Spitzensport-Reservistin Anna Hahner – Tokio 2020: Planziel Marathon auf dem Radar

Bundeswehr Sport-Magazin im Exklusiv-Interview mit Anna Hahner

Seit dem im Herbst 2019 schwer verunglückten Berlin-Marathon-Finish der deutschen Langstrecken-Protagonistin Anna Hahner, sind die medial sonst so hohen Wellenschläge um die quirlige Bundeswehr-Reservistin seit letztem Herbst in deutlich ruhigeres Fahrwasser gewechselt – zumindest vorerst! Denn ihr großes Planziel, 2020 beim olympischen Marathon in der Ausdauerhochburg Tokyo zu starten, verfolgt die 30-jährige Ausdauerathletin aus dem osthessischen Nüsttal-Rimmels weiterhin mit Inbrunst. Anna Hahner, Deutschlands laufstärkste Reservistin mit einer Marathon-Bestmarke von 2:26:44 Stunden, die sie beim Berlin-Marathon 2014 als schnellste Europäerin erzielte, will es im Tokioter Supersportjahr 2020 definitiv wissen. Zudem liebäugelt die taffe Ex-Sportsoldatin, die, wie nach ihrem Ermüdungsbruch beim 33. Berliner Halbmarathon im Frühling 2013, auch nach Niederlagen voller Kampfesmut steckt, mit einer späteren Karriere bei der Truppe – möglicherweise als topversierte Truppentrainerin mit dem Flair der Marathon-Ikone. Der Berliner Sportjournalist Volker Schubert interviewte die zielstrebige, dabei aber nie verbissene Topleichtathletin.

Was für ein Debakel: Hochmotiviert war Anna Hahner, die Ex-Sportsoldatin und studierte Gymnasiallehrerin mit den Fächern Religion und Französisch aus dem hessischen Nüsttal-Rimmels, letzten Herbst beim spektakulären Berlin-Marathon – der schon fast planmäßig zu immer gigantischeren Weltrekordmarken verführt – an die Startlinie getreten. Doch ihrem Enthusiasmus zum Trotze, zeigte sich das Rennen über die klassischen 42,195 Kilometer für die hochmotivierte Reservistin von der fatalen Seite. Sich während des Rennens wie verzweifelt mehrmals die Hände vors Gesicht schlagend, signalisierte Anna Hahner damit nur zu deutlich, dass sie auf der gesamten Strecke erheblich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. So saß der Schock auch tief, die heiß ersehnte Olympia-Norm für Tokio 2020 mehr als klar verpasst zu haben.

Demut und Neustart nach Berliner Marathon-Debakel

Rang 23 in der Frauenwertung mit einer Endzeit von 2:36:34 Stunden im Ziel, war für die damals noch 29-Jährige weit mehr als ein ernüchternder Tiefschlag. Da half auch nicht die faktische Tatsache, dass sie in der Endabrechnung als zweitbeste Deutsche hinter der neu eingebürgerten Melat Kejeta finishte. Ihre Probleme dürften indes gravierend gewesen sein, denn Anna Hahner war beim Einlaufen tags zuvor zusammengebrochen und kurzfristig in Ohnmacht gefallen. Im Rennverlauf selbst sei ihr nach nur zwei Kilometern schwarz vor Augen worden, doch sie habe sich irgendwie durchgekämpft, wie sie über ihren dramatischen Rennverlauf schließlich berichtete. Seit dem sportlichen Blackout sieht sich Anna Hahner nun von innerer Einkehr und von einer gewissen Demut geleitet.

Die Wertschätzung, wie bedeutungsvoll es sei, gesund trainieren zu können, sei in diesem Prozess deutlich gereift, so Hahner. Gewachsen sei dabei auch die Erkenntnis, dass man seine Erwartungen als Spitzensportler von Zeit zu Zeit auch gezielt zurückschrauben müsse. Die Zeit des Nachdenkens habe zwangsläufig auch in die spitzensportliche Vergangenheit geführt: Folglich also in jene Retrospektive, bei der sie ihren kometenhaften Aufstieg noch einmal analysierend Revue passieren ließ. Der steilen Marathonkarriere der ersten Jahre folgten auch einige verletzungsbedingte Zwangspausen, ließ Hahner dabei wissen. Das jahrelange harte Training bedeute nicht nur einen gewissen Raubbau am Körper zu betreiben, sondern sauge insgesamt auch enorm viel an innerer Energie ab. Während sie anfangs zu schnell zu viel erreicht habe, hätte sie sich nun auf Normalniveau eingependelt, so der durchaus selbstkritische Laufbahn-Rückblick der 30-Jährigen.

Energie-Level nur noch feindosiert hochfahren

Neben dem Vereinswechsel zum traditionsreichen Leichtathletik-Club SCC Berlin, der 2019 ein extrem wichtiger Schritt gewesen sei, habe sie den Fokus sowohl in ihrem Tagesrhythmus als auch bei ihren Trainingsplanungen deutlich verschoben. Instagram-Aktivitäten stünden nun eher hinten an, weil jetzt dem Training und den Erholungsphasen die höchste Priorität gelte, so Anna Hahner hoffnungsvoll. Die Mittagspause pflegen, das kategorische Computerausschalten und Geist wie Körper immer wieder ruhen lassen, sei nun ihr favorisiertes Rezept. Mit den zu Jahreswende vorgeplanten Trainingsstationen über Norwegen, Neuseeland und Äthiopien blicke sie deshalb nun wieder zuversichtlich ins Olympiajahr 2020. In Norwegen sei sie im Dezember beim Skilanglauf gestartet, habe dabei auf gelenkschonende Art und Weise ihre Grundlagenausdauer geschaffen, wie Anna Hahner erklärte. Die langen Skilanglaufeinheiten im verschneiten Norwegen wären eine ideale Vorbereitung auf Neuseeland gewesen, denn dort sei es sehr bergig und man benötig folglich viel Beinkraft. Dann stehe Äthiopien auf dem Fahrplan, der letzte Schliff gewissenmaßen, um bei den europäischen Frühlingsmarathons topfit an der Startlinie stehen zu können.

Topfit in Europas Frühjahrsklassiker

Vom SCC Berlin sowie ihrem Trainer erhalte sie jetzt die bestmögliche Unterstützung, was ihre Zuversicht stärke, auf dem richtigen Weg zu sein. Mit Blickrichtung auf Startgelder oder etwaige Werbeerlöse, bestehe von Vereinsseite kein Druck und so könne sie frei wählen, ob sie diesen Frühling in Wien oder in Hannover starte. Ihre Zielrichtung vor Augen ist allerdings völlig klar: In der Alpenmetropole oder der Niedersachsen-Hauptstadt möglichst früh das Tokio-Ticket einlösen zu können; also die Olympianorm des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) von 2:29,30 Stunden deutlich zu unterbieten. Taktisch wäre schon jetzt alles dazu abgesteckt: So scheide ein Blick auf die unberechenbare Konkurrenz dabei gänzlich aus, die Konzentration läge ganz und gar auf ihrem eigenen Rennverlauf, wie Anna Hahner ihre Absichten unterstrich. Die Chance nach Rio 2016 zum zweiten Mal bei Olympia zu laufen wäre großartig, so die Sport-Reservistin mit Glanz in den Augen. Der erste DLV-Startplatz sei bereits an die Ex-Äthiopierin Melat Kejeta vergeben, aber den zweiten oder dritten Platz zu ergattern sei möglich, weshalb sie diesem Vorhaben auch alles unterordne, so Hahner kämpferisch.

„Die Verbindung Bundeswehr und ich, das ist noch nicht vorbei“

Bundeswehr Sport-Magazin (BwSportMag):  Schön, dass Du wieder in Berlin bist, Anna. Ich habe noch einen Koffer in Berlin und da ist – neben Deinen Spikes und Laufschuhen – nun auch ein top ausgestattetes Rennrad drin, könnten man ja mittlerweile mit echter Spreeathener Zukunftsperspektive sagen. Wohl nicht ohne Grund, denn seit Deinem nicht unerheblichen Verletzungspech setzt Du ja konsequent auf methodische Vielfalt: Einerseits zum Kompensieren, andererseits als Prophylaxe. Wie wirkt sich die Umstellung auf Deine Form in Deiner Spezialdisziplin aus, da gibt es ja sicherlich den einen oder anderen Tempodauerlauf, der Dir in der Formüberprüfung signalisiert, ob die neue trainerische Ausrichtung stimmt?

Anna Hahner: Mein Training ist jetzt sehr langfristig aufgebaut, und das merke ich auch ständig. Ich habe nach meinen vielen Verletzungen nun mit wesentlich geringeren Laufumfängen begonnen, weil die Laufeinheiten naturgemäß auch die am stärksten belastenden Trainingseinheiten für den Körper darstellen; natürlich dann auch verbunden mit dem höchsten Verletzungsrisiko. Mein Hauptziel ist es folglich verletzungsfrei zu bleiben, weil das kontinuierliche Training das entscheidendste Merkmal für den Erfolg im Ausdauersport überhaupt ist. Und das hat in den letzten Jahren bei mir leider nicht mehr so gut geklappt. Ich habe temporär immer gut trainiert, doch dann kamen Verletzungen, und ich musste dann zwar nicht bei null anfangen, wurde aber immer wieder zurückgeworfen.

Deswegen habe ich jetzt mit wenig Laufumfang bei trotzdem hohem Trainingsvolumen begonnen. Konkret habe ich dabei zunächst also viele Radkilometer abgespult, sodass ich nun aber immer lauf- und marathonspezifischer werde. Zurzeit bin ich an dem Punkt, dass ich recht semispezifisch trainiere. Also schon richtige Marathoneinheiten, aber trotzdem mit einem Kilometerumfang, der nicht höher als 120 Kilometer in der Woche ist, (und) was als Marathonläuferin total wenig ist. Ich merke aber gleichzeitig, dass mein Körper auch auf das Alternativtraining reagiert.

Ich traue mir eine Marathonzeit von 2:29:30 Stunden auch mit 120 Laufkilometern plus Radeinheiten schon zu, und das zeigt mir halt auch, im Hinblick auf 2020, was alles möglich ist. Und da ist mein Ziel natürlich auch im Bereich meiner Bestzeit und darüber hinaus zu laufen. Ich spüre halt schon, dass das jetzt der richtige Weg, das richtige Konzept ist. Das ist nichts, was dann von heute auf morgen geht, aber die Geduld habe ich. Ich möchte da wieder hinkommen, wo ich bereits war, das aber jetzt Schritt für Schritt aufbauen.

Marathonzeit von 2:29:30 Stunden auch mit 120 Laufkilometern möglich

BwSportMag: Es ist ja kein Geheimnis, dass ein Marathonrennen erst nach der Hälfte so richtig beginnt und man im Training wie im Wettkampf selbst einen sehr langen Geduldsfaden mit viel Willenspannkraft benötigt. Schildere doch mal was aus Deinem Rennradprogramm, dass Du ja auch sehr intensiv gestaltest ­– wie, mit welchen Umfängen und welchen Tempi, fügt sich das Pedaltraining in Deine derzeitigen Laufeinheiten ein?

Hahner: Beim Laufen trainiere ich ja immer nach Geschwindigkeit, beim Radtraining nutze ich die Plusbereiche. Das heißt, ich richte mich nur nach der Herzfrequenz – da spielt zum Beispiel der Gegenwind überhaupt keine Rolle, egal ob ich dann 20 mal 30 Sekunden mit sehr hohen Pulswerten fahre. Also, Vollgas mit hoher Frequenz und dann nur 30 Sekunden locker dazwischen, um VO2max* zu trainieren oder auch längere Intervalle, wo ich zum Beispiel Sechs-Minuten-Intervalle im höheren Pulsbereich absolviere.  Das Radfahren ermöglicht mir außerdem, dass ich nach absoluten Ausdauertragen mit 35 Laufkilometern immer noch bis zu dreieinhalb Stunden beim Radtraining unterwegs sein kann, was natürlich ein extrem hoher Ausdauerumfang ist, weil das Radfahren eben nicht diesen Verletzungsimpact wie beim Laufen darstellt.

(*VO2max: Das Training dient der Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme, die in der Maßeinheit des Herzminutenvolumens [HMV] gemessen wird. Das HMV ist das Produkt aus der humanmedizinischen Formel: Herzfrequenz [HF] mal Schlagvolumen [SV] mal arteriell-venöse Sauerstoffdifferenz. Innerhalb dieses Abhängigkeitssystems gilt grundsätzlich: Umso höher die HF, umso höher die im Körper per SV umgesetzte Blutmenge und umso höher die über das arterielle System durch die verstoffwechselnden Mitochondrien an die Enden der Muskelzellen weitergegebene und energetisch verbrauchte Sauerstoffmenge, desto größer die ausdauerspezifische Leistungsfähigkeit des Athleten. Anmerkung des Autors).

BwSportMag: Bei dem Pensum an Rad-Lauf-Kombination, ist da demnächst mal ein wettkampfsportlicher Duathlon- oder Triathlon-Ausflug von Dir zu erwarten?

Hahner: Laufen ist schon meine wirklich große Leidenschaft. Ich liebe das Radfahren auch schon sehr, aber nur als Unterstützung für mein Leichtathletik-Training. Marathon steht so klar als Nummer eins auf dem Podest, da kommt wettkampfmäßig nichts anderes in Frage.

Leidenschaft Marathonlauf

BwSportMag: Anna, das ist eine klare Ansage. Genau wie Deine neue Bindung an Berlin. Deine neue Leichtathletik-Adresse heißt SCC Berlin, allerdings unter den Fittichen des neu implementierten SCC Pro Teams, also einen extra geschaffenem Markenbranding mit eigenem Label: Dem wirklich sehr stylisch gestalteten Wildschwein als zentrale Figur, die sich aus dem traditionellen SCC-Crosslauf rekrutiert. Und, fühlst Du Dich unter dem neu kreierten Berliner Markenzeichen auch wirklich gut aufgehoben?

Hahner: Auf jeden Fall. Also, Berlin ist jetzt definitiv meine sportliche Heimat. Hier fühle ich mich zuhause und (ich)bin ja auch sehr oft hier. Mein Anliegen ist es, den Marathonsport an sich weit nach vorne zu bringen. Das Tolle ist, dass hier alles auf Langfristigkeit aufgebaut ist. Ich werde also nicht ständig gepuscht oder unter Druck gesetzt, dass ich schon dieses Jahr besser laufen muss. Das hängt auch damit zusammen, dass der SCC und ich das SCC Pro Team und damit den Laufsport insgesamt für viele Jahre vorausschauend und als sportive Kernidee ins allgemeine Bewusstsein rücken wollen. Und genau diesen Rückhalt spüre ich eben auch bei mir, eben die volle Unterstützung des gesamten Teams.

BwSportMag: Du warst ja um 2013 für rund ein Jahr Sportsoldatin, bis dass der DLV Dich aus der Sportförderung der Streitkräfte verbannte, weil Du bezogen auf die Trainerwahl ganz eigene Wege gehen wolltest, die die DLV-Verbandsseite nicht mittragen wollte. Fakt ist parallel dazu aber auch, dass die Soldaten – mit Ausnahme von reinen Kampftruppeneinheiten, wie den Fallschirmjägern, körperlich ja immer unsportlicher und adipöser werden. Ein Phänomen, das sich rein schon rein optisch widerspiegelt, wenn man gelegentlich Teile der militärischen Führungsriege vor Augen hat. Und damit wohl auch eine gesamt-sozial-gesellschaftliche Erscheinung, wie Militärsportmediziner mit Blick auf den schlechten Fitnesszustand von Soldaten regelmäßig bemängeln?

In diesem Kontext nachgefragt: Wie stehst Du aktuell zur Bundeswehr-Sportförderung; gibt es das noch alte Kontakte oder bereits neue Verbindungen oder den Wunsch zurückzukehren oder aber auch berufliche Ambitionen, denn als studierte Gymnasiallehrerin und trainingserfahrene Topsportlerin, die ja auch qualitativ hochwertige Laufseminare anbietet, wärst Du innerhalb der Truppe wohl so etwas wie eine personelle Goldrandlösung, um für flächende Fitness zu sorgen?

Hahner: Ja, auf jeden Fall. Solche Kontakte pflege ich zum Beispiel mit Rebecca Robisch, der ehemalige Weltklasse-Triathletin und mehrfachen Deutschen Meisterin, die jetzt bei der Bundeswehr in Fürstenfeldbruck arbeitet. Dort ist sie als Sportausbilderin in der Truppe eingesetzt. Und mit der bin ich wirklich auch sehr oft in Verbindung. Rebecca hat mir schon mehrmals gesagt, dass ihr Chef sich freuen würde, wenn ich mich mal für sechs Monate einberufen lassen würde, um dort auch als Sportausbilderin und Trainerin zu arbeiten. Und das könnte ich mir sofort vorstellen.

Ich merke einfach immer wieder, dass ich noch emotionalen Bezug zur Truppe habe, und ich mich als Sportsoldatin total behütet und wohl gefühlt habe. Und es war ja nicht so, dass ich von der Sporttruppe weggehen wollte oder etwa die Bundeswehr wollte, dass ich weggehe. Sondern, es war ja so, dass das Aus von der DLV-Verbandsseite kam. Vor Olympia passt ein befristeter Reservejob bei der Bundeswehr natürlich jetzt nicht ins Konzept, aber das kann ich mir danach durchaus gut vorstellen. Aber ich glaube sowieso, die Verbindung Bundeswehr und ich, das ist noch nicht vorbei, sozusagen.

Als Sportausbilderin zurück in der Truppe

BwSportMag: Mal gleich zu Deinem eher unsubstantiierten Stichwort ‚sozusagen‘ nachgehakt. Heißt das sinnbildlich gesprochen, dass der Braten ist noch in der Röhre ist, was sich ja sehr perspektivisch gedacht anhört, wenn ich das jetzt richtig interpretiere?

Hahner: Na, klar und gleich ein zweites Mal auf jeden Fall. Man spürt ja diesen gegenseitigen Willen zusammenzukommen. Und das ist schön, zu wissen, dass da von beiden Seiten noch etwas kommen und auch fester entstehen kann.

BwSportMag: Stichwort Karriere nach der Karriere, nämlich die nach Deiner hochleistungssportlichen; hier will ich für unsere Leser einleitend etwas tiefer ausholen: Du verfügst ja – neben Deinen spitzensportlichen Referenzen mit Glanzleistungen bei großen Straßenrennen und Deiner DLV-Nationalmannschaftrepräsentanz bei Olympischen Spielen – über eine Topausbildung als Akademikerin; Du bist studierte Gymnasial-Pädagogin. Aktuell und à la longue sucht die Bundeswehr händeringend nach körperlich und kognitiv potenten Personal, wie die vielfältigen Recruiting-Maßnahmen in den Sozialen Medien zeigen.

Unter diesen Vorzeichen geht die Streitkräftebasis jetzt endlich zeitgemäße Wege – bietet sowohl ein Duales Studium als auch eine Duale Fachausbildung an; letztere befindet sich gerade in der Projektphase. Für Sportsoldaten mit Abitur ist es seit Herbst 2019 an der neu gegründeten Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS) möglich, eine sport- und medizinwissenschaftsbasierte Ausbildung mit den passgerechten Zeitlinien für das Hochleistungstraining zu verbinden. In Kooperation zwischen der Bundeswehr und der innovativen Berliner DHGS-Akademie existieren diverse sport- und gesundheitsadäquate Studiengänge, bei denen die studierenden Sportsoldaten via Fernstudium und in gut planbaren Präsenzwochen eine maßgeschneiderte Hochschulausbildung erhalten können. Ein ähnliches Modell soll in die Feldwebellaufbahn integriert werden, sodass den militärischen Elite-Athleten hierbei eine parallele Ausbildung zum Feldwebel Körperliche Leistungsfähigkeit (KLF) angeboten wird.

Mit dem bereits als Athlet erworbenen Erfahrungsschatz plus des zusätzlich sportfachlich attestierten Kompetenzerwerbs, soll der aus der Spitzensportförderung ausgeschiedene Sportsoldat den Streitkräften später gewinnbringend erhalten bleiben, so das neue Personalverwendungs- und Karrierekonzept. Als Feldwebel KLF, um bei der Truppe durch methodisch wie didaktisch zeitgemäße Fitness- und Gesundheitsprogramme positiv auf die Einsatzbereitschaft insgesamt einwirken zu können. Auf dem administrierten Personaltableau der Truppe bist Du weiterhin als Obergefreiter der Reserve aktenkundig. Ist der militärische Wiedereinstieg nach dem Ende Deiner Leichtathletik-Karriere ein gangbarer berufliche Wegweiser, der Dich später in Leitungsfunktion wieder zurückführen könnte – ­ möglicherweise als Frau Majorin im Sportmanagement der Streitkräftebasis, sollte die Truppe die antiquierte Männlichkeitsform bei den Dienstgradbezeichnungen bis dahin überwunden haben?

Akademikerin Hahner: Perspektive als Leitende Sportmanagerin in der Truppe

Hahner: Zum jetzigen Zeitpunkt denke ich natürlich noch nicht so weit. Aber ausschließen will ich diese Perspektive jedenfalls nicht. Wie schon gesagt, ich habe mich in der Sportfördergruppe an sich sehr wohlgefühlt. Jetzt aber zählt für mich alles, was das Laufen und meine Marathonambitionen voranbringt, und da bin ich dann auch voll und ganz dabei.

BwSportMag: Danke Dir Anna: Und für Deine DLV-Ticketambitionen Richtung Tokio vor allem Verletzungsfreiheit und das richtige Rennen, um die olympische Marathon-Eintrittskarte zu lösen.               

Die Fragen stellte der Berliner Sportjournalist und DLV Leichtathletik-Trainer Volker Schubert.

Fotos: Volker Schubert

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