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Die DTTB-Herren erobern Europas Thron zurück

Abgelegt in Spitzensport, Tischtennis von am 15. Dezember 2017 0 Comments • views: 186

Mit einmal Gold und einmal Silber im Gepäck kehren die Nationalmannschaften des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) von den Team-Europameisterschaften aus Luxemburg zurück. Während sich Deutschlands Herren am Abend bei der Neuauflage des Endspiels von 2014 mit einem deutlichen 3:0-Erfolg für die damalige Niederlage gegen Portugal revanchierten, verpassten die DTTB-Damen nach den Triumphen 2013, 2014 und 2015 ihren vierten Titelgewinn durch ein denkbar knappes 2:3 gegen Rumänien.

Jörg Roßkopf: „Ich bin stolz auf meine Mannschaft“

Deutschlands Herren haben ihre durch Ranglistenpositionen und Erfolge bei Olympischen Spielen unbestrittene Vormachtstellung in Europa mit dem Gewinn des Mannschaftstitels zurückerobert. Nach den Finalniederlagen in Lissabon 2014 gegen Gastgeber Portugal und 2015 im russischen Jekaterinburg gegen Österreich kehrte die Mannschaft von Bundestrainer Jörg Roßkopf nun im Großherzogtum auf den Thron Europas zurück. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Hier in Luxemburg haben alle hervorragend gespielt. Wir haben hart dafür gearbeitet, nach vier Jahren endlich wieder den Titel nach Deutschland zurückzuholen. Die Jungs haben sich das verdient, denn wir sind die beste Nation in Europa.“ Die beiden Sportsoldaten Stabsunteroffizier (FA) Ruwen Filus und Stabsunteroffizier (FA) Ricardo Walther kamen zwar im Finale nicht zum Einsatz, ersterer bestritt jedoch noch das Viertel- und Halbfinale und auch Ricardo Walther spielte in der Gruppenphase gegen Kroatien und Weißrussland ohne Niederlage.
Im Finale gab es zwar keine Schlüsselpartie, wie Jörg Roßkopf in der Pressekonferenz betonte, „denn gegen eine starke Mannschaft wie Portugal ist jedes Einzel gleich wichtig. Aber es ist natürlich angenehmer, aus einer Führung heraus die nächsten Matches zu bestreiten.“ So war es Timo Boll vorbehalten, gegen Portugal im ersten Einzel mit seinem Sieg über Marcos Freitas die Weichen auf EM-Triumph zu stellen. Rekordeuropameister Boll gestand nach dem aufreibenden Fünfsatzduell: „Die Matches gegen Marcos sind immer unglaublich intensiv. Er ist ein sehr intelligenter Spieler. Das Match war deshalb sehr anstrengend für mich und am Ende habe ich auch gemerkt, dass ich müder wurde.“ Über die volle Distanz attackierten sich beide Linkshänder, und sogar als Boll im entscheidenden Durchgang mit 6:2 und eigenem Aufschlag dicht vor dem Sieg zu stehen schien, drehte Freitas noch einmal das Blatt. Boll: „Plötzlich war ich 7:10 hinten, das Match hätte auch weggehen können. Ich musste heute meine Bestleistung bringen, um das Spiel noch zu gewinnen, ähnlich wie bei der WM in Düsseldorf.“

Unwiderstehlich druckvoller Ovtcharov

Anschließend erhöhte ein ungemein druckvoller Dimitrij Ovtcharov gegen den in Luxemburg in glänzender Form spielenden Tiago Apolonia in drei Sätzen mit begeisternden Ballwechseln auf 2:0 für Deutschland. Der Weltranglisten-Vierte freute sich anschließend über die Rückeroberung des Titels: „Die Finalniederlagen 2014 und 2015 haben schon brutal geschmerzt. Deshalb wollten wir auch unbedingt diesmal den Titel zurückholen und nicht noch einmal verlieren. Wir haben ein tolles Team, das hier sehr verdient Europameister geworden ist.“ An Position drei bot Bundestrainer Jörg Roßkopf wie schon im Halbfinale gegen Slowenien den Saarbrücker Patrick Franziska auf, der sich nach seinem starken 3:1-Erfolg über Joao Monteiro gewohnt bescheiden zeigte: „Ich spiele hier zwar in einer wirklich guten Form. Aber die Jungs machen es einem ja auch einfach: In einem Finale bei 2:0 gegen so einen erfahrenen Spieler wie Monteiro in die Box zu müssen, ist natürlich leichter als bei 1:1 oder bei einem Rückstand. Mit dem Vorsprung im Rücken konnte ich das Match dann heute zumachen.“ Auch der Verlierer machte dem neuen Europameister in der abschließenden Pressekonferenz ein Kompliment. „Wir hätten natürlich gerne ein knapperes Match gesehen, beispielsweise durch einen Sieg in meinem Einzel. Aber es gibt gar nichts daran zu rütteln, dass Deutschland heute verdient Europameister geworden ist“, sagte Portugals Aushängeschild Marcos Freitas.
So lautet auch das Fazit von DTTB-Sportdirektor Richard Prause. „Die Mannschaft ist die beste Europas und hat sich den Titel redlich verdient. Ein großes Kompliment an die Mannschaft, die ja hier mit dem eindeutigen Ziel angetreten ist, Europameister zu werden. Das hat das Team von Jörg Roßkopf in beeindruckender Art und Weise umgesetzt.“

Wechselbad der Gefühle bei den Damen

Während die Herren auf den Thron zurückkehrten, mussten Deutschlands Damen diesen nach drei Erfolgen in Serie Rumänien überlassen. Im Finale musste die DTTB-Auswahl dabei durch ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst der 0:1-Rückstand, als die Weltranglisten-Neunte Han Ying Rumäniens Spitzenspielerin Elizabeta Samara gratulieren musste. Shan Xiaona sorgte anschließend mit einem klaren Erfolg über Daniala Monteiro Dodean für den Ausgleich. Nicht unerwartet erspielte sich Rumänien jedoch unmittelbar darauf die 2:1-Führung durch einen Sieg von Bernadette Szőcs über Deutschlands 20-jährige EM-Debütantin Hauptgefreiter Nina Mittelham, deren Schultern trotz guter Leistungen in Luxemburg diesmal noch zu schmal für die Bewältigung solch einer Drucksituation waren. Der hochtalentierte EM-Neuling sagte nach dem Endspiel: „Ich wusste natürlich, dass dies ein sehr wichtiges Match war. Aber Bernadette war heute die bessere Spielerin. Ich bin zwar insgesamt mit meiner Leistung bei diesem Turnier zufrieden, hoffe aber, dass ich in der Zukunft auch unter Druck meine beste Leistung zeigen kann.“
Die heute überragende Shan Xiaona sorgte anschließend mit einem 3:1-Sieg über Samara ein zweites Mal für den Ausgleich, der Mannschaft half die beeindruckende Vorstellung am Ende aber nicht. Shan Xiaona: „Mit meiner eigenen Leistung bin ich sehr zufrieden. Ich hatte mich ganz auf die EM konzentriert und deshalb auch nicht für die Austrian Open in der nächsten Woche gemeldet. Schade, dass es diesmal nicht geklappt hat.“ Dabei hatte nach dem Ausgleich der Berlinerin vor dem letzten Einzel von Han Ying gegen Monteiro Dodean alles auf den vierten deutschen Triumph in Serie hingedeutet. Nie zuvor hatte Han Ying gegen die Rumänin bislang verloren. Doch die Mixed-Europameisterin traf die beiden ersten Sätze auch die gewagtesten Bälle, ehe Han der Anschluss zum 1:2 gelang und Monteiro Dodean mit zunehmender Spieldauer begann, mehr und mehr eigene Fehler zu produzieren. Im vierten Satz bei einer 10:8-Führung der in Düsseldorf lebenden Abwehrspielerin sah dann alles nach einem fünften Durchgang aus, doch Monteiro Dodean mobilisierte ihre letzten Kräfte und punktete viermal in Serie. Rumänien war urplötzlich Europameister. „Hätte ich nicht den vierten Satz noch gewonnen, wäre es wohl vorbei gewesen. Einen fünften Durchgang hätte mein Körper nicht geschafft. So geht für uns ein Traum in Erfüllung. 2013 und 2015 haben wir gegen Deutschland verloren und nur Silber geholt, es war an der Zeit für Gold“, sagte die mit Portugals Nummer drei verheiratete Rechtshänderin. Ihre Freundin und Teamkollegen Elizabeta Samara ergänzte: „Wir sind verdient Europameister, weil wir die beste Mannschaft hatten und stets an allen drei Positionen gepunktet haben.“

Enttäuschte Han Ying: „Es tut mir leid für die Mannschaft“

Sichtlich enttäuscht zeigte sich Deutschlands Top-Ten-Spielerin Han Ying. Ausgerechnet die sympathische Defensivkünstlerin, bei allen drei Titelgewinnen der Deutschen stets die Zuverlässigkeit in Person und Punktegarantin, ging diesmal im Finale leer aus. Han Ying nach dem Match: „Zunächst einmal mein Kompliment an Rumänien, das heute eine fantastische Leistung gezeigt hat und sich weiter entwickelt hat. Es tut mir leid für meine Mannschaft, dass ich ausgerechnet im Finale zwei Spiele verloren habe. Das fühlt sich für mich gerade ganz schlecht an, und es tut mir leid für meine Mitspielerinnen.“ Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp akzeptierte die Niederlage gefasst: „Meine Spielerinnen haben ihr Bestmögliches gegeben und alles versucht. Mein Kompliment geht an Rumänien, das eine großartige Leistung geboten hat und am heutigen Tag verdient Europameister geworden ist.“ Die Leistungen ihrer jüngsten Spielerin Nina Mittelham, die durch die Verletzung von Petrissa Solja, die erst wenige Wochen zurückliegende Blinddarmoperation von Sabine und die Schwangerschaft von Kristin Lang überhaupt erst in die dritte Position gerückt war, beurteilte Schöpp positiv: „Nina hat hier wirklich ein gutes Turnier gespielt. Beim Sieg im Viertelfinale gegen Partyka hat sie es sogar geschafft, an ihrem derzeitigen Maximum zu spielen. Sie ist noch jung und muss vor allem kontinuierlich und stabil trainieren, dann wird ihre Entwicklung weiter voranschreiten.“
Der Gewinn der Silbermedaille ist für Sportdirektor Richard Prause ein sehr respektables Ergebnis: „Die Mannschaft hat aber eine gute EM mit respektablen Ergebnissen gespielt. Wir wussten vorher, dass wir eine besondere Situation haben, in der wir um den Titel mitspielen, aber nicht Europameister werden müssen. Der zweite ist aller Ehren wert: Rumänien ist diesmal verdient Europameister geworden, auch wenn wir unsere Chance im Finale hatten.“
Mit in der Silber-Mannschaft waren auch Stabsunteroffizier (FA) Sabine Winter, die noch mit den Nachwirkungen einer Blinddarm-OP Ende Juli zu kämpfen hatte und deswegen nur in der Vorrunde zum Einsatz kam. Die 20-jährige Sportsoldatin Yuan Wan komplettierte die Mannschaft als Nummer 5 und durfte in der Vorrunde gegen Kroatien auch zum ersten Mal EM-Luft schnuppern. Hauptgefreiter Petrissa Solja, nominelle Nummer drei im deutschen Team, konnte wegen einer Schulterverletzung nicht teilnehmen. Eine Absage aus erfreulichen Gründen erteilte Kristin Lang (geb. Silbereisen) den DTTB-Damen. Sie erwartet Nachwuchs Ende des Jahres.

Text und Fotos: Schillings/DTTB

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