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Sportsoldatin Sabine Winter auf dem Podest, Ovtcharov unterliegt Chinas Wunderkind im Finale

Filed in Allgemein, Spitzensport, Tischtennis, Wettkampf by on 27. November 2013 0 Comments • views: 43

Tischtennis-Weltelite bei den German Open – Europameisterinnen Solja/Winter holen BronzeSolja-Winter-GO2013-0262_SnapseedEinmal Gold, zweimal Silber, dreimal Bronze – das ist die Bilanz aus deutscher Sicht bei den Tischtennis German Open 2013. Timo Boll und Patrick Franziska gewannen den Titel im Herren-Doppel. Dimitrij Ovtcharov bezwang im Herren-Einzel-Halbfinale seinen Kumpel Timo Boll, verlor jedoch das Finale im gegen den chinesischen Jung-Star Fan Zhendong. Han Ying wurde bei ihren ersten German Open Dritte. Weitere Podestplätze gab es für Sportsoldatin Sabine Winter und Petrissa Solja (Bronze im Damen-Doppel) sowie für Petrissa Solja (Einzel U-21-Wettbewerb). Für weitere Sportsoldaten endete das Turnier nicht so erfolgreich. An den fünf Turniertagen verfolgten 12.500 Besucher die Spiele in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Die nächsten German Open finden vom 26.-30. März in Magdeburg statt.

Berlin. Chinas Jungstar Fan Zhendong hat die German Open 2013 gewonnen. Der erst 16-jährige Jugend-Weltmeister besiegte im Endspiel vor 5000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle Titelverteidiger Dimitrij Ovtcharov klar mit 4:1. und streicht 16.000 US-Dollar Siegprämie ein. Ovtcharov bleiben 8.000 US-Dollar. Mit 16 Jahren ist Fan der jüngste Sieger auf der World-Tour im Herren-Einzel aller Zeiten. „Fan kannte ich vor einem Jahr noch gar nicht und jetzt kann er schon bald Herren-Weltmeister werden“, sagte Ovtcharov über den Wunderknaben.

WuJiaduo-GO2013-0154Der 25-Jährige spielte wahrlich nicht schlecht, doch der Jugend-Weltmeister hatte meist eine bessere Antwort parat. „Fan hat enorm schnell gespielt. Dadurch konnte ich nur selten die Initiative übernehmen. Phasenweise hat mir die Aggressivität gefehlt. Trotzdem war es aus meiner Sicht ein gutes Spiel von mir. Ich bin auch mit dem Turnier insgesamt sehr zufrieden. Immerhin hatte ich eine sehr harte Auslosung und so viele hochkarätige Gegner wie vermutlich noch nie. Zweimal stand ich sehr knapp vor einer Niederlage und habe mich rausgerissen“, betonte Ovtcharov, der im Juli in der chinesischen Super League knapp gegen Fan verloren hatte. Seinen Mut im Hinblick auf die Duelle mit China hat der Dimitrij Ovtcharov auch trotz der herben Finalniederlage nicht verloren. „Ich glaube, dass ich nach den Chinesen der beste europäische Spieler bin. Ich glaube auch daran, dass wir irgendwann die Chinesen schlagen, sonst müsste ich aufhören“, sagte der zweifache Olympiamedaillengewinner von London 2012.
„Das deutsche Team ist immer noch die größte Gefahr für China“
German-Open-Sieger Fan Zhendong ist das Wunderkind aus dem Reich der Mitte. Die Jugend-WM in Indien im Dezember 2012 war sein erstes Turnier im Ausland. Dort gewann er gleich drei Titel, Einzel, Mixed und Team, außerdem Platz zwei im Doppel. Selbst für chinesische Verhältnisse ist sein Aufstieg rasant. Wenige Monate nach seinem Jugend-WM-Erfolg siegte er beim internen Relegationsturnier im Nationalteam und stieg dadurch in den Kader der Erwachsenen auf. Bereits drei Jahre zuvor war General-Cheftrainer Liu Guoliang von seinem Trainerstab der Name als große Nachwuchshoffnung genannt worden.

Auszeit bringt Ovtcharov im Halbfinale gegen Kumpel Boll auf die Siegerstraße
Im Halbfinale hatte Dimitrij Ovtcharov in der Neuauflage des Endspiels von 2012 in Bremen seinen Kumpel Timo Boll in sechs Sätzen bezwungen. Es war der dritte Sieg in Folge von Ovtcharov über Boll, zuletzt hatte er beim World Cup im belgischen Verviers die Partie um Platz drei gewonnen. Vor 5000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle lieferten sich der Weltranglistenfünfte Ovtcharov und der Weltranglistensechste Boll über weite Strecken einen offenen Schlagabtausch. Zwischenzeitlich sah es sogar eher nach einem Sieg von Boll aus. Der Düsseldorfer führte mit 2:1 in Sätzen und lag auch im vierten Satz in Front. Erst eine Auszeit Ovtcharovs brachte die Wende – in dem Satz und dem ganzen Match.

„Ich war bis dahin ganz gut in Fahrt und stabil am Tisch und er schon etwas verzweifelt. In der Mitte des Spiels habe ich zu viele einfache Punkte abgegeben. Das darf ich mir gegen ihn nicht leisten“, sagte der unterlegene Rekord-Europameister, „Ich bin aber auf einem guten Weg. Ich wollte in Berlin vor allem zeigen, dass ich wieder konkurrenzfähig bin. Das ist mir gelungen. Insofern bin ich nicht unzufrieden“, sagte Boll.
Die Sportsoldaten Kristin Silbereisen (Berlin), Patrick Baum (Düsseldorf) und Ricardo Walther (Düsseldorf) waren in der ersten Hauptrunde ausgeschieden. Wu Jiaduo (Metz, Frankreich), Europameisterin von 2009, spielte sich in das Achtelfinale vor. Insgesamt war es ein gutes Turnier für mich hier. Ich bin zufrieden“, resümierte Wu, die Europameisterin von 2009.
Für den Deutschen Meister, Steffen Mengel sowie Team-Europameister Ruwen Filus (Fulda), Anja Schuh (Böblingen) und Philipp Floritz (Fuda) kam bereits in der Qualifikation das Aus.
Sabine Winter und Petrissa Solja verpassen das Endspiel
Ihren Titel aus dem Vorjahr konnten Sabine Winter und Petrissa Solja diesmal nicht verteidigen. Die German-Open-Sieger von 2012, Deutschen Meister und Europameister unterlagen im Halbfinale den Japanerinnen Fukuhara/Wakamiya klar in drei Sätzen. „Das war die klarste Niederlage, seit wir bei den Damen zusammenspielen. Wir hatten uns eigentlich Chancen ausgerechnet. Leider hat es nicht gereicht. Die Japanerinnen waren unheimlich schnell am Tisch, da habe ich noch Schwächen. Ich muss noch über dem Tisch besser werden, das ist für das Einzel und Doppel wichtig. Im Doppel kommt das nicht so zur Geltung, weil Peti passiv so gut ist“, analysierte die Hauptgefreite Sabine Winter. Die 21-Jährige vom Bundesligisten Kolbermoor und die 19-Jährige vom österreichischen Erstligisten Linz dürfen sich dennoch über die Bronzemedaille und ein nettes Weihnachtsgeld von je 1000 US-Dollar freuen. Den Titel holten die Chinesinnen Wen Jia und Zhao Yan

Ai Fukuhara im Damen-Einzel-Endspiel ohne Chance
Den Einzel-Titel bei den Damen hat Wen Jia (China, Weltrangliste: 37) durch ein klares 4:0 über Ai Fukuhara (Japan, WR: 14) gewonnen. Wen behauptete sich im Endspiel deutlich mit 4:0 und kam nicht mal in die Nähe eines Satzverlustes. Für Wen war es der zweite Erfolg auf der World Tour nach den China Open in Shenzen 2011.
Die deutsche Nummer eins, Han Ying, hatte das Finale der German Open knapp verpasst. Die 30-jährige Abwehrspielerin musste sich Japans Star Fukuhara in sieben Sätzen geschlagen geben. Die EM-Dritte im Einzel und Europameisterin mit Team Deutschland, Han, hatte mit 2:0 geführt und den dritten Satz im Entscheidungssatz verloren. Dann kippte das Match. Wie bei der EM in Schwechat holte Han Bronze.

Ovtcharov-2013-GO2013-0240Titel im Herren-Doppel für Boll/Franziska
Im Herren-Doppel gab es am Ende doch noch einen Titel für Deutschland: Timo Boll und Patrick Franziska rangen im Finale die Taiwanesen Chiang Hung-Chieh/Huang Sheng-Sheng mit 3:2 nieder. Bereits im Viertel- und Halbfinale hatten Boll/Franziska über fünf Sätze gehen müssen. Im Endspiel behielten sie erneut die Nerven. Dabei hatten die beiden gebürtigen Odenwälder schon hoch zurückgelegen. Beim 1:2 und 5:9 in Durchgang vier standen die Taiwanesen kurz vor dem Titelgewinn, doch das deutsche Duo bog den Rückstand noch um und nutzte im fünften Satz den dritten Matchball zum umjubelten Erfolg. „Wir haben hier in Berlin zum ersten Mal zusammengespielt und auch vorher kaum trainiert. Ich habe den Eindruck, dass wir gut zusammen passen. Die Abstimmung können wir noch verbessern. Es ist toll, mit Timo zu spielen. Er gibt mir Selbstvertrauen und hilft mir über manchen Hänger hinweg. Ohne ihn hätten wir auch das Finale nicht gewonnen“, sagte Patrick Franziska. Der Fuldaer Bundesligaspieler kann sich auch über das Preisgeld von 4000 US-Dollar freuen. „Das ist eine willkommene Beigabe. Der Titel war wichtiger und den kann uns keiner nehmen.“

Mittelham mit großem Beifall verabschiedet
Mit großem Beifall empfangen und mit noch größerem Beifall trotz ihrer 0:4-Niederlage im Achtelfinale gegen Ai Fukuhara (Japan) verabschiedet – die erst 17-jährige Jugend-Europameisterin Nina Mittelham spielte sich bei den German Open in den Fokus und in die Herzen der Zuschauer. Erst in der dritten Hauptrunde der Damen musste sich die Zweitligaspielerin aus Driburg geschlagen geben. Die Nummer 14 der Weltrangliste war eine Nummer zu groß und ließ „Ninjas“ Topspin-Angriffe nicht zur Entfaltung kommen. Ob sie sich über die Niederlage ärgert? „Eigentlich nicht“, meint sie. „Ich habe über einige Tage hinweg mein Bestes gegeben, und dann muss man nicht traurig sein, wenn man die eine oder andere Chance hat liegenlassen.“ Mit erfolgreich überstandener Qualifikation sowie Siegen über die Ungarin Pota (WR: 51) und die Rumänin Samara (WR: 23) hatte Mittelham nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht.

U-21-Wettbewerb: 2:4-Finalniederlage für Petrissa Solja
Diesmal hat es nicht zur Goldmedaille gereicht. Im Endspiel des U-21-Wettbewerbs der Damen unterlag Petrissa Solja (WR: 52) der 27 Plätze in der Weltrangliste höher eingestuften Koreanerin Lee Ho Ching in sechs Durchgängen. Dass die Niederlage nicht unbedingt eine Überraschung ist, zeigen nicht nur die unterschiedlichen Weltranglistenpositionen sondern auch die Tatsache, dass Lee auch im Damen-Wettbewerb das Halbfinale erreicht hat. „Als Titelverteidigerin bin ich natürlich nicht glücklich mit der Niederlage. Meine Gegnerin hat heute in den entscheidenden Momenten die wichtigen Punkte gemacht und war besser“, erkannte die 19-Jährige neidlos an. 2012 bei den German Open in Bremen hatte sie die Konkurrenz für sich entschieden. Aber mit der Ausbeute von einer Silber- und eine Bronzemedaille im Doppel steht die doppelte Europameisterin auch 2013 nicht schlecht da.

Die nächsten German Open finden vom 26.-30. März 2014 in Magdeburg statt.
Tickets und Informationen: http://tischtennis-tickets.de/GermanOpen2014/

Text und Fotos: DEUTSCHER TISCHTENNIS-BUND

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