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Berlin fliegt! Und sprintet! Mit Sprint-Überflieger Julian Reus zum fünften Deutschlandsieg

Filed in Allgemein, Hochsprung, Leichtathletik, Weitsprung by on 24. November 2016 0 Comments • views: 102

Das Fliegen in Berlin ist für deutsche Leichtathleten längst ein sieggekröntes Sportspektakel, soviel steht 2016 nun unverrückbar fest. Auch bei der sechsten Auflage des spitzensportlichen Topevents, bei dem sich vier europäische Leichtathletik-Nationen ein spannendes Stelldichein unter der massiven Säulenarchitektur des pittoresken Brandenburger Tors lieferten, fieberte die auf der Toresspitze symbolträchtig thronende Quadriga wohl gehörig mit den nationalen Topathleten mit. Nun schon zum fünften Mal konnte sich das Dream-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) mit seiner  Weit- und Hochsprungequipe den Goldlorbeer ans Revers heften. Nun sollte es erstmals auch auf der Geraden richtig schnell werden. Im 40-Meter-Sprint sorgte das deutsche Sprinter-Ass Julian Reus gehörig für Tempo, als der 28-jährige Sportsoldat über die wie eisglatt blitzende Kurzpiste fegte.

Das Berlin die Wiege des Menschenflugs ist, das stellt an der Spree nicht nur die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung im Zweijahresrhythmus unter Beweis. Auch beim leichtathletischen Fliegen, das seit sechs Jahren regelmäßig in Berlins historischer Mitte in einer eigens dafür errichteten Eventarena ausgetragen wird, realisieren deutsche Leichtathleten nun regelmäßig Bestplatzierungen, was sich in der Spreeathener Leichtathletik-Community längst herumgesprochen hat. Volle Ränge folglich konnten die Macher des hauptstädtischen Top-Events unterm Brandenburger Tor „Berlin fliegt!“ im Spätsommer wieder verzeichnen, als die sechste Auflage des mittlerweile zum Eventklassiker arrivierten Vier-Länderkampfs „Berlin fliegt!“ vor die Kulisse des weltberühmten Brandenburger Tors lockte. Bei sonnenreichem Kaiserwetter des zweiten Septembersonntags wurde dort auch erstmals gesprintet, also „volle Pulle gekeult, was das Zeug hält“, wie echte Berliner sagen würden.

Sportsoldat Julian Reus: Rasend schnelle Beine unter der Quadriga gezeigt

Einer der beim Um-die-Wette-Keulen Deutschlands blitzschnellste Oberschenkel ganz sein eigen nennen kann, ist Julian Reus vom traditionsreichen Leichtathletik-Club TV Wattenscheid 01. Der Stabsunteroffizier ist Sportsoldat und in Deutschland aktuell der Beste seiner beinschnellen Zunft. So präsentierte sich der deutsche 100 Meter Rekordhalter bei der Auftaktpressekonferenz dann auch „heiß“ wie kochend Wasser. Denn von Null auf Höchstgeschwindigkeit wolle er auf der nur 40 Meter langen Sprintstrecke bei seinem ersten Auftritt vor dem Brandenburger Tor dann auch die beiden Gaspedale volle Pulle treten. Wie gut sein Kickdown beim Durchstarten ist, hatte Julian Reus seit 2014 immer wieder unter Beweis gestellt – zuletzt beim Mannheimer Leichtathletik-Meeting Ende Juli, wo der Wattenscheider in 10,01 Sekunden nur einen Wimpernschlag an die magische Unter-zehn-Sekunden-Sprintergrenze heranstürmte. Seither fiebert die deutsche Leichtathletik-Gemeinde, ob Reus nun der zweite Weiße überhaupt sein wird, der, wie der Franzose Christophe Lemaitre (9,92 Sekunden), die Zehn-Sekunden-Schallmauer durchstoßen kann.

Schneller als die Polizei erlaubt: Mit Vollgas durch die Radarmessung

Doch bei „Berlin fliegt!“ galt ein völlig anderer Modus, was dem Sprinterrennen zusätzlichen Esprit verleihen sollte. So zählte vor der Bühne des Brandenburger Tors nicht die übliche Endzeit, die stets an der Ziellinie der 100 Meter-Bahn gemessen wird, sondern die während des Sprints erzielte Höchstgeschwindigkeit, die dann wie bei der Geschwindigkeitsmessung mit Radarpistolen ermittelt wurde. Auch auf den klassischen „Mann-gegen-Mann-Modus“ verzichteten die Veranstalter. Und so sah das Reglement ausschließlich Einzelstarts mit Höchstgeschwindigkeitsmessungen vor. Schneller als die Polizei in der Fußgängerzone erlaubt, war so folglich auch das extravagante Motto, bei dem Deutschlands schnellster Mann die Farben des DLV im innovativen Wettkampfreglement vertreten sollte. Entsprechend vorfreudig zeigte sich Reus vor dem Sprint-Contest: „In den vergangenen Jahren waren wir Sprinter etwas eifersüchtig auf die Weitspringer und Stabhochspringer, weil sie vor der historischen Kulisse antreten durften“.

Reus durch Standardtraining hervorragend präpariert

„Es ist eine Ehre, diesmal dabei zu sein“, so der nationale Ausnahmesprinter, der bei der Punktejagd für das DLV-Team seinem persönlichen Saisonabschluss stimmungsvoll ausklingen lassen wollte. Natürlich versprühe der innovative Modus einen ganz besonderen Reiz, so der 28-jährige. „Da es kein Kommando geben wird, kann man sich voll darauf konzentrieren, maximale Geschwindigkeit zu erreichen. Gespannt bin ich schon, wie es wird, allein auf einem Steg zu laufen“. Er verspüre bereits eine Ahnung, wie viele Stundenkilometer für ihn möglich wären. Auch wenn Reus mit seinen Tempoerwartungen nicht kokettieren wollte, um sich von der Konkurrenz nicht in die Karten schauen zu lassen, ließ es dennoch wissen, dass Sprintelemente über 40 Meter für ihn nichts Ungewohntes wären, da jene Tempi zum Standardtraining gehörten.

Stimmungstest für Leichtathletik-EM Berlin 2018 bestens gelungen

Im Scharfen Durchgang hieß des für das DLV-Team schließlich gegen Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien zu bestehen. Neben Reus glänzten Weitspringerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz), die U23-Europameisterin 2015 und Olympia-Vierte, die die vier Sprünge mit 6,35 Metern Bestweite dominierte. In vergleichbarer Topform präsentierte sich auch Stabhochspringer Tobias Scherbarth (TSV Bayer 04 Leverkusen), der drei von vier Durchgängen für sich entschied und mit 5,37 Metern auch die größte Höhe überwand. Beim Nationen-Sprint ging es dreimal auf Höchstgeschwindigkeitsjagd, die über einen neuartigen Steg mit weiß-glattem Spezialbelag führte. Schnellster war hier Spaniens Angel David Rodriguez mit 44,1 Stundenkilometern vor Reus mit 41,6 km/h, der für den DLV elf Punkte sammelte. Der klare DLV-Sieg mit 46 Punkten vor Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien hatte am Ende zudem weitere Premieren: Erstmals auf der Westseite des Symbols für die deutsche Wiedervereinigung ausgetragen, sollte der Event als „Berlin 2018-Arena“ auch für gute Stimmung zur kommenden Leichtathletik-EM 2018 an der Spree sorgen; das Fazit: der Auftaktevent BEM 2018 siegte unangefochten mit 100 Punkten!

Text und Fotos: Volker Schubert

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