Subscribe via RSS Feed

Skilehrteam der Bundeswehr – was ist denn das?

Filed in Allgemein, Skibergsteigen, Skisport, Weiterbildung, Wintersport by on 2. April 2013 0 Comments • views: 128

Jedes Jahr trifft sich das Skilehrteam der Bundeswehr zu Beginn der angehenden Wintersaison zur Weiterbildung.P1070416Sport in der Bundeswehr soll und muss auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, zum Beispiel mit Blick auf die Gesundheit und erfolgreiche Förderung der Fitness unserer Soldaten betrieben und gelehrt werden. Auch dürfen neueste Entwicklungen bezüglich der Methodik und der Technik nicht verpasst werden. Es ist daher wichtig, dass verschiedene Sportlehrer und Ausbilder – insbesondere auch mit Kontakten in diversen zivilen Ski-Verbänden – „Neues“ in den Bundeswehrsport einpflegen, koordinieren und schließlich an andere Lehrkräfte weitergeben.

Die Kooperation zu den zivilen Skiverbänden DSV und DSLV ermöglicht der Bundeswehr in den Ausbildungsbereichen Ski-Alpin, Ski-Nordisch und Ski-Tour zivil anerkannte Lizenzen an ihre Lehrgangsteilnehmer zu vergeben. Dies ist notwendige Grundlage für  eine qualitativ hochwertige Ausbildung innerhalb der Bundeswehr und öffnet ihnen gleichzeitig Möglichkeiten für eine weiterführende zivile Berufsausbildung.

P1070370

Weitere Aufgabenfelder des Skilehrteams sind zusätzliche Ausbildungsmaßnahmen, wie z.B. die Weiterbildung von Personenschützern des Bundesministers der Verteidigung. Die Teilnehmer des Skilehrteams sind Ausbilder an der Sportschule und der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Sonthofen, an der Universität der Bundeswehr in München, in der Heeresbergführerausbildung in Mittenwald sowie Sportlehrer Bundeswehr Truppe. Alle sind staatlich geprüfte Skilehrer oder DSV-Skilehrer. Die Heeresbergführer in diesem Skilehrteam sind mit einem hohen Anteil auch staatlich geprüfte Berg- und Skiführer.

Die aus den verschiedenen Bereichen stammenden Lehrkräfte treffen sich für vier Tage zur Weiterbildung Ski-Alpin und an weiteren drei Tagen für den Bereich Ski-Nordisch. Derzeit umfasst dieses Team einen Personenkreis von 12 Skiexperten. Zu Beginn der Ausbildungssaison im Frühwinter geht es unter anderem darum, verschiedene skitechnische und methodisch-didaktische Entwicklungen weiterzugeben und zu vermitteln. Aber auch die Verbesserung des persönlichen Könnens zu Beginn der Ausbildungssaison ist ein wichtiger Bestandteil für die Mitglieder dieses Teams, weil ein guter Skilehrer auch über eine ansehnliche Demonstrationsfähigkeit verfügen sollte. Wie vermittle ich Lerninhalte, wie beurteile ich das Können meiner Lehrgangsteilnehmer? Solche Fragen sollen unter anderem abgestimmt beantwortet werden.

P1070420

Dabei müssen sich auch Diejenigen, die an der Spitze einer Ausbildungspyramide stehen, auf Stand halten und weiterentwickeln. Aufgrund der mageren Schneelage im November, traf das Bundeswehrskilehrteam auch im Frühwinter 2012 im Stubaital zusammen. Die Gletscherlage am Alpenhauptkamm erlaubt zuverlässig einen notwendigen, frühzeitigen winterlichen Lehr-Auftakt, auch wenn vor allem die heimatlichen Berge noch auf den Schnee warten. Der sportliche Leiter des Skilehrteams, Sportlehrer Michael Klawitter aus Sonthofen, hatte auch für die diesjährigen vier alpinen Ausbildungstage ein detailliertes Fortbildungsprogramm geplant und dazu Aufträge an die Mitglieder verteilt.

Nach einem ersten Einfahren wurde beleuchtet, wie über aktuelle Aufgaben auf einer Wahrnehmungsebene Skitechniken verbessert werden können. Unter Ausblendung verschiedener Wahrnehmungsbereiche, können einzelne Funktionsbereiche der Skitechnik besser herausgestellt werden. Dem gegenüber wurden immer wieder auch Herangehensweisen auf Basis der Erlebnisebene herangezogen. Durch die Schulung und Verbesserung koordinativer sowie sensorischer Fähigkeiten wird stets der Bezug zur Sicherheit auf Gleitsportgeräten hergestellt.

P1070515

In einem weiteren Ausbildungsblock wurde bezüglich der Fehlererkennung bei Schülern gezeigt, auf welche Weise effizient Kritik geübt werden kann.Wenn es gelingt, die Fehler anschaulich zu verdeutlichen, ohne die Motivation zu verletzten, muss nur noch das geeignete „Rezept“ zur Fehlerkorrektur gefunden und umgesetzt werden. „Das sei keine leichte Aufgabe“, betonte auch der Chef des Skilehrteams, Diplom-Sportlehrer Johannes Zoehren vom Kommando Streitkräftebasis in Bonn. Er hob hervor, dass es darauf ankäme, die Hauptfehlerquelle nach einem positiven Feedback, das zunächst die „Kanäle“ öffne, anzusprechen, und schließlich mit geeigneten Übungen eine Verbesserung zu erzielen. Zu häufig sei man als Lehrer geneigt, zu viel anzusprechen, was ein Schüler weder verarbeiten, noch anschließend umsetzen könne.

Prüfungsformen und Bewertungskriterien für alle ausbildenden Einrichtungen der Bundeswehr wurden harmonisiert und abgestimmt.

Ein Focus wurde auch auf den Bereich von Führungstechniken und Taktiken unter dem Kriterium eines zeitgemäßen Risikomanagements gelegt. Unfälle zu verhindern, bedeute auch, den Auszubildenden rechtzeitig und mit wachsender Eigenverantwortung deutlich zu machen, dass sicheres Handeln für sich und andere nicht nur in der Verantwortung Dritter, sondern durchaus auch bei dem Einzelnen selbst läge, betonte der Leiter der Heeresbergführerausbildung, Oberstleutnant Johannes Schwegler. Dies zeigten die Heeresbergführer des Skilehrteams bei einer Skitour auf das Zuckerhütl (3505 m) der Stubaier Alpen mit einem Ausbildungsprogramm von Hauptfeldwebel Jörg Rauschenberger. Der 45 bis 50 Grad steilen Abfahrt auf der Nordseite des Gipfels waren zwar alle skitechnisch ohne Zweifel gewachsen, aber der eine oder andere Teilnehmer, äußerte durchaus seinen vorangegangenen Respekt vor dem Tiefblick.

Was einem Schüler zuzumuten sei, zeigte Professor Günther Penka von der Universität der Bundeswehr in München. Durch eine Übungsreihe, bei der die Herzfrequenz gemessen wurde, verdeutlichte er den Skiausbildern plastisch, welche Technikformen in welcher Weise beanspruchen, wie sich die Erholung über eine längere Zeitachse messbar entwickle und welche Konsequenzen sich daraus bezüglich des Techniktrainings oder der Umfänge zum Beispiel eines mittelintensiven Intervalltrainings ergäben.

P1070500

Johannes Zoehren resümierte als Gesamtleitender eine effektive und richtungsweisende  Weiterbildung. Er verabschiedete die Teilnehmer mit der Zielvorstellung, die erarbeiteten Lernziele umgehend an die Lehrgangsteilnehmer der jeweiligen Ausbildungseinrichtungen sowie in der Truppe weiterzugeben.

Autoren:
Oberstleutnant Diplom-Sportwissenschaftler Johannes Schwegler, Gebirgs- und Winterkampfschule
Sportlehrer Michael Abrell, Sportschule der Bundeswehr

Tags:

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.