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„Ich will in die Weltspitze! Das ist mein Antrieb!“

Filed in Allgemein, Klettern by on 20. Juli 2015 0 Comments • views: 55

Christoph Hanke, das 21-jährige Kraftpaket aus München, gehört zu den besten Lead-Kletterern Deutschlands. Der Athlet, der für den Deutschen Alpenverein startet, ist auf dem besten Weg in die hartumkämpfte Weltspitze.

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Mit seinen muskulösen Fingern und Händen könnte er vermutlich Wasser aus Granitblöcken drücken. Umso erstaunlicher ist der weiche Händedruck des 21-jährigen Münchners. Mit 62 Kilogramm geballter Muskelkraft verteilt auf 166 Zentimeter bringt Christoph Hanke ideale physiologische Voraussetzungen für den Klettersport mit. „Klettern ist kein reines Kraftgebolze. Die Sportart ist so komplex. Beweglichkeit, Geschick und Koordination müssen genau so trainiert werden wie die Maximalkraft“, erklärt Chris mit ruhiger Stimme. Derzeit ist er der einzige deutsche Kletterer in der Sportfördergruppe. Für insgesamt elf Monate kann er unter bestmöglichen Bedingungen an seiner Kletter-Karriere arbeiten. Christoph Hanke ist Mitglied des Nationalkaders des Deutschen Alpenvereins und startet für die DAV-Sektion Ringsee.
So viel sportliches Potential wie bei Chris kommt nicht von ungefähr. „Meine Eltern waren schon sehr sportlich. Meine Mutter war Leistungsschwimmerin und mein Vater Bergsteiger. Aber das Wandern hat mir damals überhaupt keinen Spaß gemacht“, erinnert sich Christoph an seine jungen Jahre, als er lieber Skateboard gefahren ist, als durch die Dolomiten zu wandern. Zu Beginn seines Sportlerlebens versuchte er sich in der Leichtathletik und beim Turnen. „Ich bin froh, dass ich in jungen Jahren sportlich so viel ausprobiert habe. Das ist schon von Vorteil, wenn die gesamte Skelettmuskulatur beansprucht wird und man viele unterschiedliche Bewegungen verinnerlicht hat“, blickt Chris zurück. Mit elf Jahren schlug dann seine Stunde bei einer Sichtung in der Kletterhalle High East in Heimstetten bei München. Nach einigen Wettkämpfen schaffte er den Sprung zu den Bayerischen und Deutschen Meisterschaften. „Ich kann mich noch erinnern, wie deprimierend das die ersten beiden Jahre war. Bei den Wettkämpfen musste ich nur einstecken. Da gab’s nix zu lachen.“
Nach der Berufung in die DAV-Jugendnationalmannschaft dauerte es, bis er sein Talent unter Beweis stellen konnte, denn die Leistungsdichte bei internationalen Wettkämpfen ist sehr hoch. Für Christoph war das allerdings kein Hemmnis, sondern Ansporn: „Ich bin ein absoluter Wettkampftyp und messe mich gerne mit anderen. Es fasziniert mich, wenn man seine Leistung auf den Punkt genau abrufen muss“, sagt er mit funkelnden Augen. Noch ein Argument für Christoph: Er mag das körperlich und mental anspruchsvolle Training. „Nach dem Frühstück geht’s um acht Uhr in die Kletterhalle. Da bin ich dann so ungefähr drei bis vier Stunden alleine an einer Wand mit super kleinen und bescheidenen Griffen und Tritten. Nach einer Pause am Nachmittag bin ich meistens ab 17 Uhr nochmal für drei Stunden beim Training. Das ist schon ein bißchen eigenbrötlerisch“, beschreibt der DAV-Athlet seinen Alltag.
Bessere Trainingsmöglichkeiten, als sie ihm die Sportfördergruppe der Bundeswehr derzeit bietet, wird es seiner Ansicht nach wohl später nicht mehr geben. „Ich kann mich im Moment zu hundert Prozent auf meinen Sport konzentrieren. Aber in der Weltspitze ist es auch anders gar nicht mehr möglich, wenn man vorne mitmischen will. Das sehe ich auch im internationalen Vergleich. Die persönliche Leistungskurve geht dann nach oben, wenn man über eine längere Zeit unter solchen Bedingungen trainieren kann. Und ich habe das Gefühl, dass es bei mir jetzt erst so richtig losgeht“. Für Christoph sind neben dem körperlichen Training vor allem ein freier Kopf und eine gezielte Ernährung zentrale Bausteine für seinen Erfolg.
Als seine größte Stärke bezeichnet er seine Körperkraft, die ihn auch im Weltcup von anderen Spitzenkletterern nochmal deutlich abhebt. „Der Nachteil an dem Kraftgebolze, das ich jahrelang betrieben habe, ist, dass man sich hin und wieder beim Klettern selber im Weg steht“, sagt er selbstkritisch. Lange Zeit galten seine Fußtechnik und die Beweglichkeit als verbesserungswürdig. An beidem trainiert Christoph seit einigen Monaten mit einem speziellen Trainer. Vor allem das effiziente Verschieben des Körperschwerpunktes und das Antizipieren von Bewegungsabläufen konnte er deutlich verbessern. „Ich merke es daran, dass ich für schwierige Züge, die ich früher erst im zehnten Anlauf gepackt habe, nur noch einen brauche. Ich denke, dass ich mittlerweile Bewegungsabläufe schneller speichern kann.“ Das bestätigt auch der Bundestrainer Maxi Klaus, der ihn seit zwei Jahren intensiver beobachtet. „Chris unterscheidet seine absolute Motivation für den Sport und die Bereitschaft hart dafür zu trainieren von anderen. Seine Athletik und sein Kampfgeist suchen seinesgleichen in der Szene. Er muss allerdings noch an fließenderen Bewegungen und dem Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung beim Klettern arbeiten“, beschreibt der Bundestrainer Christophs Stärken und Schwächen.
Als klares Ziel hat sich Christoph für die kommende Saison den Vorstoß in die Top Ten des Weltcups gesetzt. Dieses Jahr ist er bei fünf Weltcups und der Europameisterschaft in Chamonix im August am Start. „Ob ich auch zu den asiatischen Cups fliegen darf, entscheidet sich im Laufe der Saison, je nachdem in welcher Verfassung ich bin“, schaut er in die Zukunft. Auf die Frage, wo er sich mit 30 Jahren sieht, kommt nach kurzem Überlegen und einem schüchternen Blick: „An der Weltspitze! Das ist mein täglicher Antrieb.“

Text: Johannes Schmid
Foto: DAV

Kletterwettkämpfe

Kletterwettkämpfe werden in den Disziplinen Lead, Speed und Bouldern ausgetragen. Christoph Hanke startet im Lead. Dabei geht es darum, in Routen an künstlichen Kletterwänden seilgesichert soweit wie möglich nach oben zu kommen. Veranstalter der internationalen Wettbewerbe ist die Internationale Sportklettervereinigung IFSC. Der für den Klettersport zuständige Spitzenverband in Deutschland ist der Deutsche Alpenverein (DAV). Er unterhält auch die Nationalmannschaften in den drei Disziplinen. Infos zum Klettersport gibt es unter alpenverein.de/wettkampf

 

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