66. Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig Heldenspektakel rockt die Heldenstadt

Atmosphäre wie „Gefühlslage unbeschreiblich“, bricht es aus dem neuen deutschen Sprinterass Patrick Domogala nach seinen fulminanten 20,77 Sekunden über die famose 200 Meter Rundbahn heraus. Der unangefochtene „Domo-Gala-Ritt“ des noch frisch gebackenen Sportsoldaten symbolisiert dabei auch einen höchst erfreulichen Generationenwechsel in der Leichtathletik insgesamt, der sich über die ganze Disziplinbreite der klassischen olympischen Kernsportart erstreckt. Und überhaupt: Nach den für das Nationalteam des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) bisweilen heldenhaft verlaufenen Europameisterschaften im legendären Berliner Olympiastadion, startete das Leichtathletik-Jahr 2019 knapp sechs Monate später mit dem nächsten Highlight – den 66. Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in der sowohl Zuschauer- wie Wettkämpfer-attraktiven Atmos­phäre der Arena Leipzig.

Im dortigen Hallenrund stand das wirklich erste nationale Kräftemessen auf dem Programm, denn die Avantgarde des DLV fightete hier nicht nur um die heißbegehrten Deutschen Meistertitel und die Treppchen-Platzierungen in Silber und Bronze, sondern gleich auch um die Tickets für die Hallen-Europameisterschaften im britischen Glasgow. Mit am Start um die Titel wie die EM-Nominierung, eine Vielzahl europaweit aufstrebender wie international längst etablierter Sportsoldaten der Bundeswehr.
Was für ein exklusives Hallen-Sportfest in der sächsischen Metropole, einen Steinwurf nur vom legendären Leipziger Zentralstation entfernt: Volle Ränge, versiertes Publikum, emotionale Hochspannung und großen Applaus für einen ganzen Blumenstrauß an deutschen Spitzenleistungen. Immerhin ging es bei den nationalen Titelkämpfen zugleich um die Frage, wer das Herbst- und Wintertraining in den deutschlandweiten Leistungszentren, Olympiastützpunkten und weltweiten Trainingslagern optimal genutzt hatte, um beim gleichzeitigen Run um die Qualifikationen für die international anstehenden Meetings ganz weit vorne mitmischen zu können. Schließlich ging es für die potentiellen Nominierungskandidaten in der Arena Leipzig um die drängende Frage, wer nur knapp zwei Wochen später bereits nach Schottland reisen dürfe: Nämlich zu den Europameisterschaften in den Nordwesten der britischen Insel. Und damit in die topmoderne wie imposante Emirates Arena nach Glasgow, die erst 2009 innerhalb eines gigantischen Sportkomplexes für die Commonwealth Games 2014 errichtet wurde.

Militärathleten glänzten am laufenden Band

Und so kam es nicht von ungefähr, dass in der Arena Leipzig der Pabst sprichwörtlich im Kettenhemd tanzte. So, wie beim Hürdenlauf der Frauen: Ein hochspannendes Duell lieferten sich hier die beiden deutschen Weltklasse-Hürdensprinterinnen Pamela Dutkiewicz aus Wattenscheid und die leistungssportgeförderte Bundespolizeibeamtin Cindy Roleder aus Halle über die 60 Meter Hürden. Nach kontrolliert abgespultem Vorlauf siegte Pamela Dutkiewicz im überaus kämpferischen Finale gleich mit einer Weltklassezeit von 7,90 Sekunden vor der streitbaren Sportpolizistin und amtierenden Hallen-Europameisterin, die in glatten 8,00 Sekunden zu Silber stürmte.
Die 60 Meter Hürden der Männer: Gregor Traber, der Sportsoldat aus der erzgebirgsnahen Sportfördergruppe Frankenberg, der sich zuvor schon beim ISTAF INDOOR Berlin in international aufstrebender Form hinter dem französischen 110 Meter Hürden-Europameister Pascal Martinot-Lagarde präsentiert hatte, lieferte sich ein heißes wie gewagtes Duell gegen Bundeswehr-Kamerad Erik Balnuweit – ebenfalls Sportfördergruppe Frankenberg – und brillierte dabei mit dem deutschen Titel. Mit 7,62 Sekunden ein Mega-Erfolg für den seit kurzem für die LAV Stadtwerke Tübingen Startenden, denn sein „Erzrivale“ konnte zuvor mit sechs Titeln in Folge glänzen. Nicht nur das Aus für das Gold-Abo bei den Deutschen Hallenmeisterschaften, sondern auch kein EM-Glasgow-Ticket, so die 7,71 Sekunden für den Vizemeister und Wattenscheider, der die EM-Nominierung nur um den Wimpernschlag einer Hundertstelsekunde verfehlte. „Ich hoffe, dass die Rädchen dann noch besser ineinander greifen“, so Gregor Traber noch ganz vom Siegestaumel erfasst.


Unbeschreiblich männlich stach auch der sich erst seit Herbst 2018 in der Bundeswehr-Sportförderung befindliche Militärathlet Patrick Domogala hervor. In der Konkurrenz über 200 Meter stürmte der 25-jährige nicht nur zu seiner persönlichen Bestzeit, sondern gleich zur Top-Zeit in Europas Saisonliste. Die exzellenten 20,77 Sekunden – Achter der ewigen deutschen Bestenliste – waren die Fahrkarte zur Glasgow-EM. „Unbeschreiblich“, so sein Kommentar zum allerersten deutschen Männer-Titel, der ihm sehr viel bedeute, schwärmte der „Mannschaftdienstgrad“, der für die MTG Mannheim startet. Für Sportsoldat und Hochsprung-Europameister 2018, Mateusz Przybylko, stand ein packendes Titel-Duell mit EM-Norm gegen Falk Wendrich an, den Przybylko vom TSV Bayer 04 Leverkusen schließlich mit seinen 2,26 Meter im ersten Versuch gewann und damit das EM-Ticket löste.

Unendliche Sachsenpower: Weltklassewurf aus dem Erzgebirge

Strahlende Wangen gab es auch für die ursächsische Sportsoldatin Christina Schwanitz von der LV 90 Erzgebirge, die die 3.500 Zuschauer mit ihrer eigenen, um 23 Zentimeter gesteigerten Weltjahresbestleistung, verwöhnte – 19,54 Meter feierte die 33-jährige in umjubelter Ehrenrunde. Und auch Sara Gambetta, ebenfalls Sportfördergruppe Frankenberg, hatte gut Lachen, die mit 17,90 Metern Hallen-Bestweite warf. Ein echtes Wimpernschlagfinale lieferten sich Katharina Trost und die hochgeschossene Bundeswehrathletin Christina Hering im spannungsgeladenen 800 Meter Rennen. Beide für die LG Stadtwerke München am Start, führte Christina Hering gut 700 Meter, als ihre Vereinskameradin plötzlich mit extrem gesteigerten Finish angriff. Bitter für die Titelverteidigerin, denn die Zielbildauswertung sprach nach zeitgleicher Messung in 2:05,16 Minuten Katharina Trost den deutschen Titel mit einer Tausendstel Sekunde Vorsprung zu. Vizetitel hieß es am Ende für Sportsoldatin und zweifache Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause, die der frühen Absetzbewegung von Hanna Klein – SG Schorndorf 1846 – über 1.500 Meter mit 4:36,64 Minuten Sieg nicht folgen konnte. Im Kampf um Silber hatte Gesa Felicitas Krause für Silvesterlauf Trier in 4:37,65 Minuten die besseren Körner. „Wünsche mir immer solche Hallenmeisterschaften“, zog Idriss Gonschinska, DLV-Generaldirektor Sport, in der Abschlusspressekonferenz sein optimistisches Fazit. Mit Blick Richtung Herbst-WM in Doha und Olympia in Tokio 2020, sei die deutsche Leichtathletik auf dem besten Weg.

Text und Fotos: Volker Schubert

 

Blitzinterviews mit vier deutschen Sportsoldaten:

 

Patrick Domogala – Deutscher 200-Meter-Meister – Schnelle Beine mit Herz in der Hand – Link

 

Christina Hering – Deutsche 800-Meter-Vizemeisterin – „Ich möchte von vorne laufen“ – Link

 

Robert Hering –  Deutscher Vizemeister Vier-mal-200-Meter-Staffel – „Gefightet bis zum Schluss“ – Link

 

Gesa Felicitas Krause – Deutsche Vizemeisterin 1.500 Meter Lauf – „Gewillt, die Bundeswehr bestmöglich öffentlich zu repräsentieren“ – Link

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