Diese Trophäe passt zur Kristallkugel: Gesamtweltcupsieger Martin Nörl wird auf der Pressekonferenz von Snowboard Germany als „Athlete of the Year 2022“ ausgezeichnet. Grund zu feiern hatte am Dienstag im Backstage München die gesamte SNBGER-Familie: Der Verband wird am 22. November 2022 20 Jahre alt. Sportdirektor Andreas Scheid und Präsident Prof. Michael Hölz blickten auf die Erfolgsgeschichte von Snowboard Germany zurück – und sprachen über ambitionierte sportliche Ziele und Themen darüber hinaus.

Ein Tisch in der Ecke, vier Coaches drumherum. „Die erste Trainerklausur war schnell organisiert“, verrät Andreas Scheid augenzwinkernd. Der Sportdirektor ist seit Beginn an Teil von Snowboard Germany, hat die Entwicklung des Verbandes seit dem 22. November 2002 miterlebt und mitgeprägt. Seither sind 20 Jahre – mit sieben gewonnen Olympischen und 25 WM-Medaillen – vergangenen.
„Wir sind aktuell die Nummer zwei der Welt, haben schlagkräftige, professionell agierende Teams in allen Disziplinen am Start. Wer hätte uns das damals zugetraut?“, erinnert sich Scheid. Gehören die jungen wilden Snowboarder damit der Vergangenheit an? „Manchmal kommen sie schon noch durch“, sagt er lachend.
Im Rahmen einer Pressekonferenz hat Scheid gemeinsam mit Präsident Prof. Michael Hölz und Direktor für Finanzen und Marketing, Stefan Knirsch, über die vergangenen 20 Jahre – aber auch über Herausforderungen und Ziele für die Wintersaison 2022/23 gesprochen.

Zuversichtlich und konzentriert: So schaut Prof. Michael Hölz in die nächsten Monate. „Natürlich beschäftigt uns die aktuelle Diskussion um Klimawandel, steigende Energiekosten und Inflation wie beinahe jeden von uns. Trotzdem freuen wir uns auf eine erfolgreiche Wintersaison, in der wir uns große Ziele gesetzt haben. Damit starten wir in das dritte Jahrzehnt Snowboard Germany“, so der Präsident.

20 Jahre! SNBGER feiert runden Geburtstag (v.l.): Prof. Michael Hölz, Ramona Hofmeister und Martin Nörl.

Der SNBGER-Winter 2022/23: Eine neue WM-Disziplin, eine „alte“ Athletin und zwei Heimweltcups

Rücktritt vom Rücktritt: Cheyenne Loch (SC Schliersee) ist zurück. Die Raceboarderin hat ihre Karriere als Leistungssportlerin nach der Saison 20/21 wegen gesundheitlicher Probleme eigentlich beendet. Seither hat sie sich als Landestrainerin um den Nachwuchs gekümmert. Doch jetzt will die 28-Jährige – gesund und top motiviert – noch einmal angreifen. „Ich hatte plötzlich keine Schmerzen mehr. Damit hat sich mir eine andere Sichtweise eröffnet. Und die Türen bei Snowboard Germany und Paul Marks (Headcoach Race) waren sehr weit auf…“, erklärt Loch. Ihre Rückkehr freut auch Sportdirektor Andreas Scheid: „Mit Cheyenne verlieren wir zwar eine hervorragende Nachwuchstrainerin. Aber was viel wichtiger ist: Sie ist fit und hat Lust, es noch einmal zu probieren. Vor dieser Entscheidung – mit ihrer Verletzungsgeschichte im Rücken – habe ich riesengroßen Respekt und das zeigt, mit wie viel Leidenschaft sie ihren Sport lebt. Cheyenne macht unser starkes Damen-Race-Team komplett.“

Der Fokus der erfolgsverwöhnten Alpin-Damen aber auch aller anderen Teams von Snowboard Germany liegt kommenden Winter auf den Weltmeisterschaften, die von 19. Februar bis 5. März 2022 in Bakuriani in Georgien stattfindet. Bei den Titelkämpfen wird erstmals im Mixed Team Race um Gold, Silber und Bronze gefahren. „In allen Disziplinen haben Testwettkämpfe stattgefunden, die sehr erfolgreich für uns waren. Hinzu kommt der neue Wettbewerb – das Mixed Team Race, dass mich sehr optimistisch auf die WM blicken lässt. Die Erwartungen – auch in Richtung Medaillen – sind gestiegen“, erläutert Sportdirektor Scheid mit Blick in Richtung Saison-Höhepunkt.

Neben der Weltmeisterschaft zählen die Heimweltcups zu den Highlights der anstehenden Wintersaison. Zwei Stopps stehen in der Disziplin Race in Deutschland auf dem Programm. Los geht es am 10. und 11. Dezember 2022 in Winterberg. Die Wintersport Metropole in Nordrhein-Westfalen ist nach drei Jahren Pause wieder Gastgeber eines Weltcups. Genau wie Berchtesgaden, wo wie in den vergangenen zwei Jahren das Weltcupfinale stattfindet. „Daheim vor unseren Fans Erfolge feiern – das zählt zu den schönsten Momenten, die uns der Sport gibt. Aber natürlich müssen wir das große Ganze im Blick haben: Eine wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Umsetzung muss gerade unter den aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen gegeben sein“, erläutert Direktor für Finanzen und Marketing, Stefan Knirsch.

„Warming Stripes“ auf den Wärmejacken: Snowboard Germany setzt nachhaltiges Zeichen

Ja. Snowboard Germany pflanzt Bäume. Ja. Snowboard Germany trägt in der kommenden Saison die sogenannten „Warming Stripes“ auf der Klamotte, die den Klimawandel optisch darstellen. Aber reicht das aus? Mit der Unterzeichnung der UN-Deklaration im November 2019 hat sich SNBGER offiziell zur CO2-Reduktion verpflichtet. Gemeinsam mit dem Deutschen Skiverband (DSV) sowie der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) ist auf dessen Basis die Nachhaltigkeitsstrategie 2030 entstanden.

Aber was bedeutet das in der Praxis? „Wir wollen als Leistungsportverband und Dachverband für alle Snowboarderinnen und Snowboarder in Deutschland mit gutem Beispiel voran gehen“, sagt Prof. Michael Hölz. „Das bedeutet beispielsweise, dass wir zu Trainings- oder Wettkampfmaßnahmen im Alpenraum konsequent in Kleinbussen anreisen und das Training, um sinnvolle Off-Snow-Einheiten ergänzen “, erläutert der Präsident. Nächste Maßnahmen wie die Nutzung von E-Autos und Kompensation der Flugreisen seien bereits in der Planung.
Zudem hat es in diesem Jahr erstmals eine Bedarfsabfrage vor der Team-Einkleidung gegeben: „Es bekommt nicht mehr jeder Athlet, Coach oder Betreuer jedes Jahr alle Ausrüstungsgegenstände. Ausschließlich ausgedientes wird aussortiert. So konnten wir beispielsweise mehr als 30 Prozent unserer Wärmejacken für kommenden Winter einsparen“, ergänzt Constanze Wagner, die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Verbandes.

Ideen und Knowhow zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz liefert unter anderem die Initiative „Sports for Future“. Snowboard Germany arbeitet seit diesem Jahr eng mit dem Netzwerk zusammen. „Bei den Wintersportarten ist das Thema – leider muss man sagen – sehr präsent. Die Athletinnen und Athleten sehen die Veränderung der Gletscher von Jahr zu Jahr. Es ist wichtig und freut mich, dass Snowboard Germany das Thema so offensiv anpackt. Neben der Verantwortung für den eigenen Fußabdruck geht es auch um Aufmerksamkeit. Die Warming Stripes auf der Teamkleidung sind dafür ein starkes Statement“, so Stefan Wagner, 1. Vorsitzender von Sports for Future auf der Pressekonferenz.

Martin Nörl ist „Athlete of the Year“ // Auch Juniorenweltmeister Leon Ulbricht und Sbx-Coach David Speiser ausgezeichnet

Ein Wochenende für die Snowboard-Geschichtsbücher: Innerhalb von 24 Stunden bekommen Ramona Hofmeister (WSV Bischofswiesen) und Sportsoldat Martin Nörl (DJK-SV Adlkofen) bei den Saisonfinals in Berchtesgaden (GER) und Veysonnaz (CH) Ende März diesen Jahres die großen Kristallkugeln als Gesamtweltcupsieger/-innen überreicht. Während es für den Sbx-Athleten die erste der begehrten Trophäen sowie die erste eines deutschen Boardercross-Athleten aller Zeiten ist, machte Hofmeister damals das Tripple perfekt.

Wer von den beiden Ausnahmesportler/-innen holt sich den Titel „Athlete of the Year“? Die Wahl des SNBGER-Sportvorstands um Andreas Scheid fiel auf Martin Nörl. Der 28-jährige Sbx-Athlet, der im Winter 21/22 insgesamt drei Rennen gewann, bekam im Rahmen der Pressekonferenz die Trophäe des Verbands überreicht.

Martin Nörl: „Beim Rennen im März, als ich die Kristallkugel überreicht bekam, bin ich ja relativ schnell rausgeflogen. Daher konnte ich mich ein bisschen auf den Moment vorbereiten. Trotzdem war die Siegereherung ein ganz besonderes Erlebnis und wird mir immer in Erinnung bleiben. Vor allem an so Tagen wie heute – mit der ‚Athlete of the Year‘-Trophäe in der Hand.“

Über den Titel „Coach of the Year“ darf sich in diesem Jahr sein Trainer freuen: Sbx-Disziplincoach David Speiser, der als ehemaliger Weltcup-Athlet die Sportler/-innen auf die unterschiedlichen Strecken einstellt und gemeinsam mit dem Wachsteam für schnelle Bretter sorgt, hat maßgeblichen Anteil am Nörls Triumpf.

Ausgezeichnet (v.l.): Leon Ulbricht, Martin Nörl und David Speiser.

Auch SNBGER-Titel Nummer drei geht in das Snowboardcross-Lager: Nachwuchstalent Leon Ulbricht (SC Rötteln) wird „Rookie of the Year“. Der 17-Jährige hat im April in Veysonnaz (CH) den Titel bei den Juniorenweltmeisterschaften gewonnen. Bei der Piotr-Nurowski-Preisverleihung, auf der die besten Nachwuchssportler/-innen Europas gewählt werden, belegte er diesen Sommer Platz drei. Und auch die Deutsche Sporthilfe wählte ihn kürzlich unter die Top fünf bei der Wahl zum „Juniorsportler des Jahres 2022“.

 

 

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