten musste sich auch der Rugbysport den Gegebenheiten, die die Covid-19-Pandemie mit sich bringt, unterwerfen. Trotz guter Hygienekonzepte und intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik durch den Deutschen Rugby-Verband kam der Spielverkehr sowohl national wie auch international zum Erliegen. Und so blieb auch den Sportsoldaten der deutschen 7er-Rugbynationalmannschaften nicht mehr übrig, als zunächst im „Homeoffice“, also quasi in den eigenen vier Wänden und allein an der frischen Luft, und später wieder in kleinen Gruppen und ohne Kontakt Trainingseinheit um Trainingseinheit zu absolvieren, um unter diesen Rahmenbedingungen fit zu bleiben und bereit, falls sich die Corona-Situation verändert und vielleicht doch wieder auf höchstem Niveau gespielt werden könnte.

Dazu Wolfpack-Kapitän Carlos Soteras Merz: „Corona ist für auch für uns Sportler eine spezielle Herausforderung. Die ersten Wochen haben wir zunächst gut überstanden. Trotz des relativ harten Lockdowns wurde zunächst individuell trainiert und Laufeinheiten absolviert. Schnell haben wir dann in diversen Zoom-Trainingseinheiten wieder „zusammen“ trainieren können. Die Mannschaft hat die Situation insgesamt schnell akzeptiert und sich darauf konzentriert, was sie selbst noch beeinflussen konnte.“

Als Mitte Mai wieder das Training in Kleingruppen erlaubt war, ging es wieder gemeinsam an die Gewichte. Dazu konnte in Pärchen auch wieder an rugbyspezifischen Skills gearbeitet werden. „Schon da war aber schon deutlich zu merken, wie sehr sich die meisten Spieler eine Rückkehr ins Spielgeschehen wünschten“, so Soteras Merz weiter. In die gleiche Kerbe schlug auch Teamkollege Anjo Buckman: „Die Motivation war hin und wieder doch im Keller. Denn natürlich ist es unglaublich schwer, motiviert zu bleiben, ohne einen wirklichen Ausblick auf internationale Wettkämpfe, ohne die Gewissheit, sein Können am Tag X im Wettkampf zeigen zu können. Die lange Corona-Durststrecke war, und ist es teils ja immer noch, doch etwas zäher, als wir alle anzunehmen gewagt hätten.“

Nun hat sich regulärer sportlicher Wettkampf bis heute leider noch nicht wieder ergeben. Der Weltverband World Rugby wie auch Rugby Europe haben viele Wettbewerbe für dieses Jahr komplett abgesagt, so zum Beispiel die ersten Turniere der Sevens World Series. Wann es wieder losgehen kann, steht derzeit noch in den Sternen, nehmen doch aktuell in vielen Teilen der Welt die Infektionszahlen wieder zu.

„Dennoch ist es für uns als Team selbstverständlich, mit dem Trainingsalltag 100% weiter zu machen“, versichert der Wolfpack-Kapitän. „Wir sind schon einige Jahre im Leistungssport, und wo manchmal wegen gerade ja fehlender Ziele die Motivation fehlt, hilft uns unsere Disziplin. Wir wissen, dass tägliches Training, unter welchen Umständen auch immer, enorm wichtig ist und uns immer ein Stück weiter nach vorne bringt.“

Doch immer nur zu trainieren, ohne realistische Aussicht darauf, sich mal wieder unter Wettkampfbedingungen messen zu können, das war dem Deutschen Rugby-Verband nicht genug. Und so nutzte der DRV die zuletzt etwas gelockerten Einschränkungen, um wenigstens Kader-intern Spiele auszutragen. Dazu wurden – erstmals seit den Turnieren der Challenger Series in Südamerika Anfang des Jahres – an zwei Wochenenden Nord-Süd-Duelle angesetzt, wo die Kaderspieler von den Stützpunkten Hannover und Heidelberg gegeneinander antraten.

Die Trainer hatten auf der einen Seite mal wieder die Chance, nahezu alle Spieler gemeinsam zu sehen, und die Spieler selbst genossen sichtlich die Möglichkeit eines sportlichen Wettkampfs. „Auch wenn es „nur“ gegen die eigenen Teamkameraden ging: Die Nord-Süd-Spiele waren ein echter Lichtblick“, gestand Anjo Buckman ein. „Es hat einfach unglaublich Spaß gemacht, wieder normales Rugby spielen zu können.“

An den Wettkampftagen wurde dann sogar nicht nur Nord gegen Süd gespielt, sondern die Teams auch mal etwas bunter gemischt. So waren zwar die Ergebnisse nur schlecht zu bewerten, aber das hat auch nicht im Vordergrund gestanden. „Es ist nach wie vor nicht optimal, denn wir kennen alle das Spielsystem sowie die Spielzüge der Jungs aus unserem eigenen Kader, aber es war für uns in dieser Situation, wo wir alle Kompromisse eingehen müssen, trotzdem ein riesiger Schritt, um weiterzukommen“, sagte etwa Sportsoldat Sam Rainger nach der Maßnahme. „Es war nach so langer Pause wirklich mal wieder schön, es hat mega Spaß gemacht“, pflichtet auch Teamkamerad Bastian Himmer bei. „Wir sind alle happy, wenigstens untereinander mal wieder Dampf ablassen zu können.“

Die Coaches jedenfalls zogen ein ausgesprochen positives Fazit: „Wir haben uns wahnsinnig gefreut, dass wir mal wieder einen Wettkampf hatten, auf den man auch hintrainieren kann, denn die Jungs brauchen ja auch mal wieder Ziele, wo ja nach wie vor nicht absehbar ist, wann ein regulärer internationaler Spielverkehr wieder möglich sein wird“, so Co-Trainer Clemens von Grumbkow. „Die Jungs waren super engagiert und haben viel Energie mitgebracht. Das war für uns ein Topmaßnahme, der uns sicher weiterbringen wird. Man hat auch gesehen: Die Jungen pushen die etablierten Spieler gewaltig von unten. Sie wachsen langsam in die Rollen der Größeren rein und klopfen an die Tür zum Topteam. Wenn wir mit diesem Potenzial weiter gut arbeiten, haben wir wirklich eine vielversprechende Zukunft mit diesem Team.“

Derweil ist man gemeinsam mit anderen Nationen dabei, auszuloten, wie man wieder sportlichen Wettkampf auf internationalem Niveau organisieren könnte. Beim DRV laufen bereits Planungen, kleine Turniere oder Ländervergleiche auf die Beine zu stellen – natürlich im Rahmen der geltenden Bestimmungen. Zwischen dem 12. und 18. Oktober zum Beispiel ist ein Turnier mit internationalen Gästen angedacht. Frankreich und Spanien haben bereits Interesse bekundet, weitere Gespräche laufen. Darüber hinaus sei der französische Verband in Gesprächen mit dem Weltverband über eine kleinere Turnierserie. „Es gibt ein paar Punkte, wo sich was bewegt, wo wieder was gehen könnte, aber man muss dabei auch immer schauen, was wirklich möglich ist in dieser Zeit“, sagt von Grumbkow.

In der Woche darauf plant der Trainerstab um Bundestrainer Damian McGrath ein Talent-ID-Camp, wo sich Spieler präsentieren können, die bislang noch nicht im Blickfeld waren – unter anderem deutschstämmige Spieler aus dem Ausland oder auch Empfehlungen von Landesverbänden. Der erste große Kader-Lehrgang ist bereits für September geplant.

Text und Fotos: Deutscher Rugby-Verband

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