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Snowboarderin Selina Jörg im Interview

Filed in Allgemein, Snowboard, Spitzensport by on 27. November 2013 0 Comments • views: 15

Selina Jörg 3_SnapseedSeit fast zehn Jahren fährt die Sonthoferin Selina Jörg im Nationalkader der deutschen Snowboarder. Nach Schüler- und FIS-Rennen kam im Jahr 2005 der Durchbruch mit der Bronzemedaille im Parallel-Riesenslalom bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Mit Olympia hat die 25-Jährige noch „eine Rechnung offen“ – bei der Winterolympiade 2010 im kanadischen Vancouver verfehlt sie den Treppchenplatz nur knapp. Wir sprachen mit Selina Jörg über ihre Vorbereitung auf die Winterolympiade in Sochi.

Die Olympischen Winterspiele stehen vor der Tür. Für Dich ist das sicher eine ganz besondere Saison. Wie macht sich das in der Vorbereitung bemerkbar?

Selina Jörg: Ja, eine Saison mit Olympischen Spielen ist für jeden Sportler etwas ganz besonderes und man arbeitet eigentlich vier Jahre auf dieses Ereignis hin. Da wir aber nicht, wie beispielsweise im Ausdauersport, unsere Form konstant auf einen bestimmten Tag hin aufbauen können, muss an so einem Wettkampftag einfach alles passen. Die Vorbereitung lief im Sommer aber ähnlich ab wie die vergangenen Jahre auch: Konditions-, Kraft-, Koordinations- und auch Sprungkrafttraining standen auf dem Trainingsplan. Man hat dabei aber sicherlich immer das Großereignis im Hinterkopf und das hilft schon, sich nochmal ein bisschen mehr zu quälen als sonst.

Vor vier Jahren, bei den Spielen im kanadischen Vancouver, bist Du ja nur knapp an einem Treppchenplatz und einer Medaille vorbeigeschrammt. Wie schätzt Du als international erfahrene Snowboard-Fahrerin Deine Chancen diesmal ein?

Selina Jörg: Ja genau, mit Olympischen Spielen habe ich sozusagen noch „eine Rechnung offen“. Derzeit steht aber sicherlich die Qualifikation dafür im Vordergrund, die Wettkämpfe beginnen Mitte Dezember in Italien. Wenn dann alles gutgeht und ich dabei bin, kann alles möglich sein. Jeder ist extrem angespannt an diesen Tagen und geht mit dem Druck unterschiedlich um. Überraschungen sind sicherlich zu erwarten. Erst einmal will ich jetzt aber erfolgreich in die Weltcup-Saison starten und die Quali möglichst frühzeitig schaffen, dann ist dieser Druck schon mal weg und ich kann Weihnachten beruhigt unterm Weihnachtsbaum sitzen…

Wie groß und wie stark ist der Kader des Snowboard-Verbandes Deutschland überhaupt, der in Sochi dabei sein wird? Wie sieht der Quali-Modus aus?

Selina Jörg: Bei den Alpin-Snowboarder haben wir ein starkes Damenteam mit vier Mädels, eine Qualifikation und ein Top-Ergebnis ist auf jeden Fall realistisch. Bei den Herren wäre es gut, wenn zwei bis drei Athleten dabei sind. Das Kriterium für Sochi sieht vor, im Weltcup zweimal Top-16 oder einmal Top-8 zu erreichen. Hierfür stehen ab Mitte Dezember fünf Weltcups zur Verfügung.

Wie läuft das mit der Sportförderung bei der Bundeswehr?

Selina Jörg: Ich bin gleich nach dem Abitur 2007 zur Bundeswehr gegangen und musste dort zunächst die Grundausbildung machen. Seitdem bin ich in der Sportfördergruppe. Es folgten in den anschließenden Jahren vier weitere Lehrgänge, zwei davon militärisch und zwei Sportlehrgänge. Jetzt bin ich Oberfeldwebel. In der Sportfördergruppe sind wir das ganze Jahr für Training und Wettkämpfe freigestellt und optimal abgesichert. Ohne dieses System der Bundeswehr könnten die meisten Athleten ihren Sport nicht professionell ausführen, kaum ein Arbeitgeber würde die enormen Fehlzeiten akzeptieren. Außerdem bietet die Bundeswehr den sog. Berufsförderungsdienst, eine Hilfe nach der sportlichen Karriere ins Berufsleben einzusteigen.

Arbeitest Du an einer beruflichen Perspektive für die Zeit nach dem Bund?

Selina Jörg: Ich habe in den letzten Jahren ein Fernstudium für Internationales Management an der FH Ansbach gemacht. Dort wird dieser Studiengang speziell für Spitzensportler angeboten und man kann ganz flexibel seine Kurse bzw. Präsenzphasen und Klausurtermine wählen. Diesen Sommer habe ich nun meine Bachelorarbeit über Neuromarketing geschrieben und das Studium damit sehr erfolgreich beendet. Neben dem täglichen Training und allem was noch dazugehört, war das eine sehr intensive Zeit und die ein oder andere Nachtschicht war nicht zu umgehen.

Sieger macht man im Sommer, heißt es bei vielen Wintersportarten. Hattest Du im Sommer Zeit und Gelegenheit, mal von Snowboard zu kommen? Welche Sportarten oder andere Hobbys stehen sonst noch an?

Selina Jörg: Ja im Sommer wird nicht weniger trainiert wie im Winter, eigentlich sogar mehr. Aber ohne die Einheiten im Kraftraum oder auf dem Rad, würde man sich im Winter ziemlich schwer tun; zudem steigt das Verletzungsrisiko. Nach der Saison war ich noch ein paarmal auf dem Gletscher und habe neues Material getestet, dann war aber erstmal bis Mitte August Schneepause. Im Sommer genieße ich es einfach draußen in der Natur zu sein, egal ob mit Mountainbike, Rennrad oder auch nur zu Fuß. Mein anderes Hobby – Tennis – ist in den letzten Jahren leider zu kurz gekommen.

Text und Foto: Josef Gutsmiedl

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